Wirtschaft

Bittere Wahrheit: 83 Prozent der Firmen kämpfen mit Engpässen und Preisanstiegen

Materialengpässe und höhere Kosten machen inzwischen der großen Mehrheit der deutschen Unternehmen zu schaffen.
19.08.2021 09:21
Aktualisiert: 19.08.2021 09:21
Lesezeit: 2 min
Bittere Wahrheit: 83 Prozent der Firmen kämpfen mit Engpässen und Preisanstiegen
Ein Segelboot ist auf der Elbe bei Blankenese vor einem riesigen Containerschiff der Reederei Hapag-Lloyd zu sehen. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Materialengpässe und höhere Kosten machen inzwischen der großen Mehrheit der deutschen Unternehmen zu schaffen. 83 Prozent klagen über Preisanstiege oder Lieferprobleme bei Rohstoffen, Vorprodukten und Waren, geht aus der am Donnerstag veröffentlichten Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) unter fast 3000 Unternehmen aller Branchen und Größenklassen hervor. „Rohstoffmangel und Lieferkettenprobleme treffen die deutsche Wirtschaft in ihrer ganzen Breite“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Die aktuelle Entwicklung kann den wirtschaftlichen Erholungsprozess nach der Krise merklich erschweren.“ Möglicherweise werde das Vorkrisenniveau beim Bruttoinlandsprodukt daher erst Mitte 2022 erreicht.

Nur knapp jedes fünfte Unternehmen rechnet bis zum Jahreswechsel mit einer Besserung. 53 Prozent erwarten dagegen erst 2022 eine Aufhellung der Lage. Ein Viertel kann nicht einschätzen, wann es zur Normalisierung kommen werde. „Wir sehen hier aktuell sehr große Unsicherheiten“, sagte Treier.

In vielen Industriezweigen sind nahezu alle Betriebe von den Problemen betroffen. Mehr als 90 Prozent der Unternehmen aus der Gummi- und Kunststoffindustrie, Metallindustrie und Chemieindustrie berichten davon. In der Fahrzeugindustrie sind es 92 Prozent, in der Elektrotechnik 85 Prozent, im Baugewerbe 94 Prozent. Aber auch im Einzelhandel (83 Prozent) sowie bei Transport- und Logistikbetrieben (67 Prozent) wird geklagt. Nur vereinzelt berichten Firmen demnach, dass sie zwar Lieferschwierigkeiten hatten, diese aber nicht mehr aktuell seien.

Zu spüren bekommen die Firmen die Engpässe und steigenden Preise insbesondere bei direkten Vorprodukten, Stahl, Aluminium, Kupfer und Holz. Verpackungen sind durch alle Branchen hinweg ebenfalls Mangelware, ebenso Elektronikkomponenten. In der Fahrzeugindustrie fehlen massiv Halbleiter. Der Einzelhandel berichtet etwa von Engpässen bei Textilien.

Als Gründe dafür nennen die Unternehmen vor allem eine gestiegene Nachfrage sowie - angesichts der unterschiedlichen Entwicklung des Pandemiegeschehens in der Welt – zu geringe Produktionskapazitäten (70 Prozent) und Transportprobleme (53 Prozent). Bei Letzteren machen sich unter anderem der aktuelle Containermangel (76 Prozent) sowie fehlende Frachtkapazitäten bei Schiffen (74 Prozent), Straßen und Schienen (27 Prozent) sowie Flugzeugen (24 Prozent) bemerkbar.

So treffe die jüngste Teilschließung des chinesischen Hafens in Ningbo die deutsche Wirtschaft in einer Zeit, in der sie ohnehin schon erhebliche Lieferschwierigkeiten bewältigen müsse, so der der DIHK. Jedes zweite Unternehmen nennt zudem Produktionsausfälle bei Zulieferern als Grund für den Rohstoffmangel. Deutsche Unternehmen berichten vereinzelt davon, dass die Hochwasserkatastrophe zu den Problemen beiträgt.

Als Folge der Lieferengpässe haben derzeit 88 Prozent der Unternehmen mit höheren Einkaufspreisen für ihre Produkte und Dienstleistungen zu kämpfen. „Wenn eine anziehende Nachfrage in vielen Weltregionen auf nicht ausreichende Produktions- und Transportkapazitäten etwa aufgrund von Corona-Beschränkungen trifft, steigen die Preise", sagte Treier. „Das belastet zunehmend die weltweite Konjunktur und die internationalen Geschäfte unserer Unternehmen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeiten bei 35 Grad: Braucht Deutschland ein Hitzearbeitsrecht?
13.09.2026

Der Sommer 2026 brachte Rekordtemperaturen von über 41 Grad und mehr als 12.000 hitzebedingte Todesfälle. Jeder Hitzetag kostet die...

DWN
Technologie
Technologie Cyber Resilience Act: Wie Saugroboter zu Waffen werden
13.09.2026

Saugroboter saugen Staub, Kameras überwachen das Haus – und im schlimmsten Fall greifen beide nebenbei fremde Computersysteme an....

DWN
Panorama
Panorama Höhere Kassenbeiträge: Warum Versicherte jetzt selbst aufpassen müssen
13.09.2026

Ein höherer Krankenkassenbeitrag kann das Nettogehalt spürbar schmälern. Bislang kündigten persönliche Schreiben solche Änderungen...

DWN
Politik
Politik Nord Stream bis Schulen: Was könnte die AfD in Mecklenburg-Vorpommern ändern?
13.09.2026

Nord Stream reaktivieren, Windkraft bremsen, den Rundfunkbeitrag abschaffen: Die AfD plant für Mecklenburg-Vorpommern tiefgreifende...

DWN
Technologie
Technologie Ladesäulen: Baut Deutschland am Bedarf vorbei?
13.09.2026

Deutschlands Elektroautomarkt wächst, doch beim Ausbau der Ladeinfrastruktur rückt eine neue Frage in den Vordergrund: Braucht das Land...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation im Euroraum: Warum Energie und Lebensmittel wieder teurer werden
13.09.2026

Die Inflation ist zurück über der Drei-Prozent-Marke, doch der eigentliche Preisschub könnte erst noch bevorstehen. Teures Gas,...

DWN
Technologie
Technologie KI-Abhängigkeit: So erpressbar ist Deutschland von den USA
12.09.2026

Im Juni sperrte das US-Handelsministerium den Zugang zu KI-Modellen des Anbieters Anthropic für ausländische Nutzer. Der Ausfall...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäische Autoindustrie: China greift Europas Käufer an
12.09.2026

Europäische Autos werden immer sicherer, digitaler und leistungsfähiger. Doch viele Käufer können sich diesen Fortschritt kaum noch...