Politik

An der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo wird wieder gezündelt

An den serbisch-kosovarischen Grenzübergängen Jarinje und Bernjak haben Serben die Straßen blockiert. Der Grund: Bei der Einreise in den Kosovo müssen serbische Autos neuerdings ihre serbischen Kfz-Kennzeichen in kosovarische Kfz-Kennzeichen für den Zeitraum des Aufenthalts umtauschen. Dasselbe müssen Personen mit kosovarischen Kfz-Kennzeichen seit 20 Jahren machen, wenn sie nach Serbien einreisen.
22.09.2021 12:00
Lesezeit: 1 min
An der Grenze zwischen Serbien und dem Kosovo wird wieder gezündelt
Die Grenzübergänge Jarinje und Bernjak im serbisch dominierten Nordkosovo. (Grafik: DWN/Google Maps)

Die Grenzübergänge Jarinje und Bernjak im serbisch dominierten Nordkosovo blieben am Dienstagmorgen gesperrt, nachdem lokale Serben aus Protest gegen geänