Deutschland

Bereicherung auf Kosten von Spielsüchtigen: ARD muss den Sponsoring-Deal mit Tipico sofort kündigen

Spielsucht führt nicht selten zu Selbstmord und psychischen Erkrankungen. Doch das hat die ARD nicht davon abgehalten, einen Sponsoring-Deal mit dem umstrittenen Glücksspielanbieter Tipico abzuschließen. Somit werden die Rundfunkbeiträge einkassiert, um die Beitragszahler noch zusätzlich zum Glücksspiel zu motivieren. Die Programmdirektorin der ARD ist die Tochter von Wolfgang Schäuble.
23.08.2021 19:53
Aktualisiert: 23.08.2021 19:53
Lesezeit: 2 min
Bereicherung auf Kosten von Spielsüchtigen: ARD muss den Sponsoring-Deal mit Tipico sofort kündigen
Dortmunder Spieler laufen vor einer TV- Kamera der ARD auf das Spielfeld. (Foto: dpa)

Casinoonline.de“ berichtet: „Die ARD-Sportschau geht mit neuen Sponsoring-Co-Partnern in die kommende Saison. Wie der Werbevermarkter ARD-Werbung Sales & Services (AS&S) am Freitagabend bekanntgab, werden mit Beginn der Hinrunde der Sportwetten-Anbieter Tipico und die Brauerei Krombacher exklusiv in der Sportschau vertreten sein. Mit dem Vertrag weitet der Sportwetten-Anbieter sein Engagement im Profifußball weiter aus. Bisher ist Tipico bereits als offizieller Partner der 1. und 2. Bundesliga sowie des FC Bayern aktiv.“ Über die finanzielle Größe des Deals liegen keine Informationen vor.

Die „FAZ“ berichtet: „Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat erhoben, dass bei mehr als 400 000 Menschen in Deutschland das Spielverhalten in einem eindeutig kritischen Bereich liegt. Die Hälfte gilt als pathologische Spieler. Dort, und auch insgesamt, neigen vor allem Männer Sportwetten zu. Doch auch drei Prozent der Frauen in Deutschland haben schon einmal eine Sportwette abgegeben. Betrachtet man Glücksspiel insgesamt, so ist der Geschlechterunterschied geringer als nur bei Sportwetten.“

Der „SWR“ führt aus: „Die Anbieter von Sportwetten wissen, wie sie Neukunden den Einstieg ins Glücksspiel versüßen. Sie ködern sie mit Geschenken. 100 Euro Bonus bieten fast alle, einige locken mit bis zu 500 Euro. Das Prinzip ist einfach: Wer 100 Euro setzt, erhält 100 Euro obendrauf. Außerdem suggerieren die Sportwetten-Anbieter, dass ,echte Experten‘ mit Wetten sogar Geld verdienen könnten. Doch zahlreiche Studien haben gezeigt, dass es keinen Unterschied macht, ob Laien oder Experten tippen. Es bleibt Glückssache.“

Die „SZ“ berichtete am 4. Juli 2021 über Tipico: „Zu den größten Sportwettenanbietern Europas zählt Tipico, ein Unternehmen, das im vergangenen Jahr zusammen mit weiteren Anbietern wegen der Veranstaltung illegaler Glücksspiele angezeigt wurde.“

Besonders interessant ist, dass in der ARD-Mediathek zuvor eine Doku über das Thema „Wettsucht“ abrufbar gewesen ist. Die „SZ“ berichtete am 4. Juli 2021: „Wer derzeit in der ARD-Mediathek stöbert, stößt auf eine interessante Dokumentation. Sie trägt den Titel ,Gefährliche Sportwetten‘. Darin kommen Menschen zu Wort, die beim Wett-Glücksspiel mit schnellen Gewinnen gerechnet und doch hunderttausende Euro verloren haben. Mit kaum einer anderen Sucht gerate man so schnell in die Abhängigkeit und damit in den Ruin, heißt es in dem Film. Und: Die Selbstmordraten unter Betroffenen seien extrem hoch.“

Doch das Video wurde mittlerweile aus der ARD-Mediathek genommen. Wer auf den Link drückt, stößt auf diese Seite:

Offenbar wollte die ARD mit diesem Schritt ihrem Sponsor Tipico ganz im Sinne der unabhängigen Presse entgegenkommen.

