Politik

Erdgas und Mord: Konflikt in Mosambik löst Flüchtlings-Krise aus, Total hatte zuvor Operationen gestoppt

Die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision teilt mit, dass mehr als 700.000 Menschen mittlerweile aus ihrer Heimat in Cabo Delgado im Norden von Mosambik vertrieben wurden. Der Konflikt trifft vor allem europäische Energiekonzerne schwer.
09.07.2021 14:58
Aktualisiert: 09.07.2021 14:58
Lesezeit: 1 min
Erdgas und Mord: Konflikt in Mosambik löst Flüchtlings-Krise aus, Total hatte zuvor Operationen gestoppt
Mosambik ist aus energiepolitischer Sicht sehr wichtig. (Grafik: Rivera Maritime Media)

Vor dem Hintergrund zunehmender Gewalt in Mosambik warnt die internationale Kinderhilfsorganisation World Vision davor, dass immer mehr Kinder in dem südostafrikanischen Land schwer traumatisiert sind, da sie Augenzeugen von grausamen Gewalttaten wurden. Tausende Jungen und Mädchen sind inzwischen vor den seit 2017 anhaltenden Kämpfen aus ihren Dörfern vertrieben worden. Die Kinder wurden Zeugen von Enthauptungen oder zu Heiraten gezwungen. Mädchen, die in Wälder nach Nahrung suchen, werden oft Opfer von sexueller Gewalt.

Mehr als 700.000 Menschen sind mittlerweile aus ihrer Heimat in Cabo Delgado im Norden des Landes geflohen. Viele Kinder haben ihre Eltern verloren und sind jetzt Waisen so World Vision in einer Mitteilung. Unterstützung ist dringend nötig, um Kinder psychisch und physisch zu versorgen. Viele Menschen leiden konstant unter Nahrungsmittelmangel. Siminone Mhula, Expertin für Kinderschutz bei World Vision betont: „Auf der einen Seite haben wir den Mangel an Nahrungsmitteln, der dazu führt, dass junge Mädchen im Gegenzug für Nahrung sexuell ausgebeutet werden. Auf der anderen Seite erleben wir Mädchen und Jungen, die zutiefst verzweifelt sind, nachdem sie Zeugen von furchtbaren Grausamkeiten geworden sind. Sie haben gesehen, wie ihre Liebsten enthauptet wurden oder wie Mädchen entführt und gezwungen wurden, ihre Angreifer zu heiraten, als ihre Dörfer überfallen wurden.“

Der Norden von Mosambik ist aus energiepolitischer Perspektive wichtig - insbesondere für europäische Energiekonzerne. Angesichts der angespannten Sicherheitslage im Norden von Mosambik zog der französische Energiekonzern Total die Mitarbeiter von seinem milliardenschweren Flüssiggasprojekt komplett ab. Direkt betroffen waren nach früheren Berichten rund 1000 Mitarbeiter - Total selbst nannte keine Zahl. Agostinho Vuma, der Präsident von Mosambiks Unternehmerverband, hatte den Gesamtschaden für die Volkswirtschaft des ostafrikanischen Landes durch den sich abzeichnenden Stopp bereits vergangene Woche mit rund 90 Millionen Dollar beziffert.

Nach seinen noch vorläufigen Schätzungen müssten nun rund 410 Betriebe aus dem Umfeld der Gasförderung in Cabo Delgado - vom Zulieferer über den Sicherheitsdienst bis hin zum Lodgebesitzer - ihren Betrieb einstellen. Rund 56 000 Menschen würden dadurch arbeitslos. Die Stadt Palma im Norden des südostafrikanischen Landes wurde am 24. März von islamistischen Rebellen überfallen. Total ist in der Region an einem knapp 17 Milliarden Euro teuren Flüssiggasprojekt beteiligt. Angesichts der Umstände nutzt Total nun den rechtlichen Begriff der „höheren Gewalt“.

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