Politik

Wegen Afghanistan: Russland will Zentralasien militärisch aufrüsten

Russland will die zentralasiatischen Staaten, die an Afghanistan angrenzen, mit Waffen und Ausrüstung versorgen. Der Kreml befürchtet offenbar, dass es alsbald zu gefährlichen terroristischen Infiltrationsbewegungen kommen wird.
24.08.2021 09:57
Lesezeit: 1 min
Wegen Afghanistan: Russland will Zentralasien militärisch aufrüsten
Russland muss die zentralasiatischen Nachbarn Afghanistans absichern. (Grafik: DWN/Google Maps)

Die „New York Times“ hatte vor wenigen Tagen getitelt: „Mit dem Zusammenbruch Afghanistans übernimmt Moskau die Führung in Zentralasien.“

Am Wochenende kündigte Putin an, dass Russland seine Grenzen für Afghanen geschlossen hat, die jetzt inmitten des US-Austritts und des anhaltenden Evakuierungsdebakels aus dem Land strömen. Er warnt die Europäer davor, wahllos Menschen aus Afghanistan aufzunehmen. Russland und die zentralasiatischen Turkstaaten sollen jedenfalls keine Flüchtlinge aufnehmen. „Wir wollen nicht, dass militante Kämpfer hier unter dem Deckmantel von Flüchtlingen auftauchen. Wer sind diese Flüchtlinge? Wie können wir das erkennen? Es können Tausende oder sogar Millionen sein“, so Putin.

Russland geht dazu über, „Waffen und Ausrüstung an die zentralasiatischen Verbündeten an der Grenze zu Afghanistan zu liefern“. Zuvor hatte das russische Militär Truppen und Schützenpanzer nach Tadschikistan entsendet. Russlands 201. Militärstützpunkt in Tadschikistan ist mit schätzungsweise 7.000 Soldaten einer der bedeutendsten russischen Stützpunkte im Ausland, berichtet „The Diplomat“. Der ehemalige sowjetische Stützpunkt, der eigentlich aus drei Anlagen bestand, blieb nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und während des tadschikischen Bürgerkriegs unter russischer Kontrolle. Moskaus Militärpräsenz in Tadschikistan, die 2014 auslaufen sollte, wurde 2013 bis 2042 verlängert.

Der Journalist Bryan Macdonald teilt über Twitter mit: „Die Russen sind nicht wirklich schadenfroh darüber, was mit der amerikanischen/NATO-Mission in Afghanistan passiert ist. Moskau wäre es eigentlich lieber gewesen, wenn Washington und seine Verbündeten geblieben wären. Aber jetzt besteht Moskaus Priorität darin, sicherzustellen, dass islamische Radikale nicht in das ehemalige sowjetische Zentralasien eindringen (…) Aus diesem Grund hat Russland gemeinsame Übungen mit Usbekistan und Tadschikistan durchgeführt und ihnen angeboten, ihnen bei der Kontrolle ihrer Grenzen zu Afghanistan zu helfen. Moskau wird vorerst Kontakte zu den Taliban, die Russland anscheinend auch nicht verärgern wollen, aufrechterhalten und sehen, was passiert.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Rauchmelder oder Hitzewarnmelder? Welche Lösung eignet sich für die Küche?

Die Küche gehört zu den Bereichen eines Hauses, in denen im Alltag besonders viele Wärmequellen zusammenkommen. Herd, Backofen, Toaster,...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Vier Buchempfehlungen für die Liege: Was Entscheider diesen Sommer unbedingt lesen sollten
07.08.2026

Das Tablet ist geladen, der Sonnenschirm steht, die E-Mails dürfen warten. Wir haben vier Wirtschaftsbuch-Empfehlungen für Sie, die den...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BYD Sealion 5 im Test: Viel Auto für vergleichsweise wenig Geld
07.08.2026

Der BYD Sealion 5 verbindet viel Platz, hohen Komfort und einen erstaunlich großen Aktionsradius. Als Plug-in-Hybrid schafft er im Test 80...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Start-up CYNiO: CO2 – das Abgas als Wunderwaffe für die Chemiebranche?
07.08.2026

Von Autositzen bis zur Schuhsohle stecken Isocyanate in zahlreichen Industrieprodukten. Die Herstellung der Chemikalie ist hochtoxisch....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rüstungsindustrie wächst rasant, doch der Cashflow wird zum Problem
07.08.2026

Europas Rüstungsindustrie meldet volle Auftragsbücher und starke Nachfrage. Doch der Markt achtet zunehmend auf eine andere Frage: Wie...

DWN
Politik
Politik Europas zweiter Verfassungszusatz: Warum der Wolf zur politischen Waffe wird
07.08.2026

Womit kann man Wahlen gewinnen, wenn Migranten, Wokeness, grüner Alarmismus und Regulierung ausgeschöpft sind? Mit dem Gewehr und mit den...

DWN
Politik
Politik Corona-Pandemie: US-Ausschuss will Immunologe Fauci belangen
07.08.2026

Vergangene Woche verweigerte der frühere Corona-Berater der US-Regierung, Anthony Fauci, in einem US-Ausschuss Antworten auf Fragen zur...

DWN
Panorama
Panorama BMW-Besitzer wüten gegen Spiderman-Filmwerbung im Auto
07.08.2026

BMW steht in der Kritik, nachdem der Konzern begonnen hat, Werbung für den neuen Spider-Man-Film direkt in den Infotainmentsystemen seiner...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Millionenverlust bei Schwälbchen-Molkerei: Milchgeschäft wird zum Problem
07.08.2026

Mehr Milch bedeutet nicht automatisch mehr Gewinn. Die Schwälbchen Molkerei kämpft mit fallenden Preisen, schwacher Nachfrage und...