Deutschland

Erstmals Schweinepest bei deutschen Hausschweinen, Bauern fürchten Katastrophe

Die ersten Fälle von Afrikanischer Schweinepest bei Hausschweinen in Deutschland sind in Brandenburg nahe der Grenze zu Polen aufgetreten. Die Angst bei Schweinehaltern ist groß.
16.07.2021 16:35
Aktualisiert: 16.07.2021 16:35
Lesezeit: 2 min
Erstmals Schweinepest bei deutschen Hausschweinen, Bauern fürchten Katastrophe
Wegen der schwierigen Lage haben schon einige Betriebe die Tierhaltung aufgegeben. (Foto: dpa) Foto: Patrick Pleul

Der lang befürchtete Katastrophenfall ist eingetreten: In Brandenburg hat die hochinfektiöse Afrikanische Schweinepest erstmals in Deutschland auf Hausschweine übergegriffen. Das Friedrich-Loeffler-Institut bestätigte den Virusverdacht bei einem Bio-Betrieb mit 200 Tieren in Neiße-Malxetal südöstlich von Cottbus und einer Mini-Haltung mit zwei Tieren in Letschin nördlich von Frankfurt (Oder), wie das Brandenburger Verbraucherschutzministerium am Freitag mitteilte. Die beiden Tiere bei dem Privathalter wurden bereits getötet und entsorgt. Die 200 Schweine im Bio-Betrieb werden voraussichtlich am Wochenende getötet.

Die Landesregierung will verhindern, dass die Afrikanische Schweinepest (ASP) weitere Bestände heimsucht. «Wir sind der Vorposten für ganz Westeuropa», sagte Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher. «Es gilt zu verhüten, dass die ASP sich weiter nach Westen ausbreitet.» Um die beiden betroffenen Betriebe sollen Schutz- und Überwachungszonen eingerichtet werden. «Wir klären jetzt, auf welchem Weg der Eintrag erfolgt ist.» Bisher sei die Einschätzung von Experten gewesen, dass befallene Wildschweine aus Polen die Oder und die Neiße passiert hätten. Für vier Hausschweine nahe der Kleinsthaltung in Letschin gebe es einen weiteren Verdacht.

Brandenburg befürchtet drastische Nachteile für Schweinebauern. «Es ist zu erwarten, dass nicht nur die Exportchancen der Schweinehaltung an sich in Deutschland wieder eingeschränkt werden», sagte Agrarstaatssekretärin Silvia Bender. Die europäischen Nachbarn könnten nervös reagieren. «Wir gehen davon aus, dass der Preis für Schweinefleisch wieder sinken wird.» Er habe sich gerade erst stabilisiert auf 1,50 Euro pro Kilogramm nach 1,20 Euro zum Jahresbeginn.

Die Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands verlangte von den Abnehmern im Inland ein klares Signal. «Ein mindestens stabiles Preisniveau ist jetzt das zwingende und richtige Signal an die deutschen Schweinehalter», hieß es in einer Mitteilung.

Das Virus grassiert in Deutschland seit bald einem Jahr. Betroffen waren bislang nur Wildschweine. Rund 1270 Fälle wurden laut Brandenburger Verbraucherschutzministerium allein im Land nachgewiesen. Die Schweinepest ist für Menschen ungefährlich. Für Schweine ist das hochansteckende Virus aber in der Regel unheilbar und tödlich. Eine Impfung gibt es nicht. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen haben zum Schutz einen rund 670 Kilometer langen Zaun an der Grenze zu Polen gebaut. Ein zweiter Zaun ist in Brandenburg in Planung.

Bauernvertreter forderten eine bessere Bekämpfung der Seuche. «Wir müssen feststellen, dass die ergriffenen Maßnahmen ebenso wie deren Koordinierung nicht ausreichen», sagte der Präsident des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes, Hubertus Beringmeier. Auf Maßnahmen wie Desinfektion und Stallpflicht müsse strikt geachtet werden.

Brandenburg forderte Unterstützung für die Schweinehalter und sieht Bundesagrarministerin Julia Klöckner in der Pflicht. Betriebe, die vorübergehend ihre Tierhaltung aufgäben, sollten Förderung erhalten, sagte Staatssekretärin Bender. Sie kritisierte: «Die Bundesministerin hat zusätzliche Unterstützungsmöglichkeiten zurückgewiesen, als nicht nötig befunden.»

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IEA-Bericht: Das Zeitalter der Elektrizität beginnt mit Rekordinvestitionen
06.06.2026

Die zweite Energiekrise in fünf Jahren verändert den globalen Energiemarkt. Strom, Netze, Batterien und Solarenergie rücken ins Zentrum...

DWN
Technologie
Technologie E-Auto: Gebrauchte Elektroautos könnten bald deutlich attraktiver werden
06.06.2026

Der Markt für gebrauchte Elektroautos wächst, bleibt aber deutlich hinter klassischen Verbrennern zurück. Gründe dafür sind hohe...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutsche Wirtschaftspolitik unter Beschuss: Mittelstand und Traditionsunternehmen in Existenznot
06.06.2026

Insolvenzrekorde, verzweifelte Unternehmer und eine stagnierende Wirtschaft. Die Existenznot in deutschen Firmen geht um, die Lage war noch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Selbstzweifel im Job: Wie Schwächen zu Stärken werden
06.06.2026

Im Arbeitsalltag verläuft nicht immer alles reibungslos. Weshalb Selbstzweifel ganz normal sind und welche Fragen jetzt besonders wichtig...

DWN
Panorama
Panorama Mercedes CLA im Test: Ungewöhnlich, sparsam und besser denn je
06.06.2026

Der neue Mercedes CLA sieht nicht sofort nach Liebe auf den ersten Blick aus. Doch unter der auffälligen Hülle steckt ein überraschend...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI-Logistik fordert Frachtgiganten heraus
06.06.2026

Die Frachtbranche galt lange als Geschäft aus Stahl, Schiffen und Terminals. Nun dringt KI in die Buchungen ein, automatisiert Dokumente...

DWN
Politik
Politik EZB warnt vor Risiken für die Finanzstabilität bei längerem Iran-Krieg
06.06.2026

Die Banken wirken stabil, die Märkte aber nicht. Der Iran-Krieg trifft auf hohe Bewertungen, nervöse Anleger und Staaten mit knappen...

DWN
Politik
Politik Atomabkommen mit dem Iran: Warum Trump Obamas Iran-Deal zu Fall brachte
06.06.2026

Donald Trump macht keinen Hehl daraus, dass er Barack Obamas Iran-Politik für einen Fehler hält. Der Ausstieg der USA aus dem...