Politik

Neue Seidenstraße: Warum Afghanistan eine wichtige Rolle für China spielt

Afghanistan gehört zum Herzstück der Neuen Seidenstraße Chinas. Doch es muss beobachtet werden, ob sich die anti-chinesischen oder die pro-chinesischen Fraktionen innerhalb der Taliban-Bewegung durchsetzen.
18.08.2021 12:19
Aktualisiert: 18.08.2021 12:19
Lesezeit: 2 min
Neue Seidenstraße: Warum Afghanistan eine wichtige Rolle für China spielt
Afghanistan soll im Rahmen der Neuen Seidenstraße eine wichtige Rolle spielen. (Grafik: Ansher Global)

Das Portal „Silk Road Briefing“, das von der Investmentfirma Dezan Shira & Associates mit Sitz in Hongkong betrieben wird, berichtet, dass die Taliban durchaus die Fähigkeit aufweisen würden, Afghanistan zu regieren.

Das Portal geht dabei auf die wirtschaftlichen Realitäten des Landes ein:

Die Taliban kontrollieren alle Landübergänge mit ihren Nachbarstaaten und können die anfallenden Zölle auf importierte Waren einziehen. Im Jahr 2020 wurden nach Afghanistan importierte Waren mit einem geschätzten Wert von 6,537 Milliarden US-Dollar verzollt.

Die Gaspipeline Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-India (TAPI) ist bereits in Betrieb. Die Kontrolle über diese Pipeline wird offenbar auch in die Hände der Taliban fallen. Damit würden auch die Transitgebühren aus dem Pipelinebetrieb an die Taliban gehen.

Afghanistan hatte im Juni 2021 ein Gesetz verabschiedet, wonach ab dem 22. Dezember 2021 eine Mehrwertsteuer von zehn Prozent in Kraft treten soll. Unter der Voraussetzung, dass dies auch wirklich geschieht, würde eine mögliche Taliban-Regierung eine weitere Einnahmequelle erschließen.

Dem Portal zufolge könnten sich die Importe und Exporte in Afghanistan erholen, wenn die Taliban auch wirklich regierungsfähig werden. Die regionalen Projekte, die wichtig sind für die Neue Seidenstraße, könnten dann aufrechterhalten werden.

Dazu gehört der Ausbau der Bahnverbindungen von der iranischen Grenze (Teil des INSTC-Netzwerks, das Indien mit dem Iran und über das Kaspische Meer nach Russland verbindet) bis nach Kabul.

„Dann gibt es die Transafghanische Eisenbahn, der Afghanistan, Pakistan und Usbekistan zugestimmt haben. Diese Route führt von der usbekischen Grenze nach Kabul, dann nach Osten zur pakistanischen Grenze bei Peschawar, bevor sie nach Süden zu den pakistanischen Seehäfen Karachi und Gwadar führt. Damit erhalten sowohl Afghanistan als auch Usbekistan erstmals Zugang zum Seehafen Gwadar (…) Wenn die Taliban zusammenhalten und der Frieden und die Sicherheit Afghanistans gewahrt werden können, ist zu erwarten, dass diese Projekte vorangetrieben werden“, so das „Silk Road Briefing“.

Afghanistan soll Teil der chinesischen Neuen Seidenstraße werden. Das Land soll als eine effektive Verlängerung des China-Pakistan-Wirtschaftskorridors (CPEC) dienen. China hat sich bereit erklärt, Milliarden in den Wiederaufbau und die Industrialisierung Afghanistans zu investieren. Die Taliban könnten China einen Zugang zu den Mineralien im Wert von schätzungsweise einer Billion US-Dollar ermöglichen.

Afghanistan verfügt über bedeutende Mineralvorkommen mit riesigen ungenutzten Reserven an Kupfer, Kohle, Eisen, Gas, Kobalt, Quecksilber, Gold, Lithium und Thorium. Lithium ist ein wichtiger Bestandteil der nächsten Generation von Elektrobatterien.

In diesem Zusammenhang berichtet die New York Times: „Beispielsweise heißt es in einem internen Pentagon-Papier, dass Afghanistan das ,Saudi-Arabien des Lithiums‘ werden könnte. Lithium ist ein wichtiger Rohstoff bei der Herstellung von Batterien für Laptops und Blackberrys. Der große Umfang der afghanischen Bodenschätze wurde von einem kleinen Team von Pentagon-Beamten und amerikanischen Geologen entdeckt.“

Der Hinweis des Portals „Silk Road Briefing“, dass die Frage um den Zusammenhalt innerhalb der Taliban-Bewegung noch geklärt werden muss, ist wichtig. Denn diese Feststellung lässt den Schluss zu, dass es innerhalb der Taliban-Bewegung verschiedene Fraktionen gibt.

Es gibt Fraktionen, die das Projekt zur Neuen Seidenstraße unterstützen und die gegen Chinas Neue Seidenstraße sind. Wer sich am Ende durchsetzen wird, bleibt abzuwarten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
28.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...