Politik

Gegen Russland und China: Maas will robusten Block mit den USA bilden

Außenminister Heiko Maas setzt darauf, dass Deutschland und die USA stärker eine gemeinsame Politik gegenüber Russland und China betreiben. Der Regierungswechsel in Washington D.C. zeigt seine ersten Auswirkungen auf die deutsche Außenpolitik.
09.03.2021 16:49
Aktualisiert: 09.03.2021 16:49
Lesezeit: 2 min

Außenminister Heiko Maas setzt darauf, dass Deutschland und die USA stärker eine gemeinsame Politik gegenüber Russland und China betreiben. „Wenn unsere Interessen und Werte auf dem Spiel stehen, müssen wir für sie eintreten“, sagte er in einer Rede am Dienstag. „Wir haben unsere Rechtsvorschriften zum Schutz unserer digitalen Infrastruktur, insbesondere unserer 5G-Netze, gegenüber fremdem Einfluss gestärkt“, sagte er mit Blick auf China und die Frage, ob chinesische Unternehmen am 5G-Ausbau beteiligt werden sollten. Deutschland habe zudem Menschen- und Völkerrechtsverletzungen sowohl Russlands als auch Chinas kritisiert. „Ich hoffe, dass wir zu einer gemeinsamen transatlantischen Haltung bei gezielten Sanktionen zurückkehren können, nachdem diese in den letzten vier Jahren verlorenging“, sagte Maas nach Angaben von Reuters zur künftigen Zusammenarbeit mit US-Präsident Joe Biden.

Mit Blick auf China sagte Maas, dass sich Deutschland als Handelsnation zur Aufrechterhaltung freier Seewege bekenne. „Erst vor ein paar Tagen haben wir uns entschlossen, erstmals eine Marineeinheit in den Indo-Pazifik zu entsenden.“

Wie glaubwürdig die Aussagen von Maas im Zusammenhang mit China sind, bleibt unklar. Schließlich tut Kanzlerin Angela Merkel alles, um Chinas Einfluss in Deutschland und Europa zu erweitern (HIER).

Der DWN-Chefredakteur Hauke Rudolph kritisiert in einer tiefsinnigen Analyse: „Das Reich der Mitte schickt sich an, die USA als Weltmacht Nummer eins abzulösen. Wozu es auch jedes Recht hat. Zur Erreichung dieses Ziels wendet es jedoch Methoden an, die dem Prinzip eines friedlichen Wettstreits der Völker fundamental widersprechen: Es betreibt mittels Marktzugangsbarrieren, erzwungenen Technologie-Transfers, regelwidrigen Staatshilfen und Export-Subventionen sowie einer gezielten Abwertung seiner Währung einen unfairen Wettbewerb. Es weitet seinen Machtbereich in der Asia-Pazifik-Region mit Hilfe von militärbasierter Machtpolitik rücksichtslos aus. Es manipuliert die Arbeit internationaler Organisationen, beispielsweise der WHO. Es führt Nationen in Asien (die Neue Seidenstraße!), Afrika und Südamerika in die Abhängigkeit, um sie anschließend rücksichtslos auszubeuten. Ja, es scheut sich anscheinend noch nicht einmal, eine Katastrophe wie die Corona-Pandemie auf perfide Weise für seine Zwecke zu nutzen.“

Sicher werde es mit den USA auch Konflikte geben, sagte Außenminister Maas, ohne aber etwa die umstrittene Gaspipeline Nord Stream 2 durch die Ostsee zu nennen. Der US-Sender „CNBC“ berichtet: „Es wird allgemein erwartet, dass sich der schwelende geopolitische Streit um eine Unterwasserpipeline, die Gas von Russland nach Deutschland bringen würde, in den kommenden Wochen verschärfen wird, wobei der Druck auf Präsident Joe Biden zunimmt, mehr zu tun, um das fast abgeschlossene Projekt zu stoppen.“

Deutschland hat Maas zufolge in den vergangenen Jahren „massiv in die europäische Verteidigung und Sicherheit“ investiert und die Verteidigungsausgaben seit 2014 um 50 Prozent gesteigert. „Auf diesem von uns eingeschlagenen Weg werden wir weiter fortschreiten“, betonte der SPD-Politiker. Er setze darauf, dass die USA zusammen mit den Europäern das Atomabkommen mit Iran erhalten werde. „Die Bewahrung des Abkommens ist entscheidend, nicht nur, um zu verhindern, dass Iran in den Besitz von Kernwaffen gelangt“, mahnte der Außenminister. Zudem forderte er eine gemeinsame transatlantische Afghanistan-Politik. Er sei wie US-Außenminister Antony Blinken der Ansicht, dass für einen Abzug aus Afghanistan bestimmte Bedingungen erfüllt sein müssten. Man habe nicht über Jahre so großen Opfer erbracht, um erleben zu müssen, wie das Land erneut im Chaos versinke. Nach Informationen der „RAND Corporation“ ist die Bundeswehr noch mit etwa 1.300 Soldaten in Afghanistan präsent. Die meisten dieser Soldaten sind in Masar-i-Scharif stationiert.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Xiaomi-Elektroautos: Warum dieser Milliardär Volkswagen und Tesla gefährlich werden könnte
31.10.2026

Er verkaufte Smartphones, wurde Milliardär und stieg schließlich ins Autogeschäft ein. Mit seinem ersten Elektroauto gelang Xiaomi-Chef...

DWN
Panorama
Panorama Kommunale Schulden wachsen deutlich: Deutschlands Städte unter Druck, die KfW warnt
31.10.2026

Die integrierte Verschuldung der deutschen Kommunen ist 2025 deutlich gestiegen. Ende des Jahres entfielen rechnerisch 4.907 Euro Schulden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen 70 Jahre Fernsehwerbung: Das beste Marketing, das Deutschland nie vergessen hat
31.10.2026

Ein Fleck auf der Tischdecke, ein Waschmittel und ein Satz, der hängen blieb: 1956 begann die Fernsehwerbung in Deutschland. Seitdem haben...

DWN
Immobilien
Immobilien Heizungstausch finanzieren: So nutzen Eigentümer Förderung, Kredit und Steuerbonus
31.10.2026

Eine neue Heizung kann langfristig Geld sparen, verlangt zunächst aber eine beträchtliche Investition. Eigentümer müssen deshalb...

DWN
Finanzen
Finanzen Vermögensbarometer 2026: ETF-Boom hält an, Anteil der Privatanleger stagniert
31.10.2026

ETFs werden in Deutschland immer beliebter, doch der Anteil der Menschen mit Wertpapieren stagniert. Das neue Vermögensbarometer des...

DWN
Finanzen
Finanzen KfW-Gründerkredite: 225 Millionen Euro zugesagt – doch Banken werden strenger
31.10.2026

Die staatliche Förderbank KfW hat im ersten Halbjahr 2026 deutlich mehr Gründerkredite zugesagt. Gleichzeitig verschärfen deutsche...

DWN
Immobilien
Immobilien Gebäudetyp E: Weniger Extras sollen den Wohnungsbau günstiger machen
31.10.2026

Weniger Steckdosen, dünnere Decken und niedrigere Baukosten: Der Gebäudetyp E soll den Wohnungsbau in Deutschland erleichtern. Ein neuer...

DWN
Panorama
Panorama Volvo ebenso verdächtig wie BYD: Polnisches Militär verhängt Verbot für Friedhofsparkplätze
31.10.2026

Das Militär führt Einschränkungen für Autofahrer ein, die rund um Allerheiligen den Parkplatz am Osobowicki-Friedhof in Breslau nutzen...