Politik

Anklage im VW-Diesel-Prozess: Winterkorn wusste von Manipulationen

Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn hat nach Überzeugung der Ankläger im Diesel-Betrugsprozess schon längere Zeit vor dem Einräumen der Abgas-Manipulationen im Herbst 2015 von der Täuschungsstrategie gewusst.
16.09.2021 14:08
Aktualisiert: 16.09.2021 14:08
Lesezeit: 1 min
Anklage im VW-Diesel-Prozess: Winterkorn wusste von Manipulationen
Basketball: Bundesliga, Bayern München - Brose Baskets Bamberg, Hauptrunde, 32. Spieltag am 24.04.2016 im Audi Dome, München (Bayern). Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Volkswagen (VW), Martin Winterkorn, und der ehemalige Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß, sehen sich das Spiel an. (Foto: dpa) Foto: Lukas Barth

Der frühere VW-Konzernchef Martin Winterkorn hat nach Überzeugung der Ankläger im Diesel-Betrugsprozess schon längere Zeit vor dem Einräumen der Abgas-Manipulationen im Herbst 2015 von der Täuschungsstrategie gewusst. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig untermauerte ihre Vorwürfe zur Eröffnung des Strafverfahrens gegen ehemalige Führungskräfte des Unternehmens am Donnerstag entsprechend.

Winterkorn habe etwa über die Notiz eines Vertrauten in seiner „Wochenendpost“ erfahren, dass Dieselautos in den USA bei Tests von Wissenschaftlern im Jahr 2014 die zulässigen Stickoxid-Grenzwerte um bis zu das 15- bis 35-fache überschritten. Der Manager soll dies den Ermittlungsergebnissen zufolge zur Kenntnis genommen haben - die weitere Verwendung der Betrugssoftware habe er aber nicht stoppen lassen. „Er entschied sich gegen eine Offenlegung und hoffte, die Rechtsverstöße weiter verschweigen zu können“, hieß es in der Verlesung der Anklage.

Spätestens bei einem „Schadenstisch“ Ende Juli 2015 sei das «defeat device», das die volle Abgasregelung nur in Testsituationen aktivierte, dann offen thematisiert worden. Winterkorn habe seinen Vertrauten zur Vorbereitung angerufen. Der hohe Mitarbeiter habe ihm gegenüber dabei erklärt: „Wir haben beschissen.“ Während der Sitzung sei schließlich unter anderem der Umfang drohender Strafzahlungen für rund 500 000 manipulierte Dieselfahrzeuge in den Vereinigten Staaten diskutiert worden. Doch der befürchtete Wutausbruch von Winterkorn, den leitende Ingenieure erwartet hätten, sei ausgeblieben.

Alle Anwesenden seien sich einig gewesen, auch noch zu diesem Zeitpunkt - gut zwei Monate vor dem Auffliegen der Affäre - die Abschaltfunktion der Emissionsreinigung im Straßenbetrieb weiterhin gegenüber der kalifornischen Umweltbehörde CARB zu verschweigen, so die Ankläger. Ein in Braunschweig ebenfalls angeklagter hoher Entwickler habe daraufhin bemerkt: „Shit, voll schiefgelaufen.“

In der Hauptverhandlung stehen zunächst vier frühere Manager und Ingenieure des Volkswagen-Konzerns vor Gericht. Ihnen wird unter anderem gewerbs- und bandenmäßiger Betrug mit manipulierter Software in Millionen Autos vorgeworfen (6 KLs 23/19). Der Verfahrensteil gegen Winterkorn wurde abgetrennt, er soll erst später starten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rheinmetall erobert den Weltraum und startet Satellitenproduktion für die Bundeswehr
06.10.2026

Rheinmetall baut nicht mehr nur Panzer, Munition und Gefechtstürme. Mit eigenen Radarsatelliten will der Rüstungskonzern die Bundeswehr...

DWN
Politik
Politik BSW will AfD-Mann zum Landtagspräsidenten machen
06.10.2026

Die AfD hat die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit fast 44 Prozent der Stimmen gewonnen und will nun auch den Parlamentspräsidenten...

DWN
Politik
Politik Milliardenschwerer Öl-Deal mischt sich in Gespräche zwischen USA und Russland
06.10.2026

Der russische Präsident Wladimir Putin hat bei Gesprächen mit den USA einen milliardenschweren Öl-Deal angesprochen, der Verbindungen zu...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinesische Lkw-Offensive sorgt für Unruhe: „Fast zu gut“
06.10.2026

Die Elektrifizierung ist in vollem Gang, und die chinesischen Hersteller haben Lastwagen bereit, die in Europa auf die Straße kommen...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Tech-Rally beflügelt Wall Street; Anleiherenditen steigen
05.10.2026

Welche Kräfte die US-Märkte zum Wochenstart bewegten und warum Anleger jetzt genau hinsehen sollten.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Elektroautos sollen Strom verkaufen: Neuer Markt für Fahrer und Energieversorger
05.10.2026

In Deutschland wird die gesetzliche Grundlage für eine breite Einführung des V2G-Systems vorbereitet. Elektroautos sollen künftig nicht...

DWN
Finanzen
Finanzen KI-Portfolio übernimmt das Depot: Kann Claude den S&P 500 schlagen?
05.10.2026

Ein Redakteur überlässt 1.000 Euro echtem Geld einer künstlichen Intelligenz. Claude darf Aktien kaufen und verkaufen, Risiken eingehen...

DWN
Politik
Politik Das Land, das blutiges Gold über die Welt verteilt
05.10.2026

Die Vereinigten Arabischen Emirate sind ein Drehkreuz für einen bedeutenden Teil des weltweiten Goldhandels. Das hat Dubai den Spitznamen...