Politik

Guinea: Französischer Ex-Fremdenlegionär putscht gegen die Energieinteressen der USA

Der Putsch im westafrikanischen Guinea ist ein Schlag gegen die Interessen der USA in der Region, das Land spielt eine wichtige Rolle bei der US-Initiative „Power Africa“. Die Bevölkerung des Landes feiert den Umsturz.
07.09.2021 09:00
Lesezeit: 2 min
Guinea: Französischer Ex-Fremdenlegionär putscht gegen die Energieinteressen der USA
Dieses Videostandbild zeigt Oberst Mamadi Doumbouya (Mitte), Kommandeur der Spezialeinheit der Armee, umgeben von anderen Personen und in eine guineische Flagge gehüllt, bei einer Ansprache an die Nation in der Zentrale des staatlichen Fernsehens in der Hauptstadt Conakry, Guinea, Sonntag, 5. September 2021. (Foto: dpa)

Mamady Doumbouya, der als Befehlshaber einer wichtigen Eliteeinheit in Guinea den legitimen Präsidenten Alpha Condé gestürzt hat, gehört offenbar in das pro-französische Lager im Land. Doumbouya ist französischer Staatsbürger und hatte zuvor in der französischen Fremdenlegion als Kommandeur gedient. Er kehrte der „BBC“ zufolge erst im Jahr 2018 nach Guinea zurück, um im Militärapparat Guineas eine steile Karriere zu vollziehen.

Der gestürzte Präsident von Guinea, Alpha Condé, ist seit 2019 darum bemüht, US-Investitionen anzuziehen, berichtet der französischsprachige Dienst von „Voice of America“. Am 31. August 2021 berichtete das „World Financial Review“: „Jetzt unterstützen Organisationen wie USAID das Land weiterhin und haben zweifellos dazu beigetragen, die Nationale Wahlkommission (CENI) zu stärken. Mit der Initiative ,Power Africa‘ unterstützt die US-Regierung Guinea weiterhin dabei , seinen Zugang zu modernen Energiedienstleistungen zu beschleunigen. Das United States Peace Corps arbeitet weiterhin im ganzen Land in den Bereichen Sekundarbildung, Agroforstwirtschaft und öffentliche Gesundheit.“

Somit könnte der aktuelle Putsch ein Schlag gegen die energie- und sicherheitspolitischen Interessen der USA darstellen. Auf dem afrikanischen Kontinent sind Frankreich und die USA Kontrahenten. Im Internet verfügbare Bilder zeigen, dass bedeutende Teile der Bevölkerung den Coup gutheißen.

Frankreichs Fremdenlegionäre in Afrika

Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass ehemalige französische Fremdenlegionäre häufig als Vertreter französischer Interessen auftreten. Die ehemaligen französischen Fremdenlegionäre spielten in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder eine entscheidende Rolle, als es darum ging, unliebsame afrikanische Regierungen zu stürzen. Einige Beispiele sind an dieser Stelle zu nennen:

Sylvanus Olympio, der erste Präsident der Republik Togo, einem winzigen Land in Westafrika, wollte mit den Franzosen eine Lösung für einen Mittelweg finden. Er wollte nicht, dass sein Land weiterhin unter französischer Herrschaft war, und lehnte es daher ab, den Kolonialpakt Charles De Gaulles zu unterzeichnen. Olympio erklärte sich allerdings bereit, eine jährliche Summe für die „Vorteile“ zu zahlen, die der französische Kolonialismus dem Togo gebracht habe. Der von Frankreich geschätzte Betrag war jedoch so hoch, dass die Rückzahlung der sogenannten „Kolonialverschuldung“ 1963 fast 40 Prozent des Staatshaushalts betrug.

Die finanzielle Situation des neuen unabhängigen Togo war sehr instabil. Um die Situation zu lösen, beschloss Olympio, das französische Kolonialgeld FCFA durch eine eigene Landeswährung zu ersetzen.

