Unternehmen

Bidens Billionen-Pläne befeuern Siemens Energy

Der Energietechnik-Konzern Siemens Energy will von den Plänen von US-Präsident Joe Biden für ein billionenschweres Infrastrukturprogramm profitieren und dabei auch den Aufbau einer Produktion vor Ort ausloten.
09.04.2021 12:24
Lesezeit: 2 min
Bidens Billionen-Pläne befeuern Siemens Energy
Siemens Energy setzt auf saubere Energie. (Foto: Siemens Energy)

Der Energietechnik-Konzern Siemens Energy will von den Plänen von US-Präsident Joe Biden für ein billionenschweres Infrastrukturprogramm profitieren und dabei auch den Aufbau einer Produktion vor Ort ausloten. "Wir sehen für uns in der Windenergie sowohl an Land, aber auch vor allem im Bereich Offshore große Chancen", sagte Vorstandsmitglied Tim Oliver Holt in einem am Freitag veröffentlichten Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Auch im Bereich Transmission mit den Stromnetzen und bei der Modernisierung bestehender Kraftwerkparks sehe der jüngst in den Dax aufgestiegene Konzern Chancen - etwa bei der Umstellung von Kohle auf Gas.

Biden hatte vor wenigen Tagen ein Programm angekündigt, mit dem rund zwei Billionen Dollar (1,7 Billionen Euro) in die Modernisierung der Infrastruktur investiert werden sollen, unter anderem in Straßen, Brücken und Häfen. Allein gut 100 Milliarden Dollar sollen in die Stromnetze fließen.

"Die USA sind der größte und wichtigste Markt für uns", betonte Holt. Der in Bremerhaven geborene Manager lebt seit 2005 in den Vereinigten Staaten - rund 12.500 Mitarbeiter von Siemens Energy ebenso. Der Konzern erzielt dort jährlich einen Umsatz von sieben Milliarden Dollar, davon zwei Milliarden mit der Windturbinentochter Siemens Gamesa. "Insgesamt wird ja ein Boom beim Ausbau der Offshore-Windenergie in den USA erwartet, von dem Siemens Gamesa selbstverständlich profitieren will." Wenn es soweit sei, werde man sich an den Ausschreibungen für die Offshore-Anlagen beteiligen. "Da schauen wir, wie wir die möglicherweise geforderte lokale Wertschöpfung erfüllen können." Der Konzern wolle natürlich nicht in jeden Bundesstaat eine Fabrik stellen. "Das lohnt sich nicht."

Derzeit habe man rund 80 Standorte in den USA, davon 26 in der Produktion. "Unsere Produktionsstandorte in den USA decken den Onshore Markt ab. Offshore ist nicht umsonst in Cuxhaven und Hull angesiedelt, also direkt am Hafen." Natürlich könne man eine Fabrik bauen für den Offshore-Wind-Markt in den USA. Aber man könne auch aus Europa mit dem Schiff über den Ozean fahren und direkt installieren. "Da muss man abwägen, was insgesamt sinnvoller ist."

Nicht nur die Windenergie soll in den USA das Wachstum für den Konzern vorantreiben, zu dessen Konkurrenten etwa GE und ABB gehören. "Wir wollen uns aber auch um den Übergang kümmern, etwa um die Frage: Wie kommt man von Kohle über Gas zu Wasserstoff und Erneuerbaren Energien?" Rund 80 Prozent des Portfolios brauche man für das, was unter den Begriff Energiewende falle, sagte der Manager. "Im Bereich Transmission kümmern wir uns unter anderem um Transformatoren und Umspannwerke, bauen Schaltanlagen, produzieren Komponenten."

In Texas, wo die Energieversorgung vor wenigen Wochen durch einen Kälteeinbruch unterbrochen worden war, lotet Siemens Energy Möglichkeiten aus, wie in einem Krisenfall mehr aus den Anlagen herausgeholt werden kann. "Viele Anlagen waren nicht auf den Winter vorbereitet, so dass etwa Pumpen eingefroren waren. Da kann man ansetzen." Wie teuer Wetterkapriolen für Unternehmen werden können, hatte RWE als Windradbetreiber in Texas zu spüren bekommen. Der Essener Versorger musste nach dem Ausfall kurzfristig Strom zu horrenden Preisen einkaufen, um seine Lieferverpflichtungen zu erfüllen. Schaden: rund 400 Millionen Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ESG-Investitionen unter Druck: Was der amerikanische Rückzug für europäische Anleger bedeutet

Die Entscheidung mehrerer grosser amerikanischer Vermögensverwalter, sich aus ESG-bezogenen Investitionsallianzen zurückzuziehen, hat in...

 

DWN
Politik
Politik Geheimdienstbericht: Versteckt sich Paranoider Putin wirklich in einem Bunker?
15.05.2026

Wladimir Putin steht in Russland zunehmend für ein System, das Kontrolle, Abschottung und Misstrauen zum Machtprinzip erhebt. Wie tief hat...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Berliner KI-Unternehmen Unframe will Datenchaos in Firmen ordnen
15.05.2026

Unframe will Unternehmen helfen, verstreute Informationen in nutzbare Arbeitsabläufe zu übersetzen. Im Fokus stehen Datenanalyse,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Welthandel unter Druck: Golfkrise belastet den globalen Containerverkehr
15.05.2026

Die Golfkrise verschärft die Spannungen im Containerverkehr und lenkt Handelsrouten zunehmend in Richtung Afrika. Welche Folgen hat diese...

DWN
Politik
Politik Trump und Xi demonstrieren Einigkeit: Doch hinter den Kulissen dominieren harte Konflikte
15.05.2026

Beim Treffen von Donald Trump und Xi Jinping dominieren höfliche Gesten und gegenseitiges Lob. Dennoch verfolgen Washington und Peking...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs rutscht unter 24.000 Punkte: Berichtssaison verliert an Schwung
15.05.2026

Während die US-Börsen von der KI-Euphorie profitieren, zeigt sich der DAX-Kurs vor dem Wochenende deutlich schwächer. Anleger richten...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Wochenrückblick KW 20: Die wichtigsten Analysen der Woche
15.05.2026

Im DWN Wochenrückblick KW 20 aus dem Jahr 2026 fassen wir die zentralen wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen der vergangenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis auf tiefstem Stand seit April: Warum Anleger plötzlich nervös werden
15.05.2026

Der Absturz beim Goldpreis am Freitag überrascht die Anleger. Und auch der Silberpreis steht vor dem Wochenende deutlich unter Druck. Vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Rekordaufträge reichen nicht mehr – Zweifel bei Anlegern bleiben
15.05.2026

Rekordaufträge, Milliarden aus Verteidigungshaushalten und neue Großprojekte: Eigentlich spricht vieles für die Rheinmetall-Aktie,...