Wirtschaft

Regierung muss keine Geldgeschenke verteilen: Selbsterarbeiteter Wirtschaftsboom in China erreicht Verbraucher

Der starke Anstieg der Importe zeigt, dass der Wirtschaftsboom in China nun auch bei den Verbrauchern angekommen ist. Im Gegensatz zu den USA sind die Bürger beim Konsum nicht auf Geldgeschenke der Regierung angewiesen.
18.04.2021 08:14
Lesezeit: 2 min
Regierung muss keine Geldgeschenke verteilen: Selbsterarbeiteter Wirtschaftsboom in China erreicht Verbraucher
In China zieht der Konum kräftig an. (Foto: dpa) Foto: Jerome Favre

Chinas Importe sind im März im Vergleich zum Vorjahr um 38,1 Prozent auf 227,34 Milliarden Dollar gestiegen. Die Handelsbilanz verschlechterte sich dadurch von plus 103,25 Milliarden Dollar im Februar auf "nur noch" plus 13,8 Milliarden Dollar im März.

Ein Anlass zur Sorge ist der Einbruch seiner Handelsbilanz für das Reich der Mitte aber nicht. Noch im Februar wies das Land spektakuläre Exportzahlen aus. Die Ausfuhren waren im Vergleich zum Vorjahresmonat (also kurz vor der ersten Hochphase in der globalen Coronakrise) um satte 60,6 Prozent gestiegen. Die nunmehr rasant angestiegenen Importe können teilweise als Nachholeffekt angesehen werden, denn das vorherige Niveau war relativ gering.

Auch die florierende industrielle Aktivität im Land hat ihren Anteil am Importboom. Die Industrieproduktion zog im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahresquartal um 24,5 Prozent an, und dementsprechend florierte dann auch das Volumen wichtiger Einfuhr-Güter – im März waren es plus 21,7 Prozent bei Erdöl und plus 25 Prozent bei Kupfer. Ein weiterer Faktor ist das Wachstum im Agrarsektor: Die chinesischen Schweine- und Rinderzüchter importieren große Mengen an Futtermitteln (vor allem Sojabohnen und Getreide).

Dass mittlerweile – knapp ein Jahr nach Beginn der Coronakrise – sowohl Importe als auch Exporte deutlich höher sind als vor der Krise, zeigt, wie enorm wichtig die chinesische Konjunktur für die Weltwirtschaft ist. Und es verdeutlicht, dass China letztlich sogar von der Coronakrise profitiert hat. Während der Rest der Welt größtenteils noch in der Corona-Rezession steckt, läuft die chinesische Wirtschaft schon längst wieder auf Hochtouren. Sie konnte 2020 um zwei Prozent wachsen, während die Wirtschaft des Rests der Welt größtenteils schrumpfte.

Krisenprofiteur China

Das erste Quartal 2021 war für China eine Periode historisch hohen Wirtschaftswachstums. Die Wirtschaft wuchs auf Jahresbasis um 18,3 Prozent und damit so stark wie seit 30 Jahren nicht mehr. Diese Zahl allein sollte man jedoch nicht überintepretieren, da hier auch der Einbruch im Februar und März 2020 eine große Rolle spielte (sogenannter Nachhol- oder Basiseffekt). Die nach den USA zweitgrößte und nach Kaufkraftparität größte Volkswirtschaft der Welt wird einer Prognose des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge in diesem Jahr insgesamt um 8,1 Prozent wachsen.

China profitiert in der Pandemie von der starken Nachfrage nach seinen wichtigsten Exportgütern – von medizinischer Ausrüstung und Pharmazeutika für die Corona-Behandlung bis hin zu Halbleiter-Technologien, Bildschirmen und Laptops für das Homeoffice. Im Inland ist die Corona-Krise - abgesehen von kleineren lokalen Ausbrüchen - weitgehend unter Kontrolle, was wiederum geöffnete Geschäfte und Restaurants erlaubt.

Im Gegensatz zur prekären Schuldenwirtschaft in den USA basiert der jüngste Importboom in China dabei nicht auf Geldgeschenken der Regierung. Chinas Regierung verteilt keine „Stimulus-Checks“, um den Konsum anzuregen. Konsum und Importe steigen im Wesentlichen dann, wenn das verfügbare Einkommen der Verbraucher aus eigener Kraft steigt und folglich mehr konsumiert werden kann.

Die USA geraten immer weiter ins Hintertreffen gegenüber ihrem fernöstlichen Rivalen, der auch über nackte Wachstumsdaten hinaus deutlich besser für die Zukunft gewappnet ist. Das zeigen unter anderem die deutlich geringeren Werte bei der Staatsverschuldung (65 Prozent versus 140 Prozent des BIP) und den laufenden Haushalts-Defiziten (4 Prozent versus 20 Prozent vom BIP). Außerdem ist die chinesische Industrie konkurrenz- und zukunftsfähiger aufgestellt. Hier zeigen sich die Vorteile einer Wirtschaftspolitik, die auf Investitionen in Infrastruktur und Digitalisierung setzt, gegenüber dem klassischen US-Rezept von schuldenfinanzierten Geldgeschenken an die Bevölkerung.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Ölpreissprung und Spannungen im Nahen Osten ließen US-Märkte uneinheitlich schließen
02.03.2026

Der US-Aktienmarkt schloss am Montag uneinheitlich, während der Rohölpreis einen starken Sprung machte. Investoren wogen die Folgen der...

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Deutsche kommen nicht zurück - Lufthansa-Airbus fliegt leer von Abu Dhabi nach München
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt europäischen Erdgas-Preis um fast 50 Prozent steigen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der europäischer Erdgas-Preis um fast 50 Prozent nach Produktionsstopp. Analysten warnen vor...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Autooffensive in Europa verlangsamt sich: Struktureller Rückzug oder taktische Pause?
02.03.2026

Nach einem Rekordjahr verlieren chinesische Automarken in Europa plötzlich Marktanteile. Handelt es sich um eine Trendwende oder lediglich...

DWN
Politik
Politik Deutsche Umwelthilfe: Verbrenner-Aus 2030? BGH prüft Klimaklagen gegen Autobauer
02.03.2026

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, müssen BMW und Mercedes-Benz 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner einstellen. Um den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten
02.03.2026

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...