Am 13. Januar 1963, drei Tage nachdem er begonnen hatte, seine Landeswährung zu drucken, starb Olympio. Olympio wurde von einem ehemaligen Sergeant der französischen Fremdenlegion namens Etienne Gnassingbe getötet, der angeblich von der örtlichen französischen Botschaft eine Prämie in Höhe von 612 US-Dollar für den Auftragsmord erhalten hatte, berichten Martin Fonkoua und Arnaud Romeo Noume in ihrem Buch „Vers Une Nouvelle Afrique?“

Am 1. Januar 1966 führte zudem Jean-Bédel Bokassa, ein ehemaliger französischer Fremdenlegionär, einen Putsch gegen David Dacko, den ersten Präsidenten der Zentralafrikanischen Republik durch.

Am 3. Januar 1966 wurde Maurice Yaméogo, der erste Präsident der Republik Obervolta, jetzt Burkina Faso genannt, Opfer eines Putsches, den Aboubacar Sangoulé Lamizana, ein ehemaliger französischer Legionär, der mit französischen Truppen in Indonesien und Algerien gegen die Unabhängigkeit dieser Länder kämpfe, durchführte.

Am 26. Oktober 1972 führte Mathieu Kérékou, ein Sicherheitsbeamter von Präsident Hubert Maga, dem ersten Präsidenten der Republik Benin, einen Putsch gegen den Präsidenten durch.

Von 1964 bis 2014 Jahren fanden insgesamt 67 Staatsstreiche in 26 Ländern Afrikas statt, von denen 16 französische Ex-Kolonien waren.

Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Während der Markt panikartig verkauft, setzt das "kluge Geld" fieberhaft Bitcoin-Druckmaschinen ein?

Der Markt hat kürzlich eine scharfe Korrektur durchlaufen, wobei sich Panik wie eine Seuche ausbreitete, als Verkäufer ihre...

DWN
Politik
Politik WhatsApp-Sperre: Russland zieht die digitale Grenze enger
12.02.2026

Die WhatsApp-Sperre in Russland sorgt für Unruhe bei Millionen Nutzern und verschärft den digitalen Druck des Kreml auf freie...

DWN
Finanzen
Finanzen Netflix-Aktienkurs rutscht unter 80 US-Dollar – was das für Anleger bedeutet
12.02.2026

Die Netflix-Aktie gerät massiv unter Druck und fällt auf ein neues 52-Wochen-Tief. Insider-Verkäufe und ein milliardenschwerer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Hensoldt-Helsing-Kooperation: KI-Rüstungsallianz stärkt Europas Abschreckung
12.02.2026

Zwei deutsche Rüstungsunternehmen bündeln ihre Kräfte, um Europas Verteidigungsfähigkeit technologisch neu auszurichten. Im Zentrum...

DWN
Politik
Politik EU-Gipfel: Merz und Macron suchen gemeinsamen Kurs für Europas Industrie
12.02.2026

Europa steht wirtschaftlich unter massivem Druck: Bürokratie, hohe Energiepreise und internationale Konkurrenz fordern schnelle Antworten....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dollar-Abwertung: Historische Maßstäbe für den aktuellen Wertverlust beim Dollarkurs
12.02.2026

Der Dollarkurs verliert an Wert und steht damit erneut im Fokus der globalen Wirtschafts- und Finanzmärkte. Wie weit reicht die aktuelle...

DWN
Finanzen
Finanzen Hellofresh-Aktie unter Verkaufsdruck: Nach Zahlenvorlage droht das Rekordtief
12.02.2026

Die Hellofresh-Aktie ist am Donnerstag eingebrochen, ein schwieriger Jahresstart des Kochboxenversenders belasten den Kurs. Trotz...

DWN
Politik
Politik Nato-Treffen: USA senden versöhnliche Signale – Debatte über gemeinsame EU-Schulden zur Verteidigung
12.02.2026

Beim Nato-Treffen in Brüssel zeigen sich die USA plötzlich versöhnlich, Europa erhöht massiv seine Verteidigungsausgaben und die...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes Benz-Aktie stürzt ab: Wie Anleger auf den Mercedes-Gewinneinbruch reagieren sollten
12.02.2026

Die Mercedes Benz-Aktie steht nach einem deutlichen Gewinneinbruch und sinkender Dividende am Donnerstag stark unter Druck. Schwache...