Wirtschaft

Erdgas-Knappheit: Gaspreise schießen auf Allzeithoch

Die Lage auf dem europäischen Gasmarkt bleibt weiterhin angespannt. Setzt sich der Trend fort, droht eine Gasknappheit im Winter.
18.08.2021 12:54
Aktualisiert: 18.08.2021 12:54
Lesezeit: 2 min
Erdgas-Knappheit: Gaspreise schießen auf Allzeithoch
Ein Arbeiter prüft ein Pipeline-Stück. (Foto: dpa) Foto: Jens Büttner

Abbildung: Entwicklung der niederländischen Gas-Futures seit 2008.

Die Preise für Erdgas haben in Europa am Montag ein neues Allzeithoch markiert, berichtet der Branchendienst Natural Gas Intelligence. Neben strukturellen Gründen wie einer starken Nachfrage in Asien und Russland gilt die Drosselung der Gaslieferungen durch die Jamal Europe-Pipeline als Hauptgrund für die aktuelle Entwicklung. Ein Feuer in einem sibirischen Werk des Betreibers Gazprom Anfang August soll der Grund für die Drosselung gewesen sein.

Obwohl Gazprom den Umfang seiner Lieferungen über größere Pipelines wie Nord Stream 1 konstant hielt, schlägt sich die Redzierung in der Jamal Europe-Pipeline in Europa in einer Angebotsknappheit nieder. Die Speicher auf dem Kontinent sind als Folge eines kalten Winters derzeit ohnehin ungewöhnlich niedrig befüllt.

Am Dienstag zogen die Lieferungen aus Russland wieder an, was sich in einem leichten Preisabfall bemerkbar machte. Trotzdem bleibt die Lage insgesamt weiter angespannt - eine Gasknappheit im anstehenden Winter schließen Beobachter nicht aus. „Marginale Angebotsverbesserungen haben die Gaspreise leicht sinken lassen. Höhere Lieferungen und mehr Flüssiggas-Importe über einen längeren Zeitraum werden aber notwendig sein, um spürbare Korrekturen herbeizuführen“, zitiert Natural Gas Intelligence den Analysten Wolfgang Haider von Schneider Electric. „Die Fundamentaldaten auf dem europäischen Gasmarkt bleiben unter Druck, wobei die anhaltend schwachen Lieferungen aus Russland die größten Sorgen auslösen“, werden Analysten von Engie EnergyScan zitiert.

Schon jetzt spüren die Bürger die Verteuerung von Erdgas. In der Grundversorgung zahlt ein Musterhaushalt mit einem jährlichen Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden nun durchschnittlich 1.515 Euro so viel wie seit 2016 nicht mehr, berichtet Check24.

Bei der stark gestiegenen Inflation im Juli in Deutschland trugen die Gaspreise einen Anstieg von 4,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat bei. Deutlich übertrumpft wurde Erdgas allerdings von den Preisaufschlägen bei Heizöl (plus 53,6 Prozent) und Sprit (plus 24,7 Prozent). Zusätzlichen Schub erhalten die Preise von der Anfang des Jahres eingeführten Sondersteuer auf das Naturgas CO2 in Höhe von 25 Euro je Tonne, welche auch auf Diesel, Benzin und Heizöl berechnet wird. Ohne Berücksichtigung der Energieprodukte hätte die Inflationsrate nach Angaben der Wiesbadener Statistiker im Juli bei 2,9 Prozent gelegen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen 220 Euro pro Kopf: War das der Höhepunkt der Bahn-Investitionen?
15.07.2026

Der Bund investiert so viel wie nie in die Schiene – doch schon in wenigen Jahren droht wieder der Rückwärtsgang. Die Bahnbranche warnt...

DWN
Finanzen
Finanzen Investieren für Kinder: Diese Entscheidungen können teuer werden
15.07.2026

Beim Ansparen für ein Kind hängt das Ergebnis nicht allein von der Rendite der Anlage ab. Es ist ebenso wichtig, auf wessen Namen das...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.07.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Politik
Politik Trump droht Iran mit Angriffen auf zivile Infrastruktur
15.07.2026

Der US-Präsident droht dem Iran erneut mit Angriffen auf Brücken und Kraftwerke. Ob die iranische Führung einlenkt und Verhandlungen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russische Wirtschaft: China legt den Kreml an die technologische Leine
15.07.2026

Russland pumpt Milliarden in seine Rüstungsindustrie, doch die Wirtschaft schrumpft, die Inflation steigt und die Devisenreserven...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Wirtschaft gerät ins Stocken: Experten zweifeln an den Zahlen
15.07.2026

Chinas Wirtschaft wächst weiter, doch hinter den offiziellen Zahlen zeigen sich immer tiefere Risse. Während Exporte und KI die...

DWN
Finanzen
Finanzen ASML-Aktie überrascht mit starken Quartalszahlen
15.07.2026

Die ASML-Aktie setzt ihren Höhenflug fort: Der Chipausrüster hebt nach überraschend starken Quartalszahlen erneut seine Prognose an und...

DWN
Finanzen
Finanzen Aktienrenditen: Warum die Rekordbörsen zur Gefahr werden
15.07.2026

Die Börsen steigen, die Rekorde fallen und künstliche Intelligenz treibt die Kurse weiter nach oben. Doch je höher die Bewertungen...