Deutschland

EZB-Politik macht die Reichen reicher und die Armen ärmer

Die EZB-Geldpolitik, von der die Vermögenden zuletzt massiv profitiert haben, erschwert den Vermögensaufbau der ärmeren Bürger, so eine Studie des IW.
07.09.2021 08:48
Lesezeit: 1 min

Die jahrelange EZB-Politik der offenen Geldschleusen und Minizinsen hat einer Studie zufolge den Vermögensaufbau von Menschen mit geringerem Einkommen in Deutschland erschwert. Denn in dieser Gruppe spielten Bankguthaben und Lebensversicherungen, die wegen der Tiefzinsen kaum Rendite bringen, eine größere Rolle als bei reicheren Haushalten, wie eine Studie der Stiftung Familienunternehmen und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) ergab, die der Nachrichtenagentur Reuters am Montag vorlag.

"Ein erschwerter Vermögensaufbau belastet vor allem die jüngeren Haushalte, sofern die Niedrigzinsphase noch länger anhalten wird", konstatieren die Autoren.

Die Studie untersuchte, welche Folgen die ultralockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) über verschiedene Wirkmechanismen auf die Vermögensverteilung in Deutschland hatte. Dabei wurden sowohl Argumente von Befürwortern als auch von Kritikern der expansiven Geldpolitik unter die Lupe genommen. Eine deutliche Verschiebung der Vermögensverteilung konnte die Studie zwar nicht ausmachen. "Unsere Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass einige Haushalte von der expansiven Geldpolitik profitieren konnten und andere nicht", führen die Autoren aus.

Vor allem Haushalte, die in der Vorkrisenzeit Immobilien gekauft und finanziert haben, zählten zu den Gewinnern. Denn sie hätten im Zuge sinkender Zinsen ihre Kreditkosten verringern können und zugleich von steigenden Immobilienpreisen profitiert. Weniger von den niedrigen Zinsen und dem Immobilien-Boom könnten aktuell diejenigen Haushalte profitieren, die Wohneigentum in den Folgejahren zu bereits hohen Preisen erworben haben und dafür auch noch einen großen Kredit schultern mussten.

Positiv werten die Autoren, dass eine expansive Geldpolitik während eines Abschwungs den Arbeitsmarkt stabilisiere. "Dies ist vor allem für jene Länder des Euro-Raums relevant, deren Arbeitslosigkeit während der globalen Finanzkrise und der Banken- und Staatsschuldenkrise stark angestiegen ist", heißt es in der Studie. In Deutschland habe sich die Arbeitslosenquote in den Krisenzeiten allerdings wegen der Kurzarbeitergeld-Programme nicht so kräftig erhöht. Daher sei dieser Effekt der Geldpolitik hierzulande auch nicht so ausgeprägt gewesen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

DWN
Panorama
Panorama Immer mehr Deutsche ziehen nach Polen: Das steckt hinter dem Trend
07.11.2026

Deutsche kommen längst nicht mehr nur nach Polen, um ihr Auto zu betanken oder deutlich günstiger im Supermarkt einzukaufen. Sie kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen Poker um EZB-Spitze: Wer folgt auf Christine Lagarde?
07.11.2026

Die Eurostaaten suchen nach einem neuen Präsidenten für die Europäische Zentralbank. Schon in wenigen Tagen könnte über die Nachfolge...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KfW-ifo-Mittelstandsbarometer: Mittelstand hofft auf Aufschwung – doch beim Personal bleibt die Bremse angezogen
07.11.2026

Deutschlands Mittelstand gewinnt wieder Zuversicht: Das Geschäftsklima hat sich im Oktober zum sechsten Mal hintereinander verbessert....

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
07.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Schweden bestätigt Taurus-Lieferung: Marschflugkörper erreicht mehr als 500 Kilometer
07.11.2026

Schweden hat erstmals bestätigt, bereits Taurus-Marschflugkörper erhalten zu haben. Die Waffe kann Ziele in mehr als 500 Kilometern...

DWN
Finanzen
Finanzen 26 Prozent an einem Tag: Warum Duolingo plötzlich an meinen Chipaktien vorbeizieht
07.11.2026

Für meine Chipaktien war es ein schlechter Börsentag: Nvidia, Micron und Iren gerieten deutlich unter Druck. Ganz anders Duolingo. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Polestar 5 im Test: Angriff auf Porsche und Audi – mehr Luxus für weniger Geld?
07.11.2026

Mit dem Polestar 5 wollen die Schweden Porsche und Audi im Luxussegment angreifen. Bis zu 884 PS, 678 Kilometer Reichweite und elektrisch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wertvollste Marken 2026: Apple ist auf Platz eins, Tesla hat am meisten verloren
07.11.2026

Welche Unternehmen führen das Ranking der wertvollsten Marken 2026 an, welche gewinnen besonders stark und welche verlieren an Bedeutung?...