Finanzen

Legendäre Medici-Familie gründet erstmals seit 500 Jahren wieder eine Bank

Ein Nachfahre der Medici hat die legendäre Bank aus dem 15. Jahrhundert neu gegründet und wendet sich damit unter anderem an Krypto-Unternehmen. Die Corona-Krise spielt der neuen Medici Bank in die Hände.
24.03.2021 09:00
Lesezeit: 3 min
Legendäre Medici-Familie gründet erstmals seit 500 Jahren wieder eine Bank
Abbild des Bankiers und Politikers Lorenzo de’ Medici aus dem 15. Jahrhundert. (Foto: dpa) Foto: Uwe Anspach

Vor knapp zwei Jahren hat Prinz Lorenzo de' Medici, ein Nachfahre der berühmten italienischen Bankiersfamilie Medici, im US-Gebiet Puerto Rico eine neue Medici Bank gegründet. Die neue Bank entstand eigenen Angaben zufolge "aus Frustration über die aktuellen Finanzdienstleistungen". Sie verspricht, schneller und billiger zu sein als herkömmliche Banken, und richtet ihre Angebote vor allem an Firmen im Kryptowährungssektor, aber auch an traditionellere Kunden wie Family Offices.

Bereits 2019 sagte de' Medici: "Die ursprüngliche Medici-Bank in Florenz, die von meiner Familie im 14. Jahrhundert gegründet wurde, hat die Weltwirtschaft revolutioniert. Viele ihrer Innovationen, die die Entwicklung des internationalen Handels vorantrieben - wie Holdinggesellschaften, doppelte Buchführung und Akkreditive - sind immer noch in Gebrauch. Die Medici Bank von heute wird eine Wiedererweckung dieses innovativen Geistes sein."

Prinz Lorenzo de' Medici gründete die Bank zusammen mit Ed Boyle, der zuvor leitender Managing für das Amerikageschäft bei der Fidor Bank war und davor Vizepräsident des Prepaid-Kreditkartengeschäfts von American Express. Nun fungiert Boyle als CEO der Medici Bank, während Prinz Lorenzo de' Medici die Rolle des Direktors übernommen hat. Schon seit über einem Jahrzehnt spüren die traditionellen Banken den Konkurrenzdruck durch digitale Anbieter von Bankgeschäften. Doch Corona hat den Trend ins Digitale weiter befördert.

"Die Covid-19-Pandemie beschleunigt die Umstellung der Welt auf alles, was digital ist - Online-Meetings, Online-Shopping, Streaming-Filme, Online-Banking und mehr", schreibt CEO Ed Boyle. "So wie der traditionelle Einzelhandel trotz Webseiten, Online-Handel und Apps nicht gegen Amazon gewinnen kann, so werden die traditionellen Banken nicht in der Lage sein, gegen rein digitale Alternativen zu konkurrieren. Es ist nur eine Frage der Zeit, und diese Zeit ist jetzt viel näher als zuvor."

Laut Ed Boyle hat seine Konkurrenz - die traditionellen Banken - kaum eine Überlebenschance, da sie Softwaresysteme aus den späten 1980er Jahren nutzen. "Um mit der Zeit zu gehen, setzen Banken neue Technologien auf die alten drauf, doch man kann nicht einfach während der Fahrt Reifen und Motoren wechseln." Die neuen Webseiten und Handy-Apps der Banken mögen "cool aussehen und sogar gut funktionieren, aber sie reduzieren nicht die IT-Kosten für die Bank - sie verursachen sogar zusätzliche Kosten".

Große Banken geben Ed Boyle zufolge jährlich mehr als 10 Milliarden Dollar für IT aus, wovon jedoch 70 Prozent reine Wartungskosten seien. Die Ausgaben für Innovation und Entwicklung in Höhe von 3 Milliarden seien sicherlich enorm, doch sie verringerten nicht die 7 Milliarden Dollar, die jedes Jahr für die Wartung ausgegeben werden. Diese hohen Kosten sind dem Medici-Banker zufolge auch einer der Gründe dafür, dass viele Banken in Europa ihren Kunden Strafzinsen für ihre Guthaben berechnen müssen.

"Alle traditionellen Banken haben ähnliche Kostenstrukturen", sagt Boyle. Das Modell sei weitgehend unverändert, seit die Familie de' Medici das moderne Bankwesen entwickelt habe. "Die Filialkosten korrelieren mit den Immobilien- und Baukosten, die wiederum mit dem Wohlstand der lokalen Wirtschaft korrelieren." Dasselbe gelte für Gehälter. Bei der IT hätten in den USA nur drei Unternehmen zusammen einen Marktanteil von 93 Prozent für Kernbankensoftware, und sie alle würden monatlich 1 Dollar pro Konto kosten.

Doch auch die Fintech-Unternehmen stehen dem Medici Bank CEO zufolge nicht viel besser dar, sie seien "noch mehr neue Technologie auf der alten Technologie". Typische Fintechs seien im Grunde nichts anderes als eine Prepaid-Karte, die von einem Drittanbieter betrieben wird, der auf der kartenausgebenden Bank sitzt, die auf einer der drei oben erwähnten teuren Hauptsoftware-Plattformen der Banken läuft. Fintechs würden von ihren Banken mit monatlich mit etwa 2 Dollar pro Konto belastet.

Da die Fintechs keine Filialen hätten, seien ihre Kosten mit 5 Dollar pro Konto pro Monat insgesamt etwa halb so hoch wie bei herkömmlichen Banken. Doch letztendlich können sie sich Boyle zufolge nicht von der Grundgebühr von monatlich 2 Dollar pro Konto befreien, die von ihrer Bank erhoben wird. Als Lösung präsentiert der CEO "reine digitale (echte) Banken", die jedoch selten seien, darunter Fidor, Solaris und N26 in Deutschland, DBS in Indien, Webank in China, Banco Original in Brasilien, Revolut, Monzo und Starling in Großbritannien.

"Diese herausragenden Unternehmen können nicht nur ein überdurchschnittliches Wachstum und den Status eines 'Einhorns' erreichen, sondern zeigen im Gegensatz zu traditionellen Banken auch Skalierungseffekte." Denn bei traditionellen Bank und Fintechs würden die IT-Rechnungen deutlich ansteigen, wenn zusätzlichen Kunden gewonnen werden. Aber eine rein digitale Bank, die überwiegend mit eigenen Softwaresystemen arbeitet, die nicht von Fremdanbietern gewartet werden müssen, habe sogar niedrigere variable Kosten, wenn sie neue Kunden gewinnt.

"Wenn Sie lieber bei Amazon einkaufen oder Ihre Musik lieber online kaufen als in einem Plattenladen (!) oder Ihre Reisen online buchen statt im Reisebüro (!), dann bevorzugen Sie jetzt wahrscheinlich auch Online-Banking und Online-Kredite. Zwar bieten das auch traditionelle Banken an, aber wenn der Einlagenzins 0 Prozent und der Kreditzins 3,25 Prozent beträgt, im Vergleich zu einer reinen Online-Bank mit einem Einlagenzins von 0,5 Prozent und einem Kreditzins von 2,5 Prozent, mit wem schließen Sie dann Geschäfte ab?"

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