Technologie

Seltene Erden: EU erwägt Hilfen für die Branche, um Abhängigkeit von China zu mindern

Superstarke Dauermagnete aus Seltenen Erden sind ein wichtiger Bestandteil vieler Elektroautos - und sorgen bei der Europäischen Union für Kopfzerbrechen.
24.08.2021 14:48
Aktualisiert: 24.08.2021 14:48
Lesezeit: 2 min
Seltene Erden: EU erwägt Hilfen für die Branche, um Abhängigkeit von China zu mindern
Eine Mitarbeiterin von Volkswagen Sachsen montiert einen ID.3. (Foto: dpa) Foto: Hendrik Schmidt

Superstarke Dauermagnete aus Seltenen Erden sind ein wichtiger Bestandteil vieler Elektroautos - und sorgen bei der Europäischen Union für Kopfzerbrechen. Denn auch wenn Seltene Erden weltweit viel häufiger vorkommen als es der Name vermuten lässt, so ist ihre Förderung aufwendig und fest in chinesischer Hand. Um die Abhängigkeit von der Volksrepublik zu reduzieren und mögliche Engpässe zu verhindern, arbeitet die EU Insidern zufolge nun an Vorschlägen, wie die heimische Produktion in Gang gebracht werden kann. Vorbild dabei sind die USA, wo kürzlich Steuererleichterungen für heimische Hersteller auf den Weg gebracht wurden.

Neun von zehn Dauermagneten kommen derzeit aus China. Elektroautos mit den Magneten aus Seltenen Erden benötigen weniger Strom beim Fahren und kommen so auf eine größere Reichweite, was sie für die Autobauer attraktiv macht. Die Hersteller aus der Volksrepublik erhielten Subventionen, die rund ein Fünftel der Rohstoffkosten ausmachten, sagen Vertreter europäischer Firmen. Der hiesigen Branche soll nun mit günstigeren Finanzierungsmöglichkeiten und niedrigeren Rohstoffkosten geholfen werden, sagten zwei mit den Plänen vertraute Personen. Ziel ist der Aufbau einer eigenen Branche - Vorbild ist die Batterieallianz, die den Aufbau von Dutzenden Gigafabriken für Elektroautos angestoßen hat.

Ende 2020 gründete die EU die Europäische Rohstoffallianz (Erma), welche die Versorgung mit den Mineralien sicherstellen soll, die für die Energiewende nötig sind. Insidern zufolge will die Erma im kommenden Monat ihren Plan vorlegen, wie die Branche in Europa gestärkt werden kann. Ein erster Vorschlag liege hochrangigen EU-Vertretern bereits vor. Ohne die Mithilfe der Kunden gehe es dabei nicht, erläuterten die eingeweihten Personen: Diese müssten bereit sein, einen kleinen Preisaufschlag zu zahlen. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton habe bereits zugesichert, auf die Autobranche zuzugehen. Der deutsche Branchenverband VDA lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ob seine Mitglieder bereit wären, eine solche Initiative zu unterstützen.

Firmen wie BMW oder Volkswagen bemühen sich unterdessen, Möglichkeiten zu finden, wie sie weniger Seltene Erden verwenden können. Dabei spielt die Furcht vor Versorgungsengpässen eine Rolle, aber auch starke Preisausschläge und Umweltbedenken. „Unternehmen, die Hunderte Millionen in die Entwicklung einer Produktfamilie gesteckt haben ... wollen nicht alles auf eine Karte setzen, die chinesische Karte“, sagte Murray Edington, der bei der britischen Beratungsgesellschaft Drive System Design zuständig für Elektro-Antriebe ist. „Sie wollen Alternativen entwickeln.“

Um das Zehnfache, so wird geschätzt, könnte der Bedarf an Seltenen Erden bis 2050 steigen, wenn die EU und Großbritannien ihre CO2-Emissionen auf null senken wollen. Dennoch sind europäische Firmen zurückhaltend, ihre Geschäfte ohne staatliche Unterstützung auszubauen: „Wenn wir unser eigenes Kapital investieren, muss es sich auch ausreichend verzinsen, und dafür sind gemeinsame Anstrengungen nötig“, sagte Constantine Karayannopoulos, Chef von Neo Performance Materials. Dem Unternehmen gehört die einzige kommerzielle Separationsanlage zur Aufbereitung seltener Erden in Europa. Karayannopoulos sagte, er sei bereit, 100 Millionen Euro in den Bau einer Magnetfabrik in Estland zu stecken.

Der Hanauer Magnetexperte Vacuumschmelze (VAC) wartet mit dem Ausbau seiner Anlagen für Kunden aus der Autobranche noch ab: „Die chinesischen Hersteller von Dauermagneten erhalten die Rohstoffe ein Viertel günstiger als ich“, sagte VAC-Chef Bernd Schleede. „Um Chancengleichheit zu erreichen, sollte entweder die EU diese Lücke füllen oder Strafen für importierte Magnete verhängen. Ich persönlich würde die erste Option vorziehen.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall-Aktie unter Druck: Umsatz steigt stark, Prognose sinkt
05.11.2026

Rheinmetall wächst kräftig und steigert Umsatz sowie operatives Ergebnis deutlich. Trotzdem senkt Deutschlands größter Rüstungskonzern...

DWN
Politik
Politik Pflegereform 2027: Linnemann kündigt Nachbesserungen bei Sparplänen an
05.11.2026

Die Pflegereform nimmt im Bundestag konkrete Formen an. Gesundheitsminister Carsten Linnemann will Milliarden einsparen und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Elektroflugzeug Vaeridion: EU und Investoren geben über 120 Millionen Euro
05.11.2026

Das Münchner Flugzeug-Startup Vaeridion erhält mehr als 120 Millionen Euro für die Entwicklung seines Elektroflugzeugs „Microliner“....

DWN
Finanzen
Finanzen Dax steigt leicht: Rheinmetall-Aktie bricht nach Prognosesenkung ein
05.11.2026

Der Dax legt am Donnerstag leicht zu, bleibt aber unter seinem Rekordhoch. Deutlich schlechter läuft es für die Rheinmetall-Aktie: Nach...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Bosch verschärft Sparkurs: Weitere 750 Stellen fallen weg
05.11.2026

Am Bosch-Standort Abstatt sollen bis Ende 2029 weitere 750 Arbeitsplätze wegfallen. Der Konzern verweist auf die schwache Nachfrage in...

DWN
Politik
Politik Abschied von russischer Spurweite: Ukraine rückt näher an EU
05.11.2026

Die Ukraine will ihr Bahnnetz stärker an die EU anbinden und plant zwei weitere Infrastrukturprojekte an ihren Westgrenzen. Neue Gleise...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Handwerk wird teurer: Steigende Kosten treffen bald auch die Kunden
05.11.2026

Energie, Baustoffe, Löhne – die Kostenbelastung im Handwerk wächst und treibt die Preise nach oben. Warum der Aufschwung in der...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
05.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...