Deutschland

Alkoholkonsum, Ernährung und mehr: Viele Dinge sind heute besser als früher

Es wird immer schlimmer und früher war alles besser. Die Mär von der tollen Vergangenheit gehört aktiv bekämpft, meint Henning Schmidtke. Er schrieb das Buch „Es ist nicht alles so scheiße, wie du denkst“.
16.06.2021 11:05
Aktualisiert: 16.06.2021 11:05
Lesezeit: 2 min
Alkoholkonsum, Ernährung und mehr: Viele Dinge sind heute besser als früher
Die Sonne geht hinter der Stadt mit dem Turm der St.-Andreas-Kirche (M) auf. (Foto: dpa)

Die heutige Welt ist nicht so schlimm, wie viele denken. Das liest sich angesichts von Krieg und Hunger auf der Welt und gerade in Zeiten einer Pandemie vielleicht naiv oder dumm oder gar dreist. Doch der Kabarettist Henning Schmidtke lässt sich nicht beirren und möchte andere mitreißen, die Gegenwart positiver zu sehen. Sein Buch «Es ist nicht alles so scheiße, wie du denkst - 30 Gründe, warum die Welt heute besser ist als früher» regt zum Nachdenken an und ist eine unterhaltsame Lektüre, gar im Urlaub oder am Strand diesen Sommer.

Wer Nachrichten schaue, habe das Gefühl, die Welt sei schlecht, sagt Schmidtke zu Anfang des Buchs in einem Interview. „Das liegt aber nicht an der Welt, sondern an den Nachrichten. Die sind im Zweifel negativ“, sagt Schmidtke. Dazu gebe es sogar Studien, dass etwa die Schlagzeilen der „New York Times“ im Laufe der Jahrzehnte immer negativer geworden seien. Das sei aber nicht schlimm und das seien auch keine Fake News. Es liege aber in der Natur der Medien, „dahin zu schauen, wo es stinkt“. Doch dabei vergessen viele, was alles gut laufe.

Und so hat der Autor und Musiker 30 Themen zusammengetragen, bei denen er in gewitztem Ton seinen Optimismus darlegt und mit Daten belegt, was heute alles viel besser sei als früher. Darunter fallen auch so umstrittene Themen wie Integration und Alter.

Zum Leben von Menschen mit Migrationsgeschichte schreibt er: „84 Prozent der in Deutschland geborenen Muslime verbringen ihre Freizeit regelmäßig mit Nichtmuslimen (und damit sind nicht Polizisten gemeint). 96 Prozent unserer muslimischen Mitbürger fühlen sich Deutschland verbunden. Und bei 73 Prozent der muslimischen Kinder ist Deutsch die erste Sprache (also mehr als bei bayerischen Kindern).“

Und über Senioren schreibt Schmidtke: „Opa hört alles in bester Klangqualität, denn sein Hörgerät hat Bluetooth. Die altbackene Gehhilfe ist aus dem Straßenbild verschwunden. Enorme Fortschritte bei Knie- und Hüft-OPs, aber auch die kriegsvermeidende Diplomatie der Bundesrepublik schaffen eine stetig wachsende Seniorengesellschaft, traumafrei und mit vollständigen Gliedmaßen.“

Ein weiteres Beispiele ist der Alkohol. Der werde nicht mehr so unüberlegt und übertrieben konsumiert. 2Früher ging die Arbeiterklasse nach der Schicht in die Kneipe und rauchte und soff. Heute geht man abends noch in die Muckibude.“ Das Bild vom Kettenraucher in der Eckkneipe sei Geschichte. „Ebenso Kotzbecken mit Festhaltegriff, die ich in meiner Kindheit noch auf jeder Herrentoilette fand.“ Kids von heute fänden Trinkerei immer uncooler.

Beispiel Zähne: „In Mitteleuropa werden die Gebisse immer besser.“ Es gebe eine Art „dentale Gentrifizierung“. „Schiefe Zähne müssen den Kindern von heute vorkommen wie Missbildungen. Die Zahnspange als kulturelle Errungenschaft wird völlig unterschätzt.“

Beispiel Gestank: Mittelaltermärkte gaukelten heutzutage vor, diese Epoche sei eine Zeit duftender Brotlaibe, voller Gewürze und heimeliger Lagerfeuer gewesen. Doch die Wahrheit stinke: Es sei die Zeit von „Kot und Urin, das durch die Gossen läuft, Pferdekacke, Hundekacke, Gänsekacke, Hühnerkacke, Kuhkacke, Ziegenkacke, Vogelkacke“ gewesen. Essensreste und Tierkadaver seien durch die Bäche getrieben. Die Menschen stanken am ganzen Körper. Und das sei lange so gewesen - bis in die Neuzeit, bis etwa Zähneputzen für die Massen erschwinglich wurde.

Beispiel Zigaretten: „Jugendliche rauchen heute so wenig wie noch nie. 2001 waren es noch 28 Prozent der unter 18-Jährigen, heute nur noch 7 Prozent. Zigaretten passen nicht mehr zum frischen Duschgel-Duft der Fitnessstudios.“

Beispiel Lärm: Haushaltsgeräte seien heute viel leiser als noch vor ein paar Jahrzehnten, Zugfahren sowieso. Früher habe man bei der Bahn „inmitten einer Wolke aus Krach und Zigarettenqualm“ gesessen und habe sich anbrüllen müssen. Und: Auch die Schallschutzmauern an den Autobahnen wirkten Wunder. „Als ich in Essen lebte, radelte ich einmal durch die Wohngebiete entlang der A40 und war verblüfft, welch idyllische Ruhe dort herrschte.“ Der Lärm der am stärksten befahrenen Autobahn Europas habe wie entferntes Meeresrauschen geklungen.

Und natürlich die Ernährung. Sie ist heute äußerst vielfältig und viel viel besser als früher, meint der Autor: „Wollen Sie noch mal zurück in die 50er? Zu ,Himmel und Erde‘ und Hühnerfrikassee? Sushi oder Shawarma hätte man damals noch für indische Gottheiten gehalten. Je weiter man in unserer Geschichte zurückgeht, desto trostloser wird es auf dem Teller.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimaneutralität verfehlt: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel
05.11.2026

Deutschland, Europa und die Welt kommen beim Klimaschutz voran, aber nicht schnell genug. Nach Berechnungen der Allianz wird das Ziel der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Probezeit: Was ist zu beachten?
05.11.2026

Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, Vorstellungsgespräche geführt und endlich scheint derpassende Kandidat...