Wirtschaft

Materialmangel bremst deutsche Industrie aus

Die Lieferengpässe im Welthandel haben sich im Mai deutlich beim Auftragseingang der Industrie bemerkbar gemacht.
06.07.2021 09:02
Aktualisiert: 06.07.2021 09:02
Lesezeit: 2 min

Die Aufträge der deutschen Industrie sind im Mai so stark eingebrochen wie seit dem ersten Lockdown 2020 nicht mehr. Die Betriebe sammelten wegen schwacher Auslandsnachfrage 3,7 Prozent weniger Bestellungen ein als im Vormonat, wie das Bundeswirtschaftsministerium am Dienstag mitteilte. Das Neugeschäft sank damit erstmals in diesem Jahr. Ökonomen hingegen hatten mit einem Anstieg von 1,0 Prozent gerechnet. Der April-Wert wurde allerdings kräftig nach oben revidiert - von minus 0,2 Prozent auf plus 1,2 Prozent. Grund für den Rückgang im Mai dürfte auch der Materialmangel sein, sagte Chefökonom Thomas Gitzel von der VP Bank. "Die Industrie hat weiterhin gute Quartale vor sich, aber vermutlich endet nun langsam die Sondernachfrage." Die Eindämmung der Pandemie führe auch zu einer Normalisierung.

"Insgesamt bewegen sich die Auftragseingänge weiterhin oberhalb des Vorkrisenniveaus", erklärte das Ministerium. Gemessen am Februar 2020, dem Monat vor Beginn der Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie, liegen die Aufträge nun um 6,2 Prozent höher. Verglichen mit dem Lockdown-Monat Mai 2020 zogen sie um 54,3 Prozent an.

Die Aufträge aus dem Inland stiegen um 0,9 Prozent zum Vormonat. Das Auslandsgeschäft brach jedoch um 6,7 Prozent ein. Dabei sanken die Bestellungen aus Ländern außerhalb der Euro-Zone kräftig um 9,3 Prozent, während es für Exportaufträge aus dem Währungsraum nur ein Minus von 2,3 Prozent gab. Weniger gefragt waren etwa Investitionsgüter wie Maschinen und Fahrzeuge: Hier fiel die Nachfrage um insgesamt 4,6 Prozent, die nach Konsumgütern kletterte dagegen um 3,9 Prozent. Hersteller von Vorleistungen meldeten ein Minus von 3,6 Prozent.

Die Auftragsbücher seien dennoch gut gefüllt, sagte Gitzel. "Es muss einem nun nicht Angst und Bange werden." In den vergangenen zwölf Monaten habe es nur zwei Rückgänge gegeben. "Damit liegt der Auftragsbestand seit Auflegung der Zeitreihe im Jahr 2015 auf einem Allzeithoch." Die Reichweite des derzeitigen Auftragsbestandes liege bei sieben Monaten.

Die deutsche Wirtschaft war Anfang 2021 im Lockdown noch um 1,8 Prozent geschrumpft. Im zu Ende gegangenen Quartal dürfte sich die Konjunktur dank Öffnungen und Lockerung bereits merklich erholt haben. Für den laufenden Sommer rechnen Ökonomen ebenfalls mit spürbarem Wachstum, auch wenn Lieferengpässe etwa bei Vorprodukten viele Industrieunternehmen bremsen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Heil statt Klingbeil? Ex-Arbeitsminister schließt Kandidatur für SPD-Vorsitz nicht aus
18.10.2026

Bekommt Lars Klingbeil jetzt Konkurrenz? Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil bekommt nach eigenen Worten aus der SPD viele Ermutigungen, für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
18.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Methanemissionen: Energiepreise – EU-Kommission will Klimaregeln verschieben
18.10.2026

In Brüssel werden Mittel gegen die ausufernden Energiepreise gesucht. Einen Weg sieht die Kommission darin, bestimmte Klimaregeln später...

DWN
Finanzen
Finanzen Kaffeepreis: Warum die billigste Bohne am Ende die teuerste ist
18.10.2026

Kaffee wird immer teurer. Doch wer jetzt zu günstigen Bohnen greift, könnte die nächste Preisexplosion selbst befeuern. Klimawandel,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bewerbungsverfahren: Künstliche Intelligenz verändert die Auswahlkriterien
18.10.2026

Bewerber verfassen Bewerbungsunterlagen mit KI, Betriebe lassen die Maschine zumindest einen Teil der Vorauswahl machen. Das ändert die...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Der größte Fehler passiert lange vor dem ersten Aktienkauf
18.10.2026

Welche Aktie soll ich kaufen? Für viele Börsenanfänger ist das die wichtigste Frage überhaupt. Dabei entscheidet sich oft schon viel...

DWN
Technologie
Technologie Musks Flugauto: Tesla zeigt Sportwagen mit Raketendüsen
18.10.2026

Seit Jahren stellte Elon Musk ein Raketen-Auto in Aussicht - und der nun gezeigte Tesla Roadster kann dank Kaltgas-Düsen ein wenig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Zeekr greift BMW und Mercedes an: Ex-BMW-Manager rechnet mit Europas Autobauern ab
18.10.2026

In chinesischen Autofabriken verschwinden die Menschen, Roboter übernehmen ihre Arbeit. Während BMW, Mercedes und Audi unter Kostendruck...