Unternehmen

Verlagert VW seine gesamte Diesel-Produktion nach Polen?

Durch den Strategiewechsel zur E-Mobilität kommt die alte Produktion unter Druck. Jetzt soll angeblich die gesamte Herstellung von Dieselmotoren nach Polen verlagert werden.
13.08.2021 12:22
Aktualisiert: 13.08.2021 12:22
Lesezeit: 1 min

VW hat offenbar vor, seine Produktion für Dieselmotoren aus dem Westen nach Polen zu verlagern – und zwar ins westpolnische Werk Polkowice. Dort werden bereits solche Hochleistungs-Motoren produziert. Das berichtet die Tageszeitung „Rzeczpospolita“ und beruft sich auf ein Interview, das die Assistentin der Geschäftsführung des Konzerns in Polen, Joanna Zdulska-Denko, dem polnischen Portal „WP Technologia“ gegeben hat.

„Der Transfer von der Technologie der Verbrennungsmotoren zu den elektrischen Motoren ist unvermeidlich“, sagte sie. „Um die Beschäftigung zu sichern, wird die gesamte Produktion von Diesel-Motoren mit 4 Zylindern von den VW-Werken aus Europa nach Polkowice verlagert“.

Wie die Zeitung berichtet, erfolge die Verlagerung im Zuge der Konzentration des Konzerns auf die E-Mobilität. Damit soll verhindert werden, dass am polnischen Standort Arbeitsplätze abgebaut werden. Durch den Strategiewechsel kämen nämlich verstärkt die Werke unter Druck, die noch die alte Produktion für Verbrennungsmotoren unterhalten.

Die Arbeitnehmer in Polen befürchten, dass sie es sind, die ihre Jobs verlieren könnten, schreibt das Blatt. Die Fabrik in Polkowice beschäftigt rund 1.300 Mitarbeiter, die pro Jahr 700.000 Dieselmotoren herstellen. Das sind rund 2.500 Einheiten je Arbeitstag.

Anna Pomorska, die Sprecherin der polnischen Tochter von VW, sagte auf Anfrage der DWN, dass die polnische Führungsriege noch bis zum 18. August im Urlaub sei. Erst danach werde das Unternehmen die Anfrage beantworten.

Zum Hintergrund: Polen ist einer der wichtigsten Standorte für VW. Die Deutschen sind einer der größten Investoren in dem Land - gleich nach China. Nicht nur das Werk in Polkowice, aber auch verschiedene Handelshäuser geben Tausenden von Polen Arbeitsplätze. Der Produzent verfügt über 20 Tochtergesellschaften und 330 Verkaufsstellen für seine Fahrzeuge. „VW hat in Polen ein zweites Zuhause“, hat einmal die kleine Wirtschaftszeitung „Puls Biznesu“ geschrieben.

„Nach Polen wird teilweise Kapazität verlagert – beispielsweise vom Werk in Salzgitter“, erklärte eine VW-Sprecherin den DWN. Sie bestätigt nicht, dass die gesamte Produktion vom Westen nach Polen transferiert wird.

Die DWN haben auch bei der IG Metall Wolfsburg angefragt. Sowie die Stellungnahme vorliegt, werden wir sie sofort veröffentlichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Europa wird zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt von einem politischen Sturm erschüttert
21.10.2026

Europa müsste gleichzeitig seinen größten Haushalt beschließen, die Ukraine stützen und dem wachsenden Druck aus den USA, Russland und...

DWN
Technologie
Technologie In Lettland wurde ein neues Gerät zum Bitcoin-Mining für zu Hause entwickelt – Bitcube
21.10.2026

Das Technologieunternehmen Power Mining hat Bitcube auf den Markt gebracht, ein in Lettland entwickeltes Gerät zum Bitcoin-Mining für den...

DWN
Immobilien
Immobilien Blaupause oder teures Experiment? Berlins historischer Anlauf zur Vergesellschaftung
21.10.2026

Linke, Grüne und SPD in Berlin haben ihre Sondierungen beendet und wollen Koalitionsverhandlungen aufnehmen. Der entscheidende Knackpunkt...

DWN
Finanzen
Finanzen Die Schuldenbombe unter der Motorhaube der KI tickt immer lauter. Wo könnte es zuerst krachen?
21.10.2026

Investoren zahlen immer höhere Preise für Schutz vor Zahlungsausfällen. Entscheidend wird sein, wer die Verluste trägt, falls die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handelskrieg mit China vermeiden: Merz fordert Fairness statt Eskalation
21.10.2026

Die EU will sich stärker gegen unfaire Handelspraktiken schützen. Bundeskanzler Friedrich Merz betont jedoch, dass es dabei nicht um...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ukraine-Wirtschaft schwächelt: Experten senken Wachstumsprognose deutlich
21.10.2026

Die massiven russischen Angriffe verschlechtern die wirtschaftlichen Aussichten der Ukraine spürbar. Das Wiener Institut für...

DWN
Politik
Politik Tabaksteuer-Panne: Gesetz gilt plötzlich Monate zu früh
21.10.2026

Eigentlich sollten höhere Tabaksteuern erst 2027 greifen. Doch ein Fehler im Bundesfinanzministerium hat dafür gesorgt, dass die Regelung...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Beförderung: Warum Fleiß zur Karrierefalle werden kann
21.10.2026

Mehr leisten, länger bleiben, ständig einspringen: Viele Beschäftigte hoffen, sich damit die nächste Beförderung zu verdienen. Doch...