Finanzen

Stresstest für Europas Banken wegen Corona-Krise: Bankenaufseher geben Ergebnisse bekannt

Mit rund einem Jahr Verzögerung haben Aufseher die Banken in Europa einem umfassen Belastungstest unterzogen.
28.07.2021 10:26
Lesezeit: 2 min

Mit rund einem Jahr Verzögerung haben Aufseher die Banken in Europa einem umfassen Belastungstest unterzogen. Am Freitagabend will die europäische Bankenbehörde EBA ihre Ergebnisse veröffentlichen. Experten rechnen bei den meisten Instituten mit einem soliden Abschneiden. Die EU-Bankenwächter untersuchten, wie widerstandsfähig die Institute wären, falls sich die Corona-Krise bei anhaltenden Niedrig- oder Negativzinsen verschärfen würde. Einen ersten Hinweis auf die Ergebnisse lieferte vergangene Woche die Europäische Zentralbank (EZB). Sie erlaubte den Banken der Euro-Zone ab Oktober wieder Dividendenzahlungen ohne Einschränkungen. Die EBA wollte den Stresstest ursprünglich 2020 auflegen, verschob ihn dann aber wegen der Corona-Krise.

„Ich glaube, dass man insgesamt unter Beweis stellen wird, dass man krisenfest ist“, erwartet LBBW-Analyst Christian Götz. „Die geäußerten Befürchtungen, dass es eine Finanzkrise 2.0 geben werde, dürften ad acta gelegt werden.“ Der Banken-Experte rechnet allerdings damit, dass diesmal im Schnitt größere Eigenkapitalabschläge zu sehen sind als beim letzten Stresstest. Marco Troiano von der Ratingagentur Scope erwartet nur vereinzelte Problemfälle: „Die Resultate des Stresstests werden dabei helfen, etwas von der gebliebenen Unsicherheit bezüglich der Kapitalpositionen der europäischen Banken zu zerstreuen.“

Zu den 50 Banken, die getestet wurden, gehörten auch sieben deutsche Institute. Neben der Deutschen Bank sind das die Volkswagen Bank, die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba), die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die DZ Bank, die Commerzbank und die Bayerische Landesbank. Insgesamt sind 38 der größten Banken aus dem Euro-Raum im Rahmen des EBA-Tests geprüft worden. Britische Banken sind nach dem Brexit zum ersten Mal nicht dabei. Parallel dazu hat die Europäische Zentralbank 51 zumeist kleinere Institute, die nicht Teil der EBA-Stichprobe sind, einem eigenen Stresstest unterzogen.

Marc Decker, Leiter Fondsmanagement bei der Privatbank Merck Finck, erwartet im Großen und Ganzen, dass der Bankensektor robuster dasteht als noch vor zehn Jahren. „In der Finanzkrise 2008, 2009 waren die Banken das Problem, das sind sie dieses Mal Gott sei dank nicht“, sagt Decker. Er wies zudem darauf hin, dass die Institute auch aufgrund der Regulierung massive Anstrengungen unternommen haben, um ihre Eigenkapital-Stabilität entsprechend zu verbessern.

In dem Stresstest wurde ein Krisenszenario angenommen, bei dem sich die Corona-Pandemie massiv verschärft und einen deutlichen Rückgang der Wirtschaftsleistung in der EU um 3,6 Prozent bis 2023 auslöst. Zudem wird davon ausgegangen, dass die Arbeitslosenquote noch oben schnellt, die Preise für Gewerbeimmobilien abstürzen und die Aktienmärkte einbrechen. Die Banken mussten zeigen, dass sie eine solche Krise überstehen können und noch über genügend Kapital verfügen. Durchfallen konnten sie zwar nicht. Die Ergebnisse sollen aber im Rahmen der regulären Bankenprüfung bei der Ermittlung ihres Kapitalbedarfs herangezogen werden.

Einen Fingerzeig, wie die Ergebnisse ausfallen könnten, gab unlängst die EZB-Bankenaufsicht. Sie beschloss, noch bestehende, pandemie-bedingte Einschränkungen bei Dividenden-Zahlungen Ende September auslaufen zu lassen. Ab Oktober sollen die Ausschüttungspläne der Institute dann wieder Teil des normalen Aufsichtsprozesses sein. Wegen der Corona-Krise waren sie bislang dazu aufgerufen, entweder keine oder nur in begrenztem Umfang Dividenden zu zahlen oder Aktien zurückzukaufen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen im Minus; Trump schießt gegen die Fed
04.09.2026

Spannung an der Wall Street: Was die Märkte jetzt bewegt und warum Anleger aufmerksam bleiben sollten.

DWN
Technologie
Technologie Samsung-Streit: Stadt darf vorerst keine neuen iPads kaufen
04.09.2026

Viele Kommunen setzen bei der Digitalisierung ihrer Schulen auf Tablets von Apple. Doch ein Rechtsstreit mit Samsung zwingt die Stadt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: Die vier wichtigsten Herausforderungen für Apples neuen Chef John Ternus
04.09.2026

Und so beginnt es. John Ternus hat Tim Cook offiziell als Vorstandschef von Apple abgelöst. Und was für ein Imperium er erbt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neura: Roboter-Attacke aus Schwaben
04.09.2026

Humanoide Roboter verlassen die Labore und sollen bald Fabriken, Krankenhäuser und Haushalte erobern – ein deutsches Unternehmen setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
04.09.2026

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 41: Die Woche im Rückblick – KW 36
04.09.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie: Milliardenübernahme von Hugging Face stärkt KI-Geschäft
04.09.2026

Die Nvidia-Aktie rückt nach der Übernahme von Hugging Face erneut in den Fokus. Der Chiphersteller kauft die führende...

DWN
Politik
Politik Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt und stürzt Koalition in Krise
04.09.2026

Der Streit im BSW eskaliert: In Thüringen wollen weitere Abgeordnete die regierungstragende Fraktion und die Partei verlassen. Unter ihnen...