Technologie

Studie: Der Digitale Euro wird an seiner Einfachheit scheitern

Die Landesbank Baden-Württemberg rechnet damit, dass der von der EZB vorangetriebene Digitale Euro nur über begrenzte Funktionen verfügen wird.
17.09.2021 13:10
Lesezeit: 2 min
Studie: Der Digitale Euro wird an seiner Einfachheit scheitern
EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Gespräch mit Bundesbank-Chef Jens Weidmann. (Foto: dpa) Foto: Jan Woitas

Die Europäische Zentralbank gibt in diesen Tagen den Startschuss für eine digitale Erweiterung ihrer Gemeinschaftswährung. „Für den Verbraucher wird der digitale Euro im Alltag anfänglich nichts ändern“, urteilt LBBW-Analyst Guido Zimmermann in seiner Studie Kein Blockchain-Geld für den Euroraum. „Aber bereits in wenigen Jahren wird die Zahl digitaler Währungen steigen und mit ihren neu eingeführten Fähigkeiten unser Bild von Zahlungsmitteln und das Leben der Bürger stärker verändern.“

Die Entwicklung und Einführung des Euro war für die verantwortlichen Notenbanker vor zwanzig Jahren sehr kompliziert, erinnert sich der Analyst. So mussten beispielsweise Wechselkurse festgelegt und die neuen Scheine und Münzen für alle Bürger und Unternehmen zu einem Stichtag ausreichend verfügbar sein. „Aber es wird noch mal genauso schwierig, die digitale Verlängerung des Euro zu erschaffen“, urteilt der Analyst. Die EZB reagiert mit dem Digi-Euro auf die seit Jahren sinkende Bargeldnutzung zugunsten von elektronischen Zahlungssystemen. Dazu müsse sie zur Unterstützung des digitaler werdenden Wirtschaftslebens nun eine Digital-Währung entwickeln, die für Kriminelle und Terroristen möglichst unangreifbar ist und zugleich auch bei einer Vielzahl von Zahlungsvorgängen nicht die Computersysteme überlaste.

Zugleich solle eine attraktive Digitalwährung entstehen, die die Gemeinschaftswährung und damit den europäischen Währungsraum im Vergleich zur chinesischen Digitalwährung e-Yuan oder der von Facebook geplanten Digitalwährung Diem konkurrenzfähig macht. Der Digi-Euro werde dazu von der Notenbank wohl eine unkomplizierte Form bekommen, vermutet Zimmermann. Die Verbraucher erhalten neben dem Girokonto (ihrem Lohn- und

Gehaltskonto) ein weiteres Konto, das sie ganz normal im elektronischen Zahlungsverkehr einsetzen können. Dieses werde wohl ebenfalls von der Bank oder Sparkasse des Bürgers geführt, stehe jedoch für einen Anspruch gegen die EZB. Fachleute sprechen deshalb von Zentralbankgeld statt Giralgeld.

Der Digitale Euro könnte an seiner Einfachheit scheitern

Heutzutage ist es längst normal, dass wir von unserem Girokonto Überweisungen in Euro oder sogar Fremdwährungen tätigen, und an der Supermarktkasse mit einer Kredit- oder Debitkarte zahlen – oder sogar mit einem Handy oder einer Smartwatch. Für all diese Dinge muss niemand auf den digitalen Euro warten. „Die Geschichte wird zeigen, ob die Entwicklung des digitalen Euro wirklich eine gute Idee ist oder lediglich eine Notwendigkeit

zur Sicherung der monetären Souveränität des Euroraums“, sagt Zimmermann deshalb.

Auf besondere Fähigkeiten, die dem digitalen Euro einen echten Vorsprung gegenüber dem Online-Banking über das Giralgeld geben könnte, wird die EZB aber wohl verzichten bemängelt er. So laufen alle Überweisungen über ein klassisches Zahlungsverkehrssystem, statt auf Basis der Blockchain oder einer anderen Distributed-Ledger-Technologie (DLT).

Das neue Geld werde daher auch nicht programmierbar sein, also von der EZB oder dem kontoführenden Institut mit Einsatz-Beschränkungen (jugendfreie Käufe ohne Altersnachweis) oder einem Verfallsdatum versehen werden können. Auch werde es keine vollständige Anonymität geben, da sich der Kontoinhaber bei seiner Bank zuvor identifizieren musste.

Allenfalls sei vorstellbar, dass in einigen Jahren der Digitale Euro für den Handel zwischen Kreditinstituten und den Zahlungsverkehr von Unternehmen auf der Basis der Blockchain oder einer anderen Distributed-Ledger-Technologie (DLT) laufen wird, vermutet der Digitalexperte des LBBW Research in seiner Studie. Er rechne deshalb fest damit, dass das Finanzgewerbe und große Technologiekonzerne in den kommenden Jahren ebenfalls Digital-Zahlungsmittel einführen werden. Diese werden über spezielle Funktionen verfügen und sie beispielsweise für die Abrechnung von Kleinstbeträgen, als Kapitalanlage oder den

bedingten Zahlungsverkehr („Smart Contracts“) besonders attraktiv machen.

Das Bargeld wird nicht abgeschafft mit dem Digitalen Euro

Mit dem digitalen Euro werde die EZB das Bargeld nicht abschaffen, sagt Zimmermann voraus. Dies sei zum einen nicht geplant, weil Bargeld als Notfalllösung unverzichtbar sei. Zum anderen rechnet er damit, dass das Konto des digitalen Euro eine Obergrenze von schätzungsweise 3000 Euro bekomme: „Ein Auto oder eine Weltreise wird man mit dem Digi-Euro also wohl nicht bezahlen können.“

Die komplette Studie finden Sie hier.

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