Finanzen

Fed schwört auf extrem lockere Geldpolitik: Deutsche Ökonomen äußern sich dazu

Angesichts der erfolgreichen Impfkampagne und des jüngsten riesigen Konjunkturpakets rechnet die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) im laufenden Jahr mit einem deutlich stärkeren Wirtschaftswachstum. Deutsche Ökonomen äußern sich zur Geldpolitik und zu den Prognosen der Fed.
17.03.2021 22:43
Aktualisiert: 17.03.2021 22:43
Lesezeit: 1 min

Die US-Notenbank Fed hat ihre Prognosen zum Wirtschaftswachstum und zur Preisentwicklung kräftig erhöht und setzt im Kampf gegen die Corona-Krise unverändert auf eine extrem lockeren Geldpolitik. Der gegenwärtige geldpolitische Kurs werde beibehalten, bis die Ziele der Fed erreicht seien, teilte die Notenbank am Mittwoch nach ihrer Zinsentscheidung in Washington mit.

Ökonomen zu den geldpolitischen Entscheidungen der Fed

Uwe Burkert, Chefvolkswirt Landesbank Baden-Württemberg (LBBW):

"Die US-Notenbanker lassen sich von der anschwellenden Debatte an den Finanzmärkten über eine Reflationerung weiterhin nicht beirren. Gemäß der neuen Projektionen des FOMC dürfte die Inflation zwar im laufenden Jahr mit 2,4 Prozent deutlich über dem Zielwert liegen - allerdings nur temporär, denn in den folgenden beiden Jahren wird die Zielmarke demnach jeweils (nahezu) exakt getroffen. Für die Mehrzahl der Währungshüter stellt dieses nur moderat veränderte Preisumfeld keinen Anlass dar, um den jüngsten Finanzmarktspekulationen über eine frühzeitige Leitzinswende Nahrung zu geben."

Thomas Gitzel, Chefvolkswirt VP Bank:

"Die Botschaft der US-Notenbank lautet: Ja, das US-Rettungspaket wird das Wachstum im laufenden Jahr kräftig anschieben. Dies bedeutet aber noch lange nicht, dass damit ein nachhaltiger Inflationsanstieg verbunden ist. Deshalb wird die Fed die Nach-Corona-Zeit weiterhin mit günstigem Geld absichern."

Bernd Weidensteiner, Analyst Commerzbank:

"Die massiven fiskalpolitischen Impulse und der rasche Fortschritt der Corona-Impfungen haben die Fed - im Einklang mit anderen Beobachtern - deutlich optimistischer hinsichtlich des wirtschaftlichen Ausblicks werden lassen. Fed-Chef Powell hat in der Pressekonferenz allerdings unterstrichen, dass es noch einige Zeit dauern werde, bis der für eine Einschränkung der Anleihekäufe (Tapering) erforderliche erhebliche Fortschritt erzielt sei."

Thomas Altmann, Analyst QC Partners:

"Die Inflationsprognosen von 2,4 Prozent für dieses Jahr und exakt 2,0 Prozent im kommenden Jahr liegen mehr oder weniger im Ziel-Bereich der Fed. Damit unterstreicht die Fed, dass sie einen stärkeren Preisauftrieb in diesem Jahr als temporär ansieht. Die Fed versucht hier alles, um die Märkte zu beruhigen und das Inflationsgespenst nicht noch präsenter werden zu lassen."

Michael Pearce, Analyst Capital Economics:

"Die aktualisierten Wirtschaftsprognosen zeigen, dass ein starkes Wirtschaftswachstum in diesem Jahr nur vorübergehende Auswirkungen auf die Inflation hat. Dies erklärt, warum die meisten Fed-Mitglieder immer noch nicht daran denken, die Zinsen zu erhöhen. Selbst wenn sich die Inflation als hartnäckiger herausstellt, erwarten wir, dass sie aufgrund der neuen Richtlinien rechtfertigen können, die Zinssätze in den nächsten Jahren unverändert zu lassen."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
15.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrial Accelerator Act: EU-Kommission stärkt Industriepolitik – Anteil am BIP soll auf 20 Prozent steigen
15.03.2026

Die Europäische Kommission will mit dem Industrial Accelerator Act die Industriepolitik der EU neu ausrichten und die Produktion in Europa...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...