Politik

Kurz fordert Offenlegung der EU-Abkommen mit Pharma-Firmen

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz fordert von der EU-Kommission die abgeschlossenen Impfstoff-Verträge mit Pharma-Firmen offenzulegen. Es müsse herausgefunden werden, wer diese Verträge unterschrieben habe und warum vom Ziel einer gleichen Verteilung abgewichen wurde.
12.03.2021 14:30
Aktualisiert: 12.03.2021 14:30
Lesezeit: 1 min

Österreichs Kanzler Sebastian Kurz kritisiert die Verteilung von Impfstoffen gegen das Coronavirus in der Europäischen Union scharf. Die Aufteilung der Arzneien auf die EU-Mitgliedsstaaten sei entgegen der erklärten Zielsetzung einer fairen Teilhabe ungerecht, sagte er am Freitag in Wien. In Brüssel erklärte ein Sprecher der EU-Kommission zu den Vorwürfen, es sei Sache der Mitgliedsstaaten, mehr oder weniger Impfstoffe zu fordern.

Da es auffällige Unterschiede beim Impffortschritt zwischen den Mitgliedsstaaten gebe, habe er zusammen mit anderen Regierungschefs die nationalen Lieferdaten verglichen, sagte Kurz. Dabei sei herausgekommen: „Die Lieferungen erfolgen nicht nach Bevölkerungsschlüssel.“

„Als ich diese Informationen gestern mit einigen Staats- und Regierungschefs geteilt habe, konnten viele ihren Augen und Ohren nicht trauen“, sagte Kurz. „Diese Lieferpläne stehen klar im Widerspruch zum politischen Ziel der Europäischen Union, nämlich dass alle Mitgliedsstaaten gleichermaßen pro Kopf ihren Anteil an Impfdosen erhalten sollen.“ Dies sei beim EU-Gipfel im Januar beschlossen worden.

Allerdings seien anscheinend gleichzeitig und im klaren Widerspruch dazu in einem Lenkungsausschuss von Gesundheitsbeamten andere Vereinbarungen mit Pharma-Unternehmen getroffen worden. „Die Verträge dieses Gremiums sind geheim und ich kenne sie daher selbst nicht“, sagte Kurz. „Es gibt aber Hinweise darauf, dass es dort einen sogenannten Basar gegeben haben soll, wo zusätzliche Abmachungen zwischen Mitgliedsstaaten und Pharmaunternehmen getroffen worden sind.“

Kurz fordert Offenlegung der Abkommen mit Pharma-Firmen

Wenn diese Art der Verteilung der Impfstoffe fortgesetzt werde, habe das zur Folge, dass manche Länder schon im Mai ihre Impfkampagne abgeschlossen hätten, andere würden dagegen noch bis zum Herbst impfen müssen, sagte der Kanzler. Das müsse verhindert werden. Nötig sei jetzt volle Transparenz, was die Vereinbarungen des Lenkungsausschusses mit den Unternehmen betreffe. Es müsse herausgefunden werden, wer diese Verträge unterschrieben habe und warum vom Ziel einer gleichen Verteilung abgewichen wurde.

Nach den Angaben von Kurz würde nach dem jetzigen Plan zur Verteilung der Impfdosen beispielsweise Malta bis Ende Juni fast drei mal viele Impfdosen pro Kopf bekommen wie Bulgarien. Demnach würden die Niederlande bis zur Jahreshälfte mehr Einheiten pro Kopf erhalten als Deutschland und fast doppelt so viele wie Kroatien.

Der Sprecher der EU-Kommission erklärte, Mitgliedsstaaten könnten mehr oder weniger Impfstoffe fordern. Dies werde dann zwischen den Mitgliedsstaaten diskutiert. „In diesem Zusammenhang ist es möglich, dass (...) ein neuer Verteilungsschlüssel mit dem Unternehmen vereinbart wird.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 20: Die wichtigsten Analysen der Woche
15.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 20 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf tiefstem Stand seit April: Warum Anleger plötzlich nervös werden
15.05.2026

Der Absturz beim Goldpreis am Freitag überrascht die Anleger. Und auch der Silberpreis steht vor dem Wochenende deutlich unter Druck. Vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Rekordaufträge reichen nicht mehr – Zweifel bei Anlegern bleiben
15.05.2026

Rekordaufträge, Milliarden aus Verteidigungshaushalten und neue Großprojekte: Eigentlich spricht vieles für die Rheinmetall-Aktie,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zwischen Risiko und Wachstum: Wie Führungskräfte unter Druck handlungsfähig bleiben
15.05.2026

Unternehmen stehen vor der Herausforderung, die richtige Balance zwischen Risikobewusstsein und Investitionsbereitschaft zu finden, um...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Kartenzahlung statt Bargeld? Hinweis bei Edeka-Markt entfacht hitzige Netz-Debatte
15.05.2026

Ein Foto aus einem Edeka-Markt entwickelt sich plötzlich zum Social-Media-Thema. Der Grund: Kunden werden gebeten, möglichst bargeldlos...

DWN
Technologie
Technologie KI-Agenten: Die neue Machtmaschine aus San Francisco
15.05.2026

Im Silicon Valley herrscht Goldgräberstimmung, doch diesmal geht es nicht um eine neue App. KI-Agenten schreiben Code, erledigen Aufgaben...

DWN
Finanzen
Finanzen Pharma-Aktien zwischen Wachstum und Dividende: Worauf Anleger jetzt achten
15.05.2026

Pharma-Aktien stehen vor einer neuen Bewährungsprobe, da Wachstum, Patente und Preisdruck die Unterschiede im Sektor deutlich...

DWN
Politik
Politik Bei Wahlsieg in Sachsen-Anhalt: AfD will Hunderte Behördenstellen neu besetzen
15.05.2026

Die AfD in Sachsen-Anhalt plant für den Fall eines Wahlsiegs offenbar einen tiefgreifenden Umbau der Landesverwaltung. Hunderte Stellen...