Politik

Grundrechte nach Impfung: Wenn das kein Impfzwang ist, was ist dann ein Impfzwang?

Die Grundrechte, die gleichzeitig Bürgerrechte sind, sind in den Händen der Exekutive zu einem Spielzeug geworden, an dem sich die Bürger nur dann erfreuen dürfen, wenn sie sich impfen lassen.
04.05.2021 23:18
Lesezeit: 2 min
Grundrechte nach Impfung: Wenn das kein Impfzwang ist, was ist dann ein Impfzwang?
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn und der RKI-Chef Lothar Wieler. (Foto: dpa)

Die Bundesregierung spielt sich als Verfechter der Grundrechte auf. Sie argumentiert lautstark und beherzt, dass man Geimpften ihre Grundrechte nicht entziehen dürfe. Bundesjustizministerin Christine Lambrecht betätigte sich kürzlich bei „Anne Will“ als Bürgeraktivistin. Sie meinte: „Wenn ein minimales Restrisiko vorhanden ist, habe ich als Staat keine Begründung mehr, Grundrechte einzuschränken.“

Jens Spahn, der für unsere Gesundheit zuständig ist und sich bester Gesundheit erfreut, hatte im April 2021 laut der „WELT“ gesagt: „Zum einen wollen wir sehr zügig Geimpfte und aktuell negativ Getestete gleichstellen. Zum Beispiel bei der Einreise braucht man ja einen Test. Da reicht dann in Zukunft (…) auch die vollständige Impfung (…) Es geht hier um Grundrechte, und da gibt’s nichts irgendwie zu relativieren oder zu verzögern, verschleppen.“

Vor wenigen Monaten hatte Spahn noch gesagt, dass es „in dieser Pandemie keine Impfpflicht geben“ werde. Doch jetzt koppelt er die Ausübung der Grundrechte direkt an die Impfungen. Wenn das kein Impfzwang ist, was ist dann ein Impfzwang?

Regierungssprecher Steffen Seibert hatte zuvor verkündet, dass „mit großem Druck und großem zeitlichem Ehrgeiz“ an einer Verordnung gearbeitet werde, um Geimpften und Genesenen gewisse Grundrechte zurückgeben, so „Merkur.de“. Sollen wir uns nun für diese huldvoll gewährten Teil-Bürgerrechte, die uns ohnehin zustehen, untertänigst bedanken?

CSU-Chef Markus Söder, der aus unerklärlichen Gründen in Bayern eine FFP2-Maskenpflicht eingeführt hatte, meint, dass vollständig Geimpfte wieder mehr Grundrechte erhalten sollen. Dass in Bayern eine weitgehende FFP2-Maskenpflicht eingeführt wurde, liegt bestimmt nur daran, dass sich Söder ausschließlich um die Gesundheit der Angehörigen der „Vier Stämme“ Bayerns sorgt. Da steckt sicherlich nichts anderes dahinter.

Die Politiker der Großen Koalition tun so, als ob es besonders nett und ehrenhaft ist, jemandem gegen seinen Willen etwas wegzunehmen, was ihm gehört, um es ihm nach einer gewissen Zeit zurückzugeben. Seit Beginn der Pandemie hat sich die Exekutive in nahezu allen Fragen über die Legislative und kritische Staatsrechtler hinweggesetzt. Politiker, Bürger und Staatsrechtler, die Partei für die Bürgerrechte ergreifen, werden von regierungsnahen Medien als Paria behandelt und gebrandmarkt. Extremisten, die seltsamerweise immer dann in Aktion treten, wenn Kritiker und demokratische Proteste unterdrückt werden sollen, liefern den „Inquisitoren“ eine Steilvorlage nach der anderen.

Wer nun glaubt, dass mit dem Ende der Großen Koalition alles zur alten Normalität zurückkehren wird, der täuscht sich. Der Corona-Lockdown mit all seinen umstrittenen Komponenten war nur ein Vorspiel. Das Grundgesetz und der Datenschutz werden auch weiterhin Schritt für Schritt ausgehebelt werden, bis wir uns an diese neue Normalität gewöhnen. Der anstehende Klima-Lockdown, der weitaus schärfer als der Corona-Lockdown ausfallen wird, ist schon in aller Munde. „Wir müssen sehr gut überlegen, wie wir effektiv vorgehen. Es wäre falsch, nach dem Corona-Lockdown in einen Klima-Lockdown zu gehen“, warnt Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (Mehr HIER).

Sie wollen wissen, wie unsere Zukunft in Europa bis zum Jahr 2030 grundsätzlich aussehen wird? Dann werfen Sie einen Blick auf das „Sozialkredit-System“ in China:

Digitales Sozialkredit-System und Corona: Wer sich in China nicht regierungskonform verhält, wird ausgeschlossen

„Great Reset“: Wie das Weltwirtschaftsforum China seit Jahren hofiert und lobt

Nochmal: Ein Zurück zur alten Normalität wird und soll es nicht geben – weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich. Das hatte übrigens der Gründer des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, im Gespräch mit „Euronews“ offen angekündigt.

Doch diese Wahrheit verschweigt uns die Politik. Stattdessen sollen wir uns langsam an die neue Normalität gewöhnen.

Wir sind in gewisser Weise wie der Frosch im heißen Wasser.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: KI-Ausverkauf breitet sich aus
16.10.2026

Die Wall Street erlebt eine turbulente Handelswoche – erfahren Sie, was hinter der aktuellen Unruhe an den Märkten steckt.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deal mit Nvidia: Bundesregierung plant Kooperation mit US-Chiphersteller
16.10.2026

Deutschland will die Lücke beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie schließen. Viele deutsche KMU hinken bei der digitalen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Ein Großhändler stellte 35 Roboter ein und verdreifachte so die Kapazität – ist das die Zukunft?
16.10.2026

Wenn Kunden eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden erwarten, wird das Lager zu einem Wettbewerbsfaktor. Dies hat den dänischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die 723.000-Mitarbeiter-Lücke: Deutschlands schleichender Verlust an Wohlstand
16.10.2026

Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine historische Belastungsprobe zu. Während politische Debatten häufig von akuten Konjunktursorgen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
16.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente kommt: Bundestag beschließt 10 Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 47: Die Woche im Rückblick – KW 42
16.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...