Deutschland

Bundesregierung löst Chaos vor Supermärkten aus

Der neue Bundes-Lockdown sorgt für ein Chaos vor Deutschlands Supermärkten. Es bilden sich wegen der massiven Kundenbegrenzung Menschenschlangen, wodurch sich „unnötige Infektionsmöglichkeiten“ ergeben, so der Handelsverband HDE. Doch wie steht es mit der Versorgungssicherheit in Deutschland?
25.04.2021 21:21
Aktualisiert: 25.04.2021 21:21
Lesezeit: 1 min

Der „BILD“ zufolge ist es aufgrund des Bundes-Lockdowns in mehreren Städten zu einem „Supermarkt-Chaos“ gekommen. „Seit Samstag bilden sich vor Aldi, Lidl, Rewe, Edeka & Co. lange Schlangen. Der Grund: Die von der Regierung auferlegte Notbremse hat Auswirkungen aufs Einkaufen“, so das Blatt.

Der deutsche Handel hatte zuvor wegen der Corona-Notbremse der Bundesregierung mehr Warteschlagen vor Supermärkten und Discountern gewarnt. Mit der Verschärfung des Infektionsschutzgesetzes halbiert sich in vielen Regionen mit einem Sieben-Tage-Inzidenzwert von über 100 schon ab Samstag die Zahl der Kunden, die noch in die Geschäfte gelassen werden dürften, warnte der Handelsverband Deutschland (HDE) am Freitag. „Damit riskiert die Politik Warteschlangen vor den Geschäften. Und das in Zeiten, in denen Menschenansammlungen aus Gründen des Infektionsschutzes anerkanntermaßen vermieden werden sollten“, sagte der HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth der Deutschen Presse-Agentur. Er appellierte an den Gesetzgeber, schnellstens wieder zur alten Regelung zurückzukehren.

Auch einer der größten deutschen Lebensmittelhändler, die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland), warnte, die Verschärfung könne zur Bildung von Warteschlangen vor den Filialen führen statt Kundenströme zu entzerren.

Der Hintergrund: Bislang durften in den meisten Bundesländern Geschäfte mit weniger als 800 Quadratmeter Verkaufsfläche eine Person je 10 Quadratmeter einlassen, für die Flächen, die darüber hinausgingen, dann nur noch eine Person je 20 Quadratmeter. Die Neufassung des Infektionsschutzgesetzes sieht jedoch bei Inzidenzen von mehr als 100 nur noch einen Kunden je 20 Quadratmeter Verkaufsfläche für die ersten 800 Quadratmeter vor - und darüber hinaus sogar nur einen Kunden je 40 Quadratmeter.

Bereits vor der Verabschiedung des Gesetzes hatte der HDE in einer Stellungnahme zum Entwurf vor einer Verschärfung der Kundenbegrenzung gewarnt. Bei Gütern des tägliche Bedarfs seien keine abnehmenden Kundenfrequenzen zu erwarten, da sie kontinuierlich nachgekauft werden müssten. Die verschärfte Kundenbegrenzung werde deshalb „mit hoher Wahrscheinlichkeit zu Warteschlangen vor den Ladengeschäften führen“. Die damit verbundenen Menschenansammlungen würden unnötige Infektionsmöglichkeiten schaffen, warnte der HDE. Das Ziel des Gesetzgebers, Leben und Gesundheit der Bevölkerung zu schützen, werden durch die Maßnahme sogar konterkariert.

In zahlreichen Branchen innerhalb der deutschen Lieferkette droht zudem ein Kollaps bei der Versorgung. „Dann sprechen wir nicht mehr bloß davon, dass Klopapier knapp wird. Auch der Lebensmittelbereich, die Chemieindustrie oder der Maschinen- und Anlagenbau werden davon deutlich betroffen sein“, so ein Branchenvertreter (HIER).

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenschluss: Chipwerte ziehen Nasdaq nach untentitle
27.07.2026

Spannung an der Wall Street: Was Anleger jetzt über die jüngsten Marktbewegungen wissen müssen.

DWN
Panorama
Panorama Cybersicherheit im Urlaub: Diese zehn Fehler machen Sie zum leichten Opfer
27.07.2026

Ein falscher QR-Code, eine überzeugende E-Mail oder ein gestohlenes Smartphone können den Urlaub abrupt beenden. Cyberkriminelle setzen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota steigt bei Cellcentric ein: Wasserstoff-Offensive gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo
27.07.2026

Toyota steigt bei Cellcentric ein und mischt den Markt für Brennstoffzellen auf. Gemeinsam mit Daimler Truck und Volvo soll die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
27.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Finanzen
Finanzen SAP-Aktie nach Zahlen im Höhenflug: Analysten bleiben gespalten – wie Anleger reagieren sollten
27.07.2026

Die SAP-Aktie überrascht nach den Quartalszahlen mit einer kräftigen Erholung. Während das starke Cloud-Geschäft Anleger begeistert,...

DWN
Politik
Politik Fragen nach dem CSD-Anschlag: Warum war der verurteilte Täter Abdul B. nicht in Haft?
27.07.2026

Nach dem CSD-Anschlag in Berlin richtet sich der Blick nicht mehr nur auf den mutmaßlichen Täter. Auch Gerichte, Strafrecht und...

DWN
Politik
Politik Neuer Verkehrsminister vor gewaltigen Herausforderungen: Die größten Baustellen für Bilger
27.07.2026

Mit Steffen Bilger bekommt das Verkehrsministerium einen erfahrenen Fachpolitiker an die Spitze. Doch der Wechsel allein beseitigt keine...

DWN
Politik
Politik Plant Trump eine Bodenoffensive? Pakistan warnt vor möglichem US-Militäreinsatz im Iran
27.07.2026

Bereitet US-Präsident Donald Trump eine Bodenoffensive im Iran vor? Hinweise aus Pakistan jedenfalls sorgen für Aufmerksamkeit....