Finanzen

Gut für Italien, Frankreich und Griechenland: EU-Schuldenlimits bleiben auch 2022 ausgesetzt

Die Regeln zur maximalen Verschuldung von EU-Ländern bleiben erwartungsgemäß wegen der Folgen der Coronavirus-Krise auch 2022 noch ausgesetzt.
02.06.2021 14:03
Aktualisiert: 02.06.2021 14:03
Lesezeit: 1 min

Die Regeln zur maximalen Verschuldung von EU-Ländern bleiben erwartungsgemäß wegen der Folgen der Coronavirus-Krise auch 2022 noch ausgesetzt. Die Finanzpolitik müsse im nächsten Jahr weiter zur konjunkturellen Erholung von der Pandemie beitragen, teilte die EU-Kommission am Mittwoch mit. Es werde aber damit gerechnet, dass die Vorgaben ab 2023 wieder gelten.

Der sogenannte EU-Stabilitätspakt begrenzt das Haushaltsdefizit eigentlich auf drei Prozent der Wirtschaftsleistung und die Gesamtverschuldung auf 60 Prozent. Ansonsten müssen sich Länder zumindest diesen Werten annähern. Gegen die Regeln wurde in der Vergangenheit allerdings immer wieder verstoßen, ohne dass es spürbare Konsequenzen gehabt hätte. Wegen der schweren Verwerfungen im Zuge der Corona-Krise wurde der Pakt bereits für 2020 und 2021 ausgesetzt, meldet Reuters.

Laut Kommission sollten die EU-Mitgliedsstaaten ihre Finanzen erst konsolidieren, wenn dies die konjunkturelle Lage zulasse. Die Ausgaben müssten aber genau unter die Lupe genommen werden, ein Schwerpunkt müsse auf Klimaschutz und Digitalisierung gelegt werden. „Wir wissen alle, dass die Haushaltsdefizite von den außergewöhnlich hohen Niveaus in diesem und im vergangenen Jahr runtergebracht werden müssen“, sagte EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni. Das dürfe allerdings nicht zulasten wichtiger Investitionen in die Zukunft gehen.

Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im EU-Parlament, Sven Giegold, sprach von einem richtigen und notwendigen Schritt. „Es wäre falsch, in die Krise hinein zu sparen.“ Mittelfristig brauche es eine Reform der Haushaltsregeln. „Alte Schuldenquoten passen nicht zu langfristig niedrigen Zinsen.“

Die Schulden der 19 Euro-Länder sind infolge der Corona-Krise stark angeschwollen. Sie legten 2020 wegen der hohen Kosten für die Bewältigung der Pandemie um 1,24 Billionen auf 11,1 Billionen Euro zu, wie das Statistikamt Eurostat am Donnerstag in Brüssel mitteilte. Das entspricht 98 Prozent des Bruttoinlandsproduktes der Währungsunion. Die Neuverschuldung lag bei 7,2 Prozent.

Besonders hoch verschuldet ist Griechenland, das schon vor der Pandemie finanziell angeschlagen war und während der jahrelangen Staatsschuldenkrise mit internationalen Hilfsgeldern vor der Zahlungsunfähigkeit bewahrt wurde. Die Verbindlichkeiten stiegen auf 341 Milliarden Euro, was 205,6 Prozent des griechischen Bruttoinlandsproduktes (BIP) entspricht.

In Italien entspricht der Schuldenberg 155,8 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung. In absoluten Zahlen ist die nach Deutschland und Frankreich drittgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone mit 2,57 Billionen Euro so hoch verschuldet wie kein anderes Mitglieder der Währungsunion.

Vergleichsweise solide steht Deutschland da. Hier wuchs der Schuldenstand um zehn Punkte auf 69,8 Prozent. Allerdings sehen die EU-Regeln eine Obergrenze von 60 Prozent vor, die wegen der Pandemie ausgesetzt wurden. Frankreichs Schuldenstand liegt mit 115,7 Prozent deutlich darüber.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Aktienmarkt in Gefahr: Investoren warnen vor Eskalation im Iran-Konflikt
25.03.2026

Die Märkte geraten ins Wanken, während geopolitische Spannungen eskalieren. Investoren befürchten nach den Drohungen eines eskalierenden...

DWN
Politik
Politik Russlands Ölexport unter Beschuss: Energiekrieg erreicht neue Stufe
25.03.2026

Explosionen in russischen Ostseehäfen lassen den Ölfluss abrupt versiegen. Die Angriffe treffen Moskaus Energieinfrastruktur empfindlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Tarif-Durchbruch in der Chemie: Mehr Geld und Jobgarantie für 585.000 Beschäftigte
25.03.2026

Lohnplus trotz Krise: Die rund 585.000 Beschäftigten der deutschen Chemie- und Pharmabranche erhalten künftig deutlich mehr Geld. Nach...

DWN
Politik
Politik Turbo für die Verteidigung: EU plant Millionen-Spritze für Militär-Innovationen
25.03.2026

Die EU-Kommission will die militärische Schlagkraft Europas durch schnellere Innovationszyklen sichern. Ein neues Förderinstrument namens...

DWN
Politik
Politik Digitale Gewalt: Was die Regierung jetzt plant
25.03.2026

Deepfakes, Überwachung, intime Bilder – digitale Gewalt nimmt zu, und der politische Druck wächst. Die Bundesregierung arbeitet an...

DWN
Politik
Politik Recht auf Reparatur: So sparen Sie künftig Geld bei Handy, Waschmaschine & Co.
25.03.2026

Schluss mit der Wegwerf-Kultur: Das neue „Recht auf Reparatur“ soll die Lebensdauer von Haushaltsgeräten und Smartphones deutlich...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BASF-Aktie: Mega-Werk in China eröffnet – Wachstumschance oder riskante Wette?
25.03.2026

Der Chemieriese BASF setzt voll auf Expansion: Mit der offiziellen Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang nimmt der...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Hammer 2026: Steigende Preise und Zins-Schock durch Iran-Krieg
25.03.2026

Immobilienkäufer stehen vor einer Doppelbelastung: Erstmals seit 2022 ziehen die Preise wieder an (+3,2 %), während der Iran-Krieg die...