Finanzen

Auch Deutsche Bank macht mit: Großbanken erhöhen die Vergütungen ihrer Investment-Banker um viele Milliarden

Die Leute hätten während der Pandemie aus dem Homeoffice gearbeitet und "eine schwierige Zeit" gehabt, lautet eine der Begründungen.
07.08.2021 13:00
Lesezeit: 2 min

Den Investmentbankern in den europäischen Geldhäusern winken wieder fette Bonuszahlungen. Eine Welle von Übernahmen und Börsengängen rollt, bei den Instituten sprudeln wieder die Gewinne - und davon wollen die gestressten Banker ihren Teil abhaben.

Vor allem die britischen Banken versuchen, mit Amerikanern und Asiaten mitzuhalten, wo die Bonustöpfe traditionell größer ausfallen als in Europa. Die britische Bank Barclays hat das Gesamtbonusvolumen um 46 Prozent auf 1,1 Milliarden Pfund vergrößert, HSBC hat im ersten Halbjahr 900 Millionen Pfund oben draufgelegt. Standard Chartered rechtfertigte eine achtprozentige Kostensteigerung mit einer "Normalisierung der erfolgsabhängigen Bezahlung". Bei der Deutschen Bank sind Gehälter und Boni im Investmentbanking immerhin um sechs Prozent gestiegen. Zur Erinnerung: Das größte deutsche Geldinstitut hat sich einen harten Sparkurs verschrieben. Bis 2022 sollen weltweit 18.000 Stellen gestrichen werden, allein 2021 sollen es in Deutschland rund 2.000 sein.

Im Vergleich zu den US-Häusern sind die Gehälter und Boni der Europäer allerdings vergleichsweise gering: Bei Goldman Sachs sind die Vergütungen gegenüber dem Vorjahr um 3,5 Milliarden Dollar gestiegen, beim Rivalen JPMorgan um zwei Milliarden Dollar. So stark umworben gewesen seien Banker seit mehr als einem Jahrzehnt nicht mehr, sagen Manager und Personal-Verantwortliche. Das sei auf die anziehende Konjunktur, die anrollenden Fusionswelle und auf das heiß laufende Geschäft mit Börsengängen leerer Firmenmäntel (SPAC) zurückzuführen.

Die Banken werben sich gute Leute regelmäßig gegenseitig ab. Wenn sie ihr Personal halten wollen, müssten sie tief in die Tasche greifen, sagt Sophie Scholes, die bei der Headhunting-Agentur „Heidrick & Struggles“ für die Finanzbranche in Großbritannien verantwortlich ist. Scholes: „Die Banken wissen, dass sie in der nächsten Bonus-Runde etwas auf den Tisch legen müssen.“ Boni und Gehaltserhöhungen dürften im zweiten Halbjahr daher noch steigen. Zwei Faktoren fielen dabei ins Gewicht: "Das eine ist der schiere Wettbewerb um Talente, das heißt, man will gute Leute halten." Zum anderen sei den Arbeitgebern klar, dass ihre hoch bezahlten Angestellten viel geleistet und weitere begehrte Aufträge an Land gezogen hätten, findet die Headhunterin.

Auch der Nachwuchs, der sich noch keiner Großtaten rühmen darf, wird in Zukunft besser bezahlt. So erhöhte Goldman Sachs das Gehalt für Junior-Investmentbanker im ersten Jahr auf 110.000 Dollar, HSBC zog nach und bietet neu eingestellten Analysten in den USA nun 100.000 Dollar. Eine der Begründungen: In Zeiten, da Hochschul-Absolventen mehr auf ihre "Work-life-Balance" achten, sind Nachwuchsbanker immer schwerer dazu zu bewegen, 80 Stunden und mehr pro Woche zu arbeiten, um nach oben zu kommen.

Wie gesagt: In Europa sind die Gehälter nicht ganz so üppig, in Großbritannien gilt sogar eine Obergrenze für solche Extras: Maximal das Doppelte des Grundgehalts ist drin. Laut Medienberichten wollen die britischen Banken die Kappungsgrenze in Gesprächen mit der Politik jedoch aushebeln – was bereits Proteste hervorruft. Simon Youel von der Interessengruppe "Positive Money": "Riesige Boni zu zahlen in einer Zeit, in der Unternehmen und Haushalte zu kämpfen haben und die Konjunkturaussichten so unsicher sind, ist nicht nur moralisch fragwürdig, sondern auch wirtschaftlich unverantwortlich." Immerhin verdienten die Banken auch deshalb so gut, weil der Staat die Wirtschaft stütze.

Die Bankmanager versuchen sich zu rechtfertigen. Barclays-Chef Jes Staley verweist darauf, dass die Investmentbanker in schlechteren Zeiten weniger verdienten, damit die Banken ihre Renditen halten konnten. "Wir müssen die Leute doch belohnen", sagte der Vorstandschef einer britischen Bank, der nicht genannt werden will. Und weiter: "Die Leute hatten eine schwierige Zeit." Wer ein Jahr ständig aus dem Homeoffice gearbeitet habe, wolle nun etwas davon haben – das sei doch absolut nachvollziehbar.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Welche Funktionen sind 2026 bei Trading-Plattformen wirklich wichtig?

Trading-Plattformen entwickeln sich rasant weiter. Im Jahr 2026 geht es längst nicht mehr nur darum, Wertpapiere oder andere...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Entwicklung 2026: Jetzt Gold kaufen oder abwarten?
02.08.2026

Die Goldpreis-Entwicklung hat Anleger 2026 auf eine harte Probe gestellt. Nach einem Rekord im Januar fiel der Preis deutlich zurück. Nun...

DWN
Technologie
Technologie Cyber Resilience Act: Dieser Gratis-Test entlarvt die Sicherheitslücken von Unternehmen
02.08.2026

Viele Unternehmen wissen, dass der Cyber Resilience Act kommt. Doch nur wenige dürften ihre digitalen Produkte und internen Abläufe...

DWN
Finanzen
Finanzen Bilder verschenken: Eine Marketingstrategie für Künstler?
02.08.2026

Ein kleines Kunstwerk als Geschenk – eine charmante Geste oder ein strategischer Marketingtrick? Was zunächst nach Großzügigkeit...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Agenten außer Kontrolle: Unternehmen unterschätzen die wahre Rechnung
02.08.2026

KI-Agenten sollen selbstständig arbeiten, Entscheidungen treffen und Unternehmen produktiver machen. Doch während Manager vor allem auf...

DWN
Panorama
Panorama Warum die Welt besser ist, als viele denken: Zehn wenig bekannte Trends
02.08.2026

Kriege, Katastrophen und wirtschaftliche Krisen bestimmen die Nachrichten. Doch während die Schlagzeilen den Eindruck eines globalen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Algerien: Wenn ein Gebrauchtwagen teurer ist als ein Neuwagen
02.08.2026

Algerien will weniger abhängig von Öl und Gas werden und setzt auf eine eigene Autoindustrie. Nach Jahren des Mangels, explodierenden...

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
02.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen Neue Entwürfe für die Euro-Banknoten: Stimmen Sie für Ihren Favoriten ab!
01.08.2026

Die Europäische Zentralbank hat zehn Entwürfe für neue Euro-Banknoten vorgestellt. Bürger können bis zum 21. September über ihr...