Unternehmen

„Dax-Konzerne leiten Milliarden an Staatshilfen in die Taschen der Aktionäre weiter“

Lesezeit: 2 min
01.04.2021 20:00  Aktualisiert: 01.04.2021 20:00
„Dass DAX-Konzerne viele Milliarden an Staatshilfen in die Taschen der Aktionäre weiterleiten, ist irre. Doch bei aller berechtigten Kritik an Daimler: Dass Altmaier & Scholz diese Selbstbedienung zulassen, ist der eigentliche Skandal“, kritisiert die Linkspolitikerin Sahra Wagenknecht.
„Dax-Konzerne leiten Milliarden an Staatshilfen in die Taschen der Aktionäre weiter“
Peter Altmaier (CDU), Bundesminister für Wirtschaft und Energie, trifft zur Kabinettssitzung ein. Die Sitzung leitet Bundesfinanzminister Scholz, in Vertretung für Bundeskanzlerin Merkel, die derzeit im Urlaub ist. (Foto: dpa)

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Die Links-Politikerin Sahra Wagenknecht teilt über Twitter mit: „Dass DAX-Konzerne viele Milliarden an #Staatshilfen in die Taschen der #Aktionäre weiterleiten, ist irre. Doch bei aller berechtigten Kritik an #Daimler: Dass #Altmaier & #Scholz diese Selbstbedienung zulassen, ist der eigentliche Skandal.“

Mehr zum Thema: Der Konzern-Sozialismus kommt: „Great Reset“ ist das Todesurteil für den deutschen Mittelstand

Das „Darmstädter Echo“ dazu: „Von einem Aushängeschild für Made in Germany darf man mehr Fingerspitzengefühl erwarten. Zumal im Zeichen des Sterns massiv Jobs abgebaut werden, während staatliche Kaufprämien für E-Autos dem Geschäft nutzen. Aber zu einem sozialverträglichen und verantwortungsvollen Verhalten sind Entscheider in Wirtschaft und Politik immer weniger fähig, weil die Realität zu weit weg ist. Dass mit Kurzarbeitergeld Pleiten abgewendet und Jobs erhalten werden sollten in der Corona-Krise, dieses Werkzeug der Fürsorge wird hier zum Instrument des Turbokapitalismus.“

Sebastian Schmid von der „Börsen-Zeitung“ wörtlich: „Der Stuttgarter Autobauer Daimler schüttet für 2020 eine um 50 % angehobene Dividende aus. Die von einigen Anteilseignern angestrebte Debatte, ob dies angesichts einer Kostenersparnis von 700 Mill. Euro dank Kurzarbeitergeld im Jahr 2020 angemessen sei, hat nur außerhalb des Unternehmens stattgefunden. Für den Gewinnverwendungsvorschlag votierten 99,7 % des anwesenden Kapitals. Kaum ein Aktionär stört sich also daran, dass der Konzern auf der einen Seite eine für den Notfall bestimmte Versicherungsleistung des Staates in Anspruch genommen hat und auf der anderen Seite den dadurch höher ausgefallenen Gewinn als Basis für die Ausschüttung nimmt. Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Bischoff und CFO Harald Wilhelm, die dies in der üblich sterilen virtuellen Hauptversammlung ebenfalls nicht nachvollziehen konnten, wissen sich in bester Gesellschaft. Rechtlich gesehen war die Ausschüttung von 40 % des Gewinns ohnehin unstrittig. Allenfalls die Image-Wirkung einer Dividendensteigerung in Zeiten, in denen andere Unternehmen ums Überleben bangen, hätte Daimler dazu bewegen können, von der üblichen Ausschüttungsquote abzuweichen. Die gesellschaftliche Debatte zu Ausschüttungen bei gleichzeitiger Nutzung von Kurzarbeitergeld hat schließlich schon im vergangenen Jahr begonnen und könnte neu aufflammen. So verständlich die Kritik an der Dividende aus gesellschaftlicher Sicht sein mag, so problematisch wäre es für den Dax-Konzern gewesen, darauf einzugehen. Daimler war vor einem Jahr an der Börse nicht einmal halb so schwer wie aktuell und galt als Übernahmekandidat. Ohne starken Ankeraktionär, wie ihn die Wettbewerber Volkswagen und BMW aufweisen, ist eine hohe Bewertung noch immer der größte Schutz der eigenen Unabhängigkeit. Kontinuität in der Ausschüttungspolitik ist daher nur ein Argument, das helfen soll, in der Gunst der Anleger zu punkten. Die Verbesserungen bei Marge und Cash-flow, die Elektrifizierungsstrategie, die Fokussierung auf Wachstum der Submarken und die Aussicht auf die geplante Abspaltung des Truckgeschäfts sind weitere Aspekte, die auf das Konto der Daimler-Aktie einzahlen sollen. Auf eine prinzipiell mögliche Dividendenanhebung zu verzichten, ist ein Luxus, den man sich leisten können muss. Offenbar ist der Daimler-Vorstand, der seinen Kunden modernen Luxus verspricht, nicht der Ansicht, dafür bereits genug Goodwill bei den Aktionären angesammelt zu haben.“

Prof. Dr. Christian Kreiß hatte zuvor in einer DWN-Analyse ausgeführt: „Immer mehr Mittelständlern geht in der Krise das Geld aus. Die Großen freut´s - sie kaufen die Konkurrenz zu Spottpreisen auf (HIER).“

 


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen VAE-Banklizenz für russische MTS Bank beunruhigt den Westen

Die Vereinigten Arabischen Emirate haben eine Lizenz für die russische MTS Bank genehmigt. Entwickelt sich der Golfstaat zu einem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dank Kernenergie: Eon verdient mehr als erwartet

Der Energiekonzern Eon hat 2022 besser abgeschnitten als erwartet. Dies lag auch an den höheren Einnahmen aus der Atomkraft und am Wetter.

DWN
Deutschland
Deutschland AfD fordert OSZE-Delegation für Frieden in der Ukraine

Die AfD hat eine Friedensinitiative vorgelegt, um in der Ukraine einen Waffenstillstand und Friedensverhandlungen unter Leitung der OSZE zu...

DWN
Deutschland
Deutschland Ifo: Knapp jedes 20. Unternehmen bangt um seine Existenz

Noch immer bangen viele deutsche Unternehmen um ihre wirtschaftliche Existenz. Dies ist aber nur ein Bruchteil der Sorgen während der...

DWN
Deutschland
Deutschland Fleischproduktion in Deutschland bricht ein

Die Fleischproduktion in Deutschland geht bereits seit sechs Jahren immer weiter zurück. Auch 2022 ist die Produktion stark gesunken,...

DWN
Politik
Politik Russland meldet Staatsdefizit, fehlende Steuern aus Öl und Gas

Im Januar verzeichnete Russland ein Staatsdefizit von umgerechnet 23 Milliarden Euro. Denn die Besteuerung der Energieexporte ist durch die...

DWN
Weltwirtschaft
Weltwirtschaft Yuan-Clearing: China und Brasilien forcieren Handel ohne Dollar

Die chinesische Zentralbank will eine Yuan-Clearingstelle für Brasilien einrichten. Dies soll den bilateralen Handel und Investitionen...

DWN
Finanzen
Finanzen Notenbank: Großbritannien „braucht wahrscheinlich“ digitales Pfund

Es sei „wahrscheinlich“, dass Großbritannien eine digitale Zentralbankwährung „benötigen wird“, sagen die Bank of England und...