Technologie

China startet Betrieb des zweitgrößten Wasserkraftwerks der Welt

China baut seine Wasserkraftkapazitäten beträchtlich aus. Im Südwesten des Landes ging nun der zweitgrößte Wasserkraft-Damm der Welt in Betrieb.
29.06.2021 09:00
Lesezeit: 2 min

Zum ersten Mal überhaupt hat ein Land Wasserkraftturbinen mit einer Leistung von einem Gigawatt in Betrieb genommen. Am Montag wurden die ersten zwei von insgesamt 16 Turbinen des Baihetan-Staudamms im Südwesten des Landes freigeschaltet, wie die South China Morning Post berichtet.

Wenn alle Turbinen im Einsatz sind, wird die Gesamtleistung der an der Grenze der Provinzen Yunnan und Sichuan gelegenen Anlage insgesamt 16 Gigawatt übertreffen. Damit wird sie auf der ganzen Welt nur vom ebenfalls chinesischen Drei-Schluchten-Staudamm übertroffen, der insgesamt zwar mehr Elektrizität liefert, dessen einzelne Turbinen aber nicht die Leistungsfähigkeit des Baihetan aufweisen.

Die vom Baihetan-Staudamm erzeugte Energie wird vornehmlich in den Osten des Landes transprotiert werden. Staatspräsident Xi Jinping bezeichnete die teilweise Indienststellung des Damms am Montag als einen „Durchbruch im Bereich der hochtechnologischen Ausrüstungen“ und den Betrieb der 1-Gigawatt-Turbinen als „Weltpremiere“.

Dem innerhalb von rund vier Jahren gebauten Damm mussten insgesamt etwa 100.000 Bewohner in der Region weichen, welche umgesiedelt wurden. Der Bau gilt als anspruchsvolle Leistung angesichts der Abgeschiedenheit der Region und eines schwierigen geologischen Terrains. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 220 Milliarden Renminbi, rund 34 Milliarden US-Dollar.

Wasserkraft-Kapazitäten wachsen, sind aber limitiert

Der Beihetan ist Teil einer Kette von insgesamt vier Staudämmen am Oberlauf des Jangtsekiang, dem sogenannten Jinsha-Fluss. Zusammen werden diese vier Wasserkraftanlagen etwa doppelt so viel Elektrizität wie der Drei-Schluchten-Staudamm erzeugen. Die drei anderen Dämme befinden sich bereits in vollem Betrieb, zuletzt wurde der Wudongde-Staudamm mit einer Gesamtleistung von etwas über 10 Gigawatt vor etwa zwei Wochen gestartet.

Die Wasserkraft spielt eine wichtige Rolle für die Regierung, um die selbstgesteckten CO2-Reduktionsziele bis zum Jahr 2060 erreichen zu können. Landesweit befinden sich Anlagen mit einer Gesamtnennleistung von 370 Gigawatt in Betrieb. Den geografischen Schwerpunkt bildet dabei der Südwesten Chinas mit den Provinzen Sichuan und Yunnan. Hier befinden sich am Oberlauf des Jangtse die großen Kraftwerke, daneben soll auch im südlichen Tibet sowie am Oberlauf des Mekong ein Großkraftwerk gebaut werden.

Die gesamte durch die Nutzung von Wasserkraft erzeugte Energieausbeute wurde in den vergangenen Jahren zwar deutlich gesteigert, weist aber Grenzen auf. „Chinas Entwicklung der Wasserkraft hat noch immer Potenzial, ist aber verglichen mit anderen regenerativen Energieformen begrenzt. China verfügt derzeit über eine Kapazität von über 350 Gigawatt und das maximale Limit sind noch einmal 100 Gigawatt mehr. (...) Wenn wir das Ziel einer fossilen Neutralität erreichen wollen, dann wird das weitaus größere Potenzial von Sonnen-, Wind- und geothermaler Kraft gewonnen werden müssen“, zitiert die South China Morning Post einen Analysten des Energieinstituts der Universität Peking.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: SanDisk und Micron führen Erholung der Chipaktien an, während Großbanken nachgeben
19.10.2026

Verfolgen Sie die entscheidenden Entwicklungen an der Wall Street und entdecken Sie, welche Sektoren die Märkte am Montag bewegten.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Traditionsunternehmen Miele: Mittelständler mit Milliarden-Umsatz - Chef stirbt im Alter von 98 Jahren
19.10.2026

Als Hersteller für Haus- und Gewerbegeräte ist Miele weltweit bekannt. In Westfalen wurde das Traditionsunternehmen 1899 gegründet. Als...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bald treffen die Giganten aufeinander: Die Wette auf Indien könnte lukrativer sein als die auf China
19.10.2026

Wenn nur zehn Prozent der Inder, die heute kein Auto besitzen, in den kommenden Jahrzehnten Eigentümer eines Neuwagens würden, sprächen...

DWN
Politik
Politik Steuerzinsen 2027: Nachzahlungen sollen doppelt verzinst werden
19.10.2026

100.000 Euro Steuernachzahlung, zwei volle Zinsjahre: Heute können daraus 3.600 Euro Zinsen werden. Unter dem geplanten neuen Satz wären...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VW ID. Buzz im Test: Übernachten im Elektroauto wird zum Geduldsspiel
19.10.2026

Im Elektroauto schlafen, morgens Kaffee kochen und dabei unabhängig vom Campingplatz bleiben. Der neue Campingmodus des VW ID. Buzz soll...

DWN
Finanzen
Finanzen Was wäre, wenn ich statt des S&P 500 einfach seine Mutter kaufen würde?
19.10.2026

Ohne das Unternehmen S&P Global könnten die Finanzmärkte nur schwer funktionieren. Der Aktienkurs ist in diesem Jahr jedoch auf ein...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin und Co.: Sparkassen starten schrittweise Kryptohandel
19.10.2026

Der Wettbewerb im Kryptohandel nimmt zu: Nun wollen auch die Sparkassen mit einem eigenen Angebot Privatkunden ansprechen. Sie rollen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Anthropic: Milliardenverluste, Millionengehälter und ein gigantischer Börsenplan
19.10.2026

18 Millionen Dollar Vergütung für den Chef, fast 42 Milliarden Dollar Verlust für das Unternehmen: Beim KI-Entwickler Anthropic liegen...