Finanzen

Deutsche Bank warnt: Inflation droht zu explodieren, Weltwirtschaften sitzen auf einer Zeitbombe

Aus einem Bericht der Deutschen Bank geht hervor, dass die Geldpolitik der Fed und weiterer Zentralbanken zu einer regelrechten Explosion der Inflation führen wird. Die sozialen Kosten werden enorm sein.
17.07.2021 13:28
Aktualisiert: 17.07.2021 13:28
Lesezeit: 3 min
Deutsche Bank warnt: Inflation droht zu explodieren, Weltwirtschaften sitzen auf einer Zeitbombe
Wolken ziehen über die Zentrale der Deutschen Bank, während sich der Wolkenhimmel in der Fassade spiegelt. (Foto: dpa)

In einem Bericht mit der Überschrift „Inflation: The defining macro story of this decade“ bezieht sich die Deutsche Bank zunächst auf diverse Zitate:

Ronald Reagan (1978): „Die Inflation ist so gewalttätig wie ein Straßenräuber, so beängstigend wie ein bewaffneter Räuber und so tödlich wie ein Auftragsmörder.“

Joe Biden (2021): „Bei einem Job geht es um viel mehr als nur um einen Gehaltsscheck. Es geht um Würde. Es geht um Respekt. Es geht darum, Ihrem Kind in die Augen zu sehen und zu sagen, dass alles in Ordnung ist. Das können heute zu viele Menschen nicht – und das muss sich ändern.“

Janet Yellen (2021): „Weder der designierte Präsident noch ich schlagen dieses Hilfspaket vor, ohne die Schuldenlast des Landes aufzuwerten. Aber im Moment, bei den Zinsen auf historischen Tiefstständen, ist das Klügste, was wir tun können, groß zu handeln.“

Jerome Powell (2021): „Während dieser Zeit der Wiedereröffnung werden wir wahrscheinlich einen gewissen Aufwärtsdruck auf die Preise sehen (...) Aber dieser Druck ist wahrscheinlich vorübergehend, da er mit dem Wiedereröffnungsprozess verbunden ist.“

Die Deutsche Bank wörtlich: „Die obigen Zitate unterstreichen, dass die US-Makropolitik und tatsächlich die Rolle der Regierung in der Wirtschaft ihren größten Richtungswechsel seit 40 Jahren durchmacht. Im Gegenzug befürchten wir, dass es zu unbequemen Inflationsraten kommen wird. Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass wir uns vom Neoliberalismus entfernen und dass die Tage der neoliberalen Politik, die in der Reagan-Ära begann, im Rückspiegel deutlich verblassen. Die Auswirkungen dieser Verschiebung werden durch politische Unruhen in den USA und zutiefst besorgniserregende geopolitische Risiken verstärkt. Wenn wir die neue Welt betreten, sind wir uns nicht mehr sicher, wie viel von dem, was wir über Finanz- und Makroökonomie zu verstehen glaubten, noch gültig ist (…) Tatsächlich hat die Geschichte gezeigt, dass die sozialen Kosten einer deutlich höheren Inflation und stark ausgeweiteten Schuldendienstverpflichtungen es schwierig, wenn nicht sogar unmöglich machen, die sozialen Ziele zu erreichen, die die neue US-Regierung (unter anderem) erreichen will. Wir befürchten, dass die Schwachen und Benachteiligten von politischen Fehlern zuerst und am stärksten getroffen werden.“

Wie steht es mit den Einschätzungen der Fed und der Zentralbanken? Die Fed erwartet, dass sich der aktuelle Inflationsanstieg als vorübergehend erweisen wird. Es wird der Deutschen Bank zufolge einige Zeit dauern, um festzustellen, dass es sich um einen anhaltenderen Anstieg der Inflation handelt. Die US-Notenbank geht offenbar von einer falschen Annahme aus.

„Wir befürchten ein Comeback der Inflation. Nur wenige erinnern sich noch daran, wie unsere Gesellschaften und Volkswirtschaften vor 50 Jahren von hoher Inflation bedroht waren. Die grundlegendsten Gesetze der Ökonomie, die sich über ein Jahrtausend bewährt haben, wurden nicht außer Kraft gesetzt. Ein explosionsartiges Wachstum der hauptsächlich von Zentralbanken finanzierten Schulden dürfte zu einer höheren Inflation führen. Wir befürchten, dass die schmerzlichen Lehren einer inflationären Vergangenheit von den Zentralbankern ignoriert werden“, so die Deutsche Bank.

Die Geduld der Fed im Zusammenhang mit der Inflation sei zwar „bewundernswert“, doch die Volkwirtschaften sitzen weltweit auf einer „Zeitbombe“, die jederzeit explodieren könne. Es sei ein beängstigender Gedanke, dass die Finanz- und Geldpolitik in einer Weise koordiniert wird, wie es die Welt noch nie zuvor gesehen habe.

„Letztendlich werden jedoch alle sozialen Prioritäten der politischen Entscheidungsträger beiseite gelegt, wenn die Inflation ernsthaft zurückkehrt. Steigende Preise werden jeden berühren. Die Auswirkungen könnten verheerend sein, insbesondere für die Schwächsten in der Gesellschaft. Wenn Zentralbanken in dieser Phase handeln, werden sie leider zu einem abrupten Politikwechsel gezwungen, der es den politischen Entscheidungsträgern nur noch schwerer macht, die sozialen Ziele zu erreichen, die unsere Gesellschaften brauchen“, führt die Deutsche Bank aus.

Am 10. Dezember 2020 hatte der DWN-Redakteur Cüneyt Yilmaz unter der Annahme, dass die Fed ihre expansive Geldpolitik einschränken wird, um die sozialen und gesellschaftlichen Ziele der Biden-Regierung mittelfristig auch umsetzbar zu machen, einen Börsen-Crash für das zweite Quartal 2021 prognostiziert. Allerdings hat die Fed einen Weg gewählt, der die Spekulations-Blase an den Börsen weiter aufblähen lässt, anstatt sie rechtzeitig zum Platzen zu bringen. Mit diesem gefährlichen Schritt, der zusätzlich die Inflation anheizen wird, gehen die USA schweren sozialen Verwerfungen entgegen. Wollen die Biden-Regierung und die Fed in Wirklichkeit lediglich den US-Staatshaushalt sanieren, indem sie auf das Inflations-Vehikel setzen? Schließlich führen auch die direkten staatlichen Zahlungen an die US-Bürger ebenfalls zu einem Inflations-Schub.

Objektiv gesehen, hätte die Fed den Leitzins anheben müssen, um eine kleinstmögliche Katastrophe auf die Börsen zu beschränken, ohne die Bürger über die Inflation zu belasten. Stattdessen hat die Fed das Risiko der Katastrophe nicht nur erhöht, sondern auch in die Zukunft verschoben.

Um es mit den Worten von Larry Summers, ehemaliger Direktor des National Economic Council, zu sagen: „Ich denke, dies ist die am wenigsten verantwortungsvolle makroökonomische Politik, die wir in den letzten 40 Jahren hatten.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

 

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...