Finanzen

China-Sorgen und Fed-Skepsis: Dax stürzt auf tiefsten Stand seit Juli

Lesezeit: 2 min
20.09.2021 12:51  Aktualisiert: 20.09.2021 12:51
Der Dax setzt am Montag seine Talfahrt fort. Am frühen Nachmittag lag das Börsenbarometer mehr als 2 Prozent im Minus.
China-Sorgen und Fed-Skepsis: Dax stürzt auf tiefsten Stand seit Juli
Im Dax gibt es seit Montag zehn neue Gesichter. (Foto: dpa)
Foto: Arne Dedert

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

China-Risiken bei gleichzeitiger Kaufzurückhaltung vor geldpolitischen Signalen der US-Notenbank haben am Montag für den europäischen Aktienmarkt eine toxische Mischung ergeben. Besonders Rohstoffwerte standen weiter unter massivem Verkaufsdruck - der Branchenindex Stoxx Europe 600 Basic Resources rutschte um über fünf Prozent auf das Niveau von Anfang Februar ab. Aber auch Bankenwerte gerieten kräftig ins Trudeln.

Die zugespitzte Krise des chinesischen Immobilienkonzerns Evergrande hatte an der Hongkonger Börse bereits zu schweren Verlusten geführt. Zuletzt hatten mehrere Ratingagenturen die Kreditwürdigkeit von Evergrande weiter heruntergestuft und vor Zahlungsausfällen gewarnt. Marktexperten sahen bei den Anlegern in Europa nun große Sorgen, dass die Krise des China-Konzerns weitere Kreise zieht.

Mit diesen Befürchtungen und dem starken US-Dollar erklärte der Commerzbank-Rohstoffexperte Daniel Briesemann den Rutsch der Metallpreise zu Wochenbeginn. "Der Bausektor ist einer der größten Nachfrager nach Industriemetallen wie Kupfer und Aluminium sowie nach Stahl", so Briesemann. Der Dollar wiederum profitiere von der Erwartung der Anleger, dass die US-Notenbank in dieser Woche Signale für eine Rückführung der Anleihekäufe (Tapering) senden und sie im November dann beschließen wird.

Neben dem Risiko einer restriktiveren Haltung der Notenbanken habe die größere Verwundbarkeit der Konjunktur in China die Lage insgesamt verkompliziert, hieß es bei der Baader Bank. Auch mit Blick auf die Verluste der Finanzwerte wurde eine direkte Linie in die Volksrepublik gezogen: "Die Angst vor einer nächsten Immobilienkrise ist zurzeit groß", so Christian Henke vom Broker IG. Neil Wilson von Markets.com versuchte allerdings zu beruhigen: Er sehe derzeit keine Lehman-Wiederholung. Die Insolvenz der US-Investmentbank im Jahr 2008 hatte sich zu einer globalen Finanzkrise ausgeweitet.

Wilson zufolge hielten sich die Anleger derzeit aber zurück und nutzten den Rückschlag am Markt erst einmal nicht zum Wiedereinstieg - wie zuletzt regelmäßig gesehen. Dafür verantwortlich seien die bevorstehenden geldpolitischen Signale der US-Notenbank.

Deka: Regierungswechsel könnte Dax antreiben

Dem seit Ende August schwächelnden Dax winken nach der Bundestagswahl wieder bessere Zeiten. Zu diesem Ergebnis kommt die Deka, Wertpapierhaus der Sparkassen-Finanzgruppe, nach Auswertung historischer Kursverläufe vor und nach den Wahlen auf Bundesebene seit 1961.

So habe der deutsche Aktienmarkt in den einhundert Tagen vor den sechzehn Wahlterminen verglichen mit dem marktbreiten US-Index S&P 500 jeweils zur Schwäche geneigt, hieß es in einer am Montag veröffentlichten Studie. In den einhundert Tagen nach der Abstimmung habe er sich dann - bei höheren Schwankungen - zumindest stabilisiert oder aber positiv entwickelt. Besonders günstig sei die Entwicklung im Falle eines Regierungswechsels gewesen, so die Deka-Experten. Direkt ausnutzen lasse sich die beobachtete Systematik allerdings aufgrund ihrer geringen Ausprägung kaum, schränkten sie ein.

Ähnlich schwierig sei die Festlegung auf eine Anlagestrategie auf Basis der Ergebnisse vom Wahlabend. So habe keine bestimmte Partei in der Vergangenheit einen systematisch günstigeren Einfluss auf die Aktienmarktentwicklung gehabt als die Konkurrenz. Selbst politische Grundsatzentscheidungen und ihre Auswirkungen auf den Aktienmarkt seien nur schwerlich klar einer Regierung zuzuordnen gewesen, hieß es. Als Beispiel nennen die Deka-Fachleute die massiven Sozialreformen der "Agenda 2010" unter SPD-Führung, die letztlich unter einer unionsgeführten Nachfolgeregierung dem Aktienmarkt geholfen habe.


Mehr zum Thema:  

DWN
Deutschland
Deutschland Habeck verspricht Wärmepumpen-Umstieg zum Preis einer Gasheizung

Wirtschaftsminister Habeck steht für seine Pläne, neue Öl- und Gasheizungen ab 2024 zu verbieten, in der Kritik. Nun verspricht Habeck...

DWN
Politik
Politik Russland spielt für China die Rolle des Juniorpartners

Der Ukraine-Konflikt hat Russland und China näher zusammengeführt. Die guten Beziehungen sind für China vorteilhaft, für Russland...

DWN
Finanzen
Finanzen Ratingagentur: Topbonität der Schweiz bei schwerer Finanzkrise in Gefahr

Die Rating-Agentur Scope warnt, dass die Schweiz ihre Top-Bonität bei einer schweren Finanzkrise verlieren könnte. Der Zusammenschluss...

DWN
Politik
Politik Verbrennerverbot: EU-Kommission will nun doch E-Fuel-Autos erlauben

Die EU-Kommission unterbreitet Deutschland beim Verbrennerverbot einen Kompromissvorschlag. Demnach sollen Autos, die nur mit E-Fuels...

DWN
Finanzen
Finanzen Bankenkrise: Allianz-Tochter Pimco schreibt mit CS-Bonds Millionenverluste

Die Bankenkrise zieht nun auch den größten Vermögensverwalter in Mitleidenschaft. Die Allianz-Tochter Pimco muss durch...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK Raffinerie: Wie Polen Schwedt die kalte Schulter zeigt

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat gerade ein sehr wichtiges Urteil in der Frage der Treuhandverwaltung der PCK Raffinierie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Gastgewerbe startet mit Umsatzplus, bleibt aber noch hinter 2019-Niveau zurück

Hotels, Bars und Restaurants konnten zum Jahresbeginn ein Umsatzplus verbuchen. Bereinigt durch saisonale Effekte bleibt der Umsatz des...