Finanzen

Steuern und Abgaben steigen kräftig: Auch Geringverdiener werden jetzt zur Kasse gebeten

Die Steuer- und Abgabenlast ist in Deutschland so hoch wie seit der Jahrtausendwende nicht mehr und dürfte weiter steigen.
11.04.2021 10:31
Lesezeit: 2 min
Steuern und Abgaben steigen kräftig: Auch Geringverdiener werden jetzt zur Kasse gebeten
Eine 5-Euro-Sammlermünze und ein 5-Euro-Schein. (Foto: dpa) Foto: Julian Stratenschulte

Die Steuer- und Abgabenlast auf Privateinkommen in Deutschland hat den höchsten Stand seit dem Jahr 2000 erreicht. Das berichtet die Welt am Sonntag unter Berufung auf eine Untersuchung des RWI Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung im Auftrag der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung.

Demnach lag die durchschnittliche Belastung im Jahr 2019 bei 41,3 Prozent. Nimmt man alleine die Steuerquote als Maßstab, wurde mit 24 Prozent sogar der höchste Wert seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht.

Im Jahr 2020 dürfte der Wert aus dem Jahr 2019 konstant geblieben sein und im laufenden Jahr aufgrund der Teilabschaffung des Solidaritätszuschlags sogar leicht sinken. Die Aussichten sind jedoch negativ. Denn die Krankenversicherungsbeiträge wie auch die Rentenversicherungsbeiträge werden weiter steigen. Wie die Deutschen Wirtschaftsnachrichten vor einigen Tagen berichteten, warnt die DAK inzwischen vor einem „Beitrags-Tsunami“, also einem unkontrolliert starken Anstieg bei den Beitragszahlungen.

„Ich hätte nie erwartet, dass Berufstätige schon mit einem Jahresbruttoeinkommen von 17.000 Euro auf eine Abgabenquote von 40 Prozent kommen können“, wird der RWI-Volkswirt Robin Jessen, einer der Studienautoren, von der Welt am Sonntag zitiert. Grund dafür, warum viele Deutsche auch mit niedrigem Einkommen sehr hohe Abgabenlasten aufweisen, seien die zahlreichen Verbrauchssteuern wie etwa die Kraftstoffsteuern oder die Mehrwertsteuer.

Jetzt kommt auch noch die CO2-Sondersteuer

Die neue Sondersteuer auf Emissionen des lebenswichtigen Naturgases Kohlenstoffdioxid (CO2) wird die Abgabenlast weiter erhöhen. Diese trifft zwar vorerst die Produzenten, doch diese werden die gestiegenen Kosten an die Kunden weiterreichen.

Die Bundesregierung erwartet für dieses Jahr gut zehn Milliarden Euro an Einnahmen aus der neuen Sondersteuer sowie der Versteigerung von CO2-Emissionsrechten. Die CO2-Rechte für Energieversorger und Industrie sollen gut 2,7 Milliarden Euro einbringen, wie aus dem Wirtschaftsplan des Energie- und Klimafonds (EKF) hervorgeht, der Reuters vergangene Woche vorlag. Knapp 7,5 Milliarden Euro fließen demnach in diesem Jahr durch die neue CO2-Sondersteuer auf Sprit, Gas und Heizöl. Aus Mitteln des Bundeshaushalts, die zum größten Teil schon in vergangenen Jahren gebucht wurden, kommen weitere 31,5 Milliarden Euro hinzu.

Damit stehen dem Fonds in diesem Jahr insgesamt über 42 Milliarden Euro zur Verfügung. Er ist das zentrale Finanzierungsinstrument für den Kampf gegen den „Klimawandel“ in Deutschland.

Bezahlt werden daraus beispielsweise die milliardenschweren Kaufprämien für E-Autos, der Ausbau von Ladestationen, die Hilfen für die Sanierung von Gebäuden sowie ferner der Aufbau einer Wasserstoff-Versorgung. Im vergangenen Jahr wurden dem Fonds nur gut fünf Milliarden Euro entnommen - in erster Linie für die Gebäudesanierung und E-Auto-Kaufprämien. Geplant war eigentlich der Abfluss von über acht Milliarden Euro, es gibt aber Verzögerungen etwa beim Ausbau der Ladeinfrastruktur. Wesentliche Ausgaben wie für die Wasserstoff-Strategie und auch die erhöhten E-Autoprämien werden erst ab diesem Jahr wirksam.

Trotz der Corona-Krise und des Wirtschaftsabschwungs konnten 2020 die erwarteten Einnahmen aus dem Verkauf von CO2-Rechten fast erreicht werden. Da Industrie- und Kohlekraftwerke weniger produzierten, benötigten sie auch weniger Rechte. Da die Rechte über die Börse gehandelt wurden, war mit einem Preisverfall gerechnet worden. Dieser trat jedoch nicht ein, auch weil mit einer weiteren Verschärfung des Klimaziels der EU gerechnet wird, was die Ausgabe der Rechte begrenzen dürfte.

Für dieses und folgende Jahre kalkuliert die Regierung jeweils mit der Ausgabe von 100 Millionen Zertifikaten für den Ausstoß von je einer Tonne CO2. Jedes Zertifikat soll rund 27,50 Euro bringen. Dies liegt deutlich unter den aktuellen Marktpreisen, und so billig waren die Rechte im ganzen Jahr noch nicht. Aktuell können die Staaten die Zertifikate für rund 40 Euro versteigern. Ein solcher Durchschnittspreis würde dem Fonds also Mehreinnahmen von über einer Milliarde Euro bringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Micron und SanDisk im Sog des anhaltenden Chip-Ausverkaufs
29.07.2026

Turbulenzen an den US-Märkten: Warum Anleger jetzt starke Nerven brauchen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dänemark-Handelspolitik: „Langlebige Mythen über Afrika sind kostspielig“
29.07.2026

Afrika gewinnt im globalen Wettbewerb um Märkte, Wertschöpfungsketten und die grüne Transformation zunehmend an Bedeutung. Damit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dieses Familienunternehmen profitierte vom Krieg, nun droht der Kontrollverlust
29.07.2026

Aller Petfood blieb mit zwei Fabriken in Russland aktiv und profitierte zunächst vom abgeschotteten Markt. Nun geraten das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Gaspreis steigt wieder: Iranische Attacken nach US-Angriffsstopp – Entspannung nicht in Sicht
29.07.2026

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten war nur von kurzer Dauer. Neue militärische Entwicklungen lassen den europäischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa droht ein Preisschock und ein stärker als erwarteter Anstieg des Euribor
29.07.2026

Der 6-Monats-Euribor ist auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren geklettert. Der Anstieg dürfte sich fortsetzen, da ein unerwartet...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starke Quartalszahlen stützen Erholung, Cashflow bleibt Belastungsfaktor
29.07.2026

Nach Monaten deutlicher Kursverluste zeigt sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch von ihrer besten Seite – dank starker Quartalszahlen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
29.07.2026

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private...

DWN
Finanzen
Finanzen DWS-Aktie sackt ab: Deutsche-Bank-Tochter enttäuscht mit Erträgen
29.07.2026

Auf den ersten Blick liefert DWS starke Zahlen: Milliarden fließen neu in die Fonds, das verwaltete Vermögen erreicht einen Höchststand...