Wirtschaft

Konzern-Sozialismus: China will Umverteilung von oben nach unten gegen „harte Arbeit“

Was die Kommunistische Partei Chinas plant, klingt zunächst gut. Sie fordert eine Umverteilung von oben nach unten. Es müsse aber auch harte Arbeit gefördert werden, meint sie. Es bahnt sich ein Konzern-Sozialismus an, der auch in Europa zum Tragen kommen könnte.
26.08.2021 13:38
Aktualisiert: 26.08.2021 13:38
Lesezeit: 3 min
Konzern-Sozialismus: China will Umverteilung von oben nach unten gegen „harte Arbeit“
Xi Jinping, Präsident von China und Generalsekretär der Kommunistischen Partei, gibt seine Stimme während der Abschlusssitzung des Nationalen Volkskongresses (NPC) in der Großen Halle des Volkes ab. (Foto: dpa) Foto: Sam Mcneil

Chinas Kommunistische Partei verteidigt die geplante Umverteilung von oben nach unten. Im Kampf gegen Ungleichheit und für „gemeinsamen Wohlstand“ gehe es nicht darum, „die Reichen zu töten, um den Armen zu helfen“, sagte Han Wenxiu von der einflussreichen Kommission für Finanz- und Wirtschaftsangelegenheiten am Donnerstag in Peking bei einem Pressetermin. Das Land müsse sich auch davor hüten, „in die Falle des Wohlfahrttums zu tappen“, fügte er hinzu. Vielmehr müssten diejenigen, die zuerst reich geworden seien, denen helfen, die bislang zurückgeblieben seien. Es müsse aber auch harte Arbeit gefördert werden. „Wir können keine Faulenzer unterstützen“, zitiert Reuters Han.

Nach einem Treffen unter Vorsitz von Präsident Xi Jinping hatte die Regierung Anfang des Monats zwar erklärt, sie werde legale Einkommen schützen. „Übermäßig hohe“ Vermögen sollen aber beschnitten werden. Einkommensstarke Gruppen und Unternehmen sollen zudem dazu angehalten werden, mehr zur Gesellschaft beizutragen. Wohltätige Spenden sollten durch die Steuerpolitik aktiv gefördert werden, sagte Han. Dadurch könne eine bessere „Verteilungsstruktur“ erreicht werden. Spenden seien aber „keine Pflicht“, fügte er hinzu. Mehrere Schwergewichte der Technologiebranche haben bereit großzügige Spenden angekündigt. Der Online-Riese Tencent etwa will 50 Milliarden Yuan (6,6 Milliarden Euro) zur Förderung des „gemeinsamen Wohlstands“ bereitstellen.

China ist durch die vor vier Jahrzehnten angestoßenen marktwirtschaftlichen Reformen zum Exportweltmeister und zur zweitgrößten Volkswirtschaft nach den USA aufgestiegen. In dem sozialistischen Land gibt es mittlerweile Hunderte Milliardäre und Tausende Millionäre, was die Ungleichheit vertieft hat. Die hohen Lebenshaltungskosten in den Städten haben zu einem drastischen Geburtenrückgang beigetragen. Der hat die Regierung in diesem Jahr dazu veranlasst, Familien zu erlauben, bis zu drei statt bislang maximal zwei Kinder zu bekommen.

Die neue Politik erfolgt in einer Zeit, in der große Unternehmen wie Chinas riesige Technologiekonzerne immer stärker unter die Lupe genommen und von den Behörden hart angegangen werden. Investoren sind der Meinung, dass in China ein grundlegender Wandel im Gange ist, da die Regierung aggressiv Reformen durchführt. Diese zielten darauf ab, die Lebenshaltungskosten zu senken - zulasten der Unternehmen. An den Aktienmärkten hat das zu deutlichen Kursverlusten geführt. Die in Hongkong notierten Aktien des Amazon-Rivalen Alibaba haben sich seit dem Höchststand im Oktober halbiert. Der Kurs des Internetgiganten Tencent fiel zuletzt auf ein 14-Monats-Tief.

Die jüngsten Maßnahmen zur Korrektur und Regulierung von Internetplattformen zielten auf Unregelmäßigkeiten und illegales Verhalten ab, sagte Han. Sie richteten sich „absolut nicht“ gegen Privatunternehmen oder ausländische Firmen. „Mehr große Unternehmen werden Fonds für soziale Verantwortung einrichten, wenn sie es bisher noch nicht getan haben“, schrieb Ökonomin Iris Pang von der Bank ING in einer Analyse. „Die Unternehmen müssen größere Schritte unternehmen, um ihre Unternehmensführung und soziale Verantwortung zu verbessern. Sie müssen daran arbeiten, den Aufsichtsbehörden einen Schritt voraus zu sein.“

Was hinter Chinas Strategie steckt

Das Weltwirtschaftsforum (WEF) unter der Leitung von Klaus Schwab pflegt seit Jahren enge Beziehungen zur Regierung und zur Kommunistischen Partei Chinas. Schwab hat China in den vergangenen Jahren immer wieder gelobt. Er hat offenbar auch eine enge Beziehung zum chinesischen Präsidenten Xi Jinping aufgebaut. Dabei ist unklar, warum das Weltwirtschaftsforum ausgerechnet zu einem Land, in dem Kapitalismus und Sozialismus (oder Kommunismus) Hand in Hand gehen, eine Vorbildfunktion zuzurechnen versucht.

Swisscham.org berichtet: „Am 16. April 2018 traf sich Präsident Xi Jinping mit dem Vorsitzenden des Weltwirtschaftsforums (WEF), Klaus Schwab, in der Großen Halle des Volkes. Xi Jinping erklärte, die Zusammenarbeit zwischen China und dem WEF habe sich fast mit dem Prozess der Reform und Öffnung Chinas synchronisiert. Beide Seiten sollten mit der Zeit Schritt halten, die Zusammenarbeit verbessern, gemeinsam nach neuen Triebkräften für das Weltwirtschaftswachstum suchen und realistische und praktikable Lösungen für die Bewältigung globaler Herausforderungen finden. Klaus Schwab erklärte, dass die großartige Rede von Präsident Xi Jinping auf der WEF-Jahrestagung im vergangenen Jahr unvergesslich war und von der heutigen Welt allgemein begrüßt wurde. Das WEF setzt sich für die Förderung der wirtschaftlichen Globalisierung und des Multilateralismus ein und lehnt Protektionismus und Unilateralismus ab. Das WEF ist stolz auf die Zusammenarbeit mit China in den letzten vier Jahrzehnten.“

Die chinesische Tageszeitung „China Daily“ wörtlich: „Das Weltwirtschaftsforum war ein wichtiger Unterstützer der Bemühungen Chinas, die globale Wirtschaftsordnung neu zu gestalten, um sie offener und multilateraler zu gestalten und Bedenken hinsichtlich des Widerstands gegen die Globalisierung besser auszuräumen. Klaus Schwab hat als Gründer und Vorstandsvorsitzender Chinas feste Überzeugung anerkannt, dass die wirtschaftliche Globalisierung das Potenzial hat, Menschen auf der ganzen Welt Wohlstand und Wohlstand zu bieten. Das Forum werde weiterhin Nationen wie China stärken, die sich bemühen, den gemeinsamen Traum von Weltfrieden, Glück, Gerechtigkeit, Gleichheit und Liebe zu verwirklichen, die über die Armut triumphieren.“

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