Finanzen

EZB hat Geschäftsbanken für Negativzinsen mehr als kompensiert

Die Banken haben viel über die «Strafzinsen» der EZB geklagt. Doch offenbar zu Unrecht, wie eine Studie der Bundesbank zeigt.
14.06.2021 16:16
Lesezeit: 1 min
EZB hat Geschäftsbanken für Negativzinsen mehr als kompensiert
Seit vielen Jahren beklagen sich die deutschen Banken über die von der EZB verhängten Strafzinsen. (Foto: dpa) Foto: Frank Rumpenhorst

Für die deutschen Banken in Summe sind die Negativzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach Erkenntnissen der Bundesbank unter dem Strich keine Belastung. Erste Datenanalysen deuteten darauf hin, dass die Geldhäuser die verbleibenden Belastungen durch den negativen Einlagenzins der EZB «mindestens kompensieren konnten», sagte Bundesbank-Vorstand Joachim Wuermeling laut vorab veröffentlichtem Redetext am Montag bei einer Online-Veranstaltung der Bundesbank-Hauptverwaltung Bayern.

Seit Juni 2014 müssen Geschäftsbanken im Euroraum Zinsen zahlen, wenn sie Gelder bei der EZB parken. Derzeit werden 0,5 Prozent Zinsen fällig. Doch seit einiger Zeit gewährt die Notenbank Freibeträge für bestimmte Summen, um die Institute bei den Kosten zu entlasten.

Profitiert hat die Bankenbranche zusätzlich durch Teilnahme an den zinsgünstigen Kreditprogrammen der EZB (TLTRO). Einige Häuser konnten aus diesen Geschäften positive Effekte in ihren Bilanzen verbuchen. Über Gebührenerhöhungen sowie die Weitergabe der EZB-Negativzinsen an Firmen- wie Privatkunden entlastet sich die Branche zudem.

«Die niedrigen Zinsen drücken natürlich auf das Bankgeschäft», räumte Wuermeling ein. «Belastend ist jedoch vor allem die sinkende Zinsmarge im Kreditgeschäft, weniger die zu zahlenden Negativzinsen.»

Er wolle «nicht von der Hand weisen, dass negative Zinsen eine Herausforderung für das Kreditgeschäft sind», versicherte Wuermeling. «Aber ebenso wenig wie niedrige Zinsen die einzige Ursache niedriger Profitabilität sind, ist das Zinsgeschäft nicht die einzige Stellschraube, um die Profitabilität zu erhöhen. Hier sind die Kreditinstitute gefordert.»

Die Belastungen für Deutschlands Banken durch die Einführung strengerer Kapitalregeln («Basel III») hält Wuermeling für verkraftbar. «Für den überwiegenden Teil der deutschen Institute, vor allem Sparkassen und Genossenschaftsbanken, erwartet die Bundesbank verhältnismäßig überschaubare Auswirkungen: Für Institute, die ausschließlich den Standardansatz für die Berechnung ihrer Mindestkapitalanforderungen nutzen, werden die Kapitalanforderungen nur um durchschnittlich etwa drei Prozent steigen. Bei einigen dieser Banken werden die Kapitalanforderungen sogar sinken.»

Für den gesamten deutschen Bankensektor würden die Kapitalanforderungen durch die Basel-Reform um etwa zwölf Prozent steigen. Dies hatte Wuermeling zuvor bereits dem «Handelsblatt» (Montag) gesagt. Eigenkapital soll mögliche Schieflagen abfedern, seit der Finanzkrise 2008/2009 mussten Banken weltweit diesen Krisenpuffer bereits deutlich verstärken.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Morningstar-Analyse zum Iran-Krieg: Steigender Ölpreis belastet Weltwirtschaft
05.03.2026

Die Finanzmärkte reagieren bislang gelassen auf den Krieg gegen den Iran, doch eine Morningstar-Analyse warnt vor möglichen...

DWN
Politik
Politik Geburtenrate im Sinkflug: Deutsche bekommen weniger Kinder
05.03.2026

Nicht nur der Mittelstand bricht weg, auch die Geburtenrate: Immer wenige Deutsche bekommen Kinder. Viele können sich eigene Kinder nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Experten schlagen Alarm: Straße von Hormus könnte monatelang blockiert werden
05.03.2026

Experten warnen, dass Iran die für den globalen Ölhandel zentrale Straße von Hormus über längere Zeit unter Druck setzen könnte. Wie...

DWN
Politik
Politik Bürgergeld-Reform beschlossen: Strengere Regeln für 5,5 Millionen Empfänger
05.03.2026

Der Bundestag zieht die Zügel beim Bürgergeld deutlich an: strengere Regeln, härtere Sanktionen, mehr Druck zur Arbeitsaufnahme....

DWN
Finanzen
Finanzen Renk-Aktie: Dividende und Ausblick unter Druck
05.03.2026

Die Renk-Aktie schwankt weiter trotz Rekordumsätzen und stabiler Dividende. Analysten sehen Chancen für Investoren in einem geopolitisch...

DWN
Politik
Politik Putin-Gas: EU wird der Hahn abgedreht, Russland prüft vorzeitiges Embargo
05.03.2026

Putin erwägt, Gaslieferungen an die EU vorzeitig zu stoppen. Ein solches Vorgehen könnte die Energiepreise massiv anheizen.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Überverantwortung im Job: Wenn Engagement zur Dauerbelastung wird – diese Lösungen gibt es
05.03.2026

Überverantwortung im Job gilt oft als Tugend: engagiert, gewissenhaft, verlässlich. Doch wer dauerhaft mehr trägt, als eigentlich...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und KI: Warum Maschinen die Cyberdevise bevorzugen
05.03.2026

Bitcoin behauptet sich als bevorzugtes Geld der Künstlichen Intelligenz – Fiatgeld verliert deutlich. Die Studie des BPI offenbart,...