Weltwirtschaft

Tauschhandel wegen US-Sanktionen: Venezuela bietet Erdöl für Corona-Impfstoffe an

Lesezeit: 2 min
30.03.2021 10:00
Die venezolanische Regierung bietet Erdöl im Gegenzug zu sicheren Corona-Impfstoffen an.
Tauschhandel wegen US-Sanktionen: Venezuela bietet Erdöl für Corona-Impfstoffe an
Nicolas Maduro, Präsident von Venezuela, spricht bei einer Veranstaltung anlässlich des 83. Jahrestages der Gründung der Bolivarischen Nationalgarde. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Angesichts rasant steigender Corona-Zahlen sowie Sanktionen der USA hat Maduro einen Tausch von Erdöl gegen Corona-Impfstoff angeboten. "Venezuela hat die Öltanker, es hat die Kunden, die uns das Öl abkaufen, und es würde einen Teil seiner Produktion zur Verfügung stellen, um alle Impfstoffe zu garantieren, die Venezuela braucht", sagte der Maduro laut einer Mitteilung. Details des Plans führte er nicht aus.

Venezuela steckt in einer tiefen politischen und wirtschaftlichen Krise. Aus Mangel an Devisen und wegen zahlreicher US-Sanktionen kann es kaum noch Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs importieren. Selbst Benzin ist in dem Land mit den größten Ölreserven der Welt Mangelware.

Maduros Ansicht nach hat das Land neben dem Tauschgeschäft nur eine weitere Möglichkeit, an Corona-Impfstoffe zu kommen: Es müsse erreichen, dass die USA und europäische Banken die für die Regierung per Sanktionen gesperrten Finanzmittel freigeben. Damit könnten dann bei der internationalen Covax-Initiative Impfstoffe bezahlt werden. Die via Covax angebotenen Astrazeneca-Dosen - 1,4 bis 2,4 Millionen Dosen waren für Venezuela vorgesehen - hat das Land allerdings abgelehnt. Zuvor hatten europäische Länder die Impfungen mit dem Präparat wegen gesundheitlicher Komplikationen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gestoppt.

Hoffnung für die Ölindustrie

Eine eventuelle Lockerung der US-Sanktionen gegen Venezuelas Öl-Industrie könnte es Venezuela ermöglichen,zu einem normalen Geschäftsbetrieb zurückzukehren. Venezuelas Präsident Nicolas Maduro erklärte vor einiger Zeit im staatlichen Fernsehen: „Ich möchte Investoren aus den USA und der ganzen Welt mitteilen, dass Venezuelas Türen für Ölinvestitionen offen stehen.“

Seit 2019 haben US-Sanktionen gegen Venezuela dramatische Auswirkungen auf den Ölsektor des Landes, welcher in den Jahren zuvor dank hoher Reserven die Wirtschaft des Landes befeuerte. Während die Produktionskapazität weiterhin hoch ist, wird der Sektor größere Auslandsinvestitionen in Exploration und Gewinnung benötigen, wenn er sein volles Potenzial entfalten will, so „Oilprice.com“.

Beobachter erwarten, dass Maduro ein Gesetz verabschiedet, welches das Monopol der staatlichen Petróleos de Venezuela S.A. (PDVSA) über die Ölindustrie des Landes beendet. Dieses Gesetz hätte erhebliche Auswirkungen auf ausländische Investitionen, da die US-Sanktionen nur die direkte Zusammenarbeit mit der PDVSA und dem Maduro-Regime verbieten, nicht mit anderen Unternehmen.

Unabhängige Firmen in Venezuela könnten im Rahmen dieses Abkommens große Gewinne erzielen, da internationale Unternehmen nach Partnern in Venezuela suchen, um die riesigen Ölressourcen des Landes zu erschließen. „Venezuela muss seine Wirtschaft ankurbeln, und dieser Impuls wird nicht aus dem Tourismus oder einem anderen Sektor außerhalb der Ölbranche kommen. Das ist die Realität“, erklärte der ehemalige Chevron-Manager Ali Moshiri.

Neben dem neu entdeckten Interesse am Ölsektor Venezuelas hat das Land weiterhin große Mengen Rohöl nach China geliefert, was eine Umgehung der US-Sanktionen sowohl gegen Venezuela als auch gegen den Iran bedeutete. China hatte seine Ölimporte aus Venezuela in den vergangenen Monaten noch erhöht. Derweil arbeiteten der Iran und Venezuela Hand in Hand an der Verbesserung ihrer Handelspartnerschaft, welche ebenfalls Ziel von US-Sanktionen geworden ist. Der Iran liefert Erdölprodukte als Gegenleistung für venezolanisches Öl und Gold. Venezuela hatte im März dieses Jahres rund 500.000 Barrel pro Tag (bpd) Öläquivalent gefördert.

Moshiri prognostiziert, dass eine Investition zwischen 5 und 8 Milliarden US-Dollar notwendig sind, um die Produktion von 1,5 Millionen Barrel pro Tag (ein Barrel sind 159 Liter) Öl zu gewährleisten Er glaubt, dass eine Investition von 25 bis 28 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2028 zu einer Produktion von rund 2,5 Millionen Barrel am Tag führen könte. Konservativere Prognosen deuten jedoch darauf hin, dass das Land eine Investition von rund 100 Milliarden US-Dollar benötigen würde, um dieses Produktionsziel zu erreichen.


Mehr zum Thema:  

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland verkauft Öl teurer als 60-Dollar-Preisdeckel

In Asien wird der von den G7-Staaten verhängte Preisdeckel auf russisches Öl ignoriert. Russland kann sein Öl dort weiterhin für mehr...

DWN
Politik
Politik Twitter-Files: Wie die Social-Media-Plattform gezielt kritische Meinungen zensierte

Interne Dokumente zeigen, dass Twitter die Meinungsfreiheit jahrelang gezielt einschränkte. Opfer der Zensur wurden vor allem konservative...

DWN
Finanzen
Finanzen Größter Aktienfonds der Welt wettet jetzt gegen den Markt

Der 1,3 Billionen Dollar schwere norwegische Staatsfonds verfolgt künftig konträre Strategien. Dies sei notwendig, um im aktuellen Markt...

DWN
Deutschland
Deutschland Alarm im Ländle: Baden-Württemberg schrammt knapp an Strom-Engpass vorbei

Der baden-württembergische Netzbetreiber TransnetBW hat die Bürger Mitte der Woche in einer Warnmeldung aufgefordert, den Stromverbrauch...

DWN
Politik
Politik Rentenfonds des EU-Parlaments steht vor der Pleite

Ein Rentenfonds für EU-Abgeordnete verfügt bei Weitem nicht mehr über nötigen Anlagen, um die versprochenen Zahlungen abzudecken....

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Russland erreicht Rekord-Überschuss in Leistungsbilanz

Wegen hoher Export-Einnahmen erreicht Russland dieses Jahr einen Rekordüberschuss in seiner Leistungsbilanz. Ursache ist vor allem die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Handelsabkommen CETA stärkt Konzerne und schwächt den Mittelstand

Lange stand das Handelsabkommen CETA auf der Kippe, nun macht der Bundestag den Weg frei. Das Abkommen steht wegen umstrittener...

DWN
Politik
Politik WHO: Arzneimittel-resistente Bakterien auf dem Vormarsch

Die Zahl der arzneimittelresistenten Bakterien, die lebensbedrohliche Blutvergiftungen hervorrufen können, ist gestiegen. Antibiotika...