Onlinecasinosdeutschland.com“ wörtlich: „Für schlechte Publicity sorgte im Mai eine Reihe von Selbstanzeigen, die Tipico wegen früherer Beihilfe zum Steuerbetrug tätigte. Wie erstmals das Nachrichtenportal Business Insider berichtete, sollen zwischen 2007 und 2012 einige Provisionszahlungenan Wettvermittler am deutschen Fiskus vorbeigeschleust worden sein. Es geht um eine Summe von 20,4 Millionen Euro, transferiert auf kroatische Konten. Business Insider bezog sich dabei auf einen internen Untersuchungsbericht aus 2016: Hiernach soll Tipico 2013 Kenntnis darüber erlangt haben, dass kroatische Behörden etwaige Anfragen an die maltesische FIAU (Financial Intelligence Analysis Unit) gestellt hatten, welche für Geldwäsche zuständig ist. Die Behörden hatten mehrere Provisionszahlungen von Malta nach Kroatien aufgrund von steuerrechtlichen Unregelmäßigkeiten unter die Lupe genommen.“

Unklar bleibt, warum die ARD-Führungsriege nicht ethnischen Prinzipien folgt, wenn es um den Abschluss von Sponsoring-Verträgen geht. Schließlich muss sie sich dank der Rundfunkbeiträge nicht dem Wettbewerb auf dem freien Markt stellen. Die ARD ist nicht angewiesen auf Gelder aus der Halbwelt.

Die ARD-Programmdirektorin ist Christine Strobl. Sie ist nicht nur die Tochter von Wolfgang Schäuble und CDU-Mitglied, sondern auch die Ehefrau von Thomas Strobl, der als medienwirksamer baden-württembergischer Innenminister und Landesvorsitzender der CDU aktiv ist.

Aus der Webseite der ARD geht hervor, dass sie ein jährliches Grundgehalt von 285.000 Euro bezieht. Die ARD wörtlich: „Als Erste in der Funktion des Programmdirektors bzw. der Programmdirektorin macht Christine Strobl 2021 ihr Jahresgehalt öffentlich: 285.000 Euro (Grundgehalt).“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Zeitfaktor im EU-Prozess: Moldaus Präsidentin Sandu drängt auf zügige Beitrittsverhandlungen
31.07.2026

Im Ringen um den Beitritt zur Europäischen Union fordert Moldau mehr Tempo von den Partnerstaaten. Präsidentin Maia Sandu unterstreicht...

DWN
Politik
Politik FIFA Krise: Infantino gerät wegen Investorenplänen unter Druck - Länder drohen WM mit Boykot
31.07.2026

FIFA-Präsident Gianni Infantino verliert wegen seiner Investorenpläne weiter an Rückhalt. Die UEFA droht mit einem WM-Boykott, Verbände...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Schaeffler-Aktie bricht ein: Schwache E-Auto-Aussichten schocken Anleger
31.07.2026

Die Schaeffler-Aktie gerät nach gekappten Mittelfristzielen massiv unter Druck. Der Auto- und Industriezulieferer rechnet wegen der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisoffensive im Handel: Wie Sie jetzt bei Haushaltswaren und Hörbüchern kräftig sparen können
31.07.2026

Sommerzeit ist Angebotszeit: Während Verbraucher ihre Ausgaben genauer planen, überbieten sich Händler mit attraktiven Preisaktionen....

DWN
Politik
Politik Westen rüstet weiter auf: Nato plant Ausbau der atomaren Abschreckung
31.07.2026

Die Nato bereitet sich auf eine stärkere nukleare Abschreckung in Europa vor. Wegen der Bedrohung durch Russland ist auch die...

DWN
Politik
Politik Einigung im Nahost-Konflikt? Trump verkündet Abkommen zur Entwaffnung der Hamas
31.07.2026

US-Präsident Donald Trump meldet einen Durchbruch im Gaza-Konflikt: Die islamistische Hamas soll bereit sein, ihre Waffen abzugeben,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Auf und davon? Von wegen! Worauf es bei Kündigungsgesprächen ankommt
31.07.2026

Ob eine Kündigung in der Probezeit oder die Entlassung eines langjährigen Mitarbeiters – Kündigungen sind meist schwer, schließlich...

DWN
Politik
Politik „Wenig Verständnis für den Osten“: Kretschmer droht mit Veto bei Rentenreform
31.07.2026

Die Bundesregierung betrachtet ihr geplantes Paket zur Rente und Pflege als unteilbares Gesamtwerk. Doch in den Bundesländern wächst die...