Politik

Intensivstationen waren zu keinem Zeitpunkt überlastet – doch Panikmache beginnt erneut

Einem Sachverständigen zufolge waren die Intensivstationen währen der Corona-Krise zu keinem Zeitpunkt überlastet. Doch kurz vor dem Herbst beginnt das Spiel offenbar von neuem. Die öffentlich-rechtlichen Sender nutzen Panik-Schlagzeilen, die den Eindruck einer Überlastung der Intensivstationen im Herbst erwecken sollen. Genau wie im August 2020.
26.08.2021 16:52
Aktualisiert: 26.08.2021 16:52
Lesezeit: 3 min
Intensivstationen waren zu keinem Zeitpunkt überlastet – doch Panikmache beginnt erneut
Jens Spahn (CDU, r), Bundesminister für Gesundheit, Daniel Günther (CDU, 3.v.r), Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, und weitere Politiker, Mediziner und Jornalisten stehen in einem Intensiv-Patientenzimmer an einer Patienten-Simulationspuppe auf der Intensivstation im UKSH. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Tom Lausen (Lausen Media, Informatiker) hatte am 8. Juli 2021 im Bundestag eine Datenanalyse zur Frage der „Überlastung des Gesundheitssystems“ auf deutschen Intensivstationen vorgenommen.

Lausen wörtlich: „Meine Arbeit hat ergeben, dass dieser Systemwechsel erhebliche Auswirkungen gehabt hat. Eine Überlastung des Gesundheitssystems im Bereich der Intensivstationen lässt sich hieraus gleichwohl zu keinem Zeitpunkt ableiten, nicht einmal auf dem Höhepunkt mit knapp 6.000 gemeldeten COVID-19- Intensivpatienten Anfang Januar 2021. Insbesondere das Vorhalten einer Intensivbettenreserve von anfänglich rund 12.000 Betten belegt, dass die Belastung zu jedem Zeitpunkt der pandemischen Entwicklung unter Kontrolle war, sodass deren Aktivierung nicht erforderlich wurde.“

Seit Beginn der Pandemie wurde beispielsweise vom öffentlich-rechtlichen Rundfunkt der Eindruck erweckt, dass die Intensivstationen überlastet seien.

Diese Feststellung ist interessant. Denn am 11. Februar 2020 berichtete der „NDR“: „Immer mehr Intensivstationen überlastet – Rettungsleitstellen sollen auf den ersten Blick erkennen, welche Kliniken freie Kapazitäten haben und Notfallpatienten so möglichst schnell in die Klinik mit der besten Versorgung bringen. Das ist das Ziel des internen Meldesystems namens Ivena. Nun zeigen Recherchen des Magazins Panorama 3, dass sich immer mehr Intensivstationen über lange Zeiträume komplett aus der Notfallversorgung abmelden und damit angeben, dass sie keine freien Kapazitäten mehr haben.“

Das „ZDF“ berichtete am 3. April 2021: „Prognosen sehen Überlastung der Intensivstationen – Die Zahl der in Krankenhäusern registrierten Corona-Intensivpatienten steigt seit dem 12. März täglich an. Das Divi-Register verzeichnete am Freitag 3.838 Patienten auf Intensivstationen. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle lag die Zahl am 3. Januar bei 5.745 Personen.

Am 8. April 2021 berichtete die „Tagesschau“: „Intensivmediziner warnen vor Überlastung – Die Zahl der Patienten auf den Intensivstationen nimmt rasant zu. Experten haben sich deshalb in einem ,Notruf‘ an die Politik gewendet - mancherorts gebe es kaum noch freie Betten. Einigen Krankenhäusern drohe der Notbetrieb.Die Belastung für die Intensivstationen in Deutschland wächst in der Pandemie wieder stark. Deswegen schlagen Fachleute nun Alarm. ,Liebe Entscheidungsträger, wie hoch sollen die Zahlen denn noch steigen, bevor Ihr reagieren wollt???‘, schrieb der wissenschaftliche Leiter des DIVI-Intensivregisters, Christian Karagiannidis, auf Twitter. Städte wie Bonn, Bremen und Köln hätten kaum noch freie Betten für den nächsten Herzinfarkt, Verkehrsunfall oder Covid-19-Patienten.“

Mittlerweile beginnt das gleiche Spiel von vorn. Das „RND“ meldete am 5. August 2021: „Notfallmediziner warnt vor regional überlasteten Intensivstationen im Herbst.“

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn will die „Daten zur Belegung der Intensivstationen“ als Maß aller Dinge für den Herbst 2021 ansetzen. Wenn die Betonung auf „Intensivstationen“ liegt, lässt sich ein größerer psychischer Druck auf die Ungeimpften ausüben. Allerdings läuft die Politik Gefahr, die Bürger gegeneinander aufzuwiegeln, indem sie Menschen in „gute Geimpfte“ und „böse Ungeimpfte“ unterteilt. Ist das vielleicht das Ziel des Umschwungs von der Inzidenz, die alle Bürger betrifft, zu den „Daten zur Belegung der Intensivstationen“, die offenbar medial hauptsächlich auf die Ungeimpften zugeschnitten sein sollen?

Jedenfalls führte das „ZDF“ am 20. August 2021 aus: „Neue Zahlen zu Intensivstationen – 94 Prozent der Covid-Patienten ungeimpft.“

Die „BILD“ führt zur aktuellen Lage aus: „Schon wieder! Der Bundestag hat die Verlängerung der ,epidemischen Lage‘ beschlossen. Bedeutet: Der Corona-Ausnahmezustand, der eigentlich am 11. September auslaufen sollte, wird noch mal weitere drei Monate verlängert. Der Bund kann damit weiter massiv in Freiheitsrechte eingreifen.“

Mehr zum Thema:

Hammer-Beschluss: „Impfung NICHT verpflichtend“, Europarat verbietet Diskriminierung von Ungeimpften

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Cartier Tank oder Santos – welche ist zeitloser?

Eine pauschale Antwort gibt es nicht: Design-Kenner sehen in der klar reduzierten Tank das zeitlosere Statement, während die vielseitigere...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Planet Labs: Berlin bekommt eine neue Satellitenfabrik
22.09.2026

In der Hauptstadt soll ein neuer Produktionsstandort für Satelliten entstehen. Das Unternehmen hat seinen Hauptsitz in den USA, will aber...

DWN
Politik
Politik Ehemaliger Topberater des Weißen Hauses: Trump gibt Tech-Milliardären beängstigend viel Macht
22.09.2026

Künstliche Intelligenz könnte die Welt ähnlich tiefgreifend verändern wie einst das Manhattan-Projekt. Doch diesmal liegt die...

DWN
Finanzen
Finanzen Heizkosten steigen 2026: So teuer wird das Heizen
22.09.2026

Für viele Haushalte wird das Heizen 2026 teurer – besonders bei Öl und Holzpellets. Eine neue Prognose zeigt, welche Heizarten stärker...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin-Kurs springt über 85.000 Dollar. Was hat die Erholung ausgelöst?
22.09.2026

Der Bitcoin-Kurs ist wieder deutlich gestiegen und kletterte über 85.000 Dollar. Bemerkenswert ist der Rebound, da kurz zuvor zwei...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvenz: So schützen Unternehmer ihr Privatvermögen
22.09.2026

Gerät die Firma ins Wanken, kann es schnell um mehr gehen als das Unternehmen. Plötzlich stehen auch Haus, Depot und Ersparnisse auf dem...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes-Benz-Aktie: Arbeitszeit in der Diskussion – Konzern setzt deutsche Werke unter Druck
22.09.2026

Mercedes hält seine deutschen Werke für zu teuer und fordert mehr Arbeit für das gleiche Geld. Um den Druck zu erhöhen, legt der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Quereinstieg wird zum Karrieremodell: Wo Quereinsteiger gefragt sind
22.09.2026

Ein neuer Job, ein anderer Berufsweg, neue Perspektiven: Für immer mehr Menschen in Deutschland ist der Quereinstieg eine attraktive...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck: Enteignungsdebatte kehrt zurück
22.09.2026

Die Vonovia-Aktie gerät nach der Berlin-Wahl erneut unter Druck und fällt auf den niedrigsten Stand seit Sommer 2023. Der Wahlsieg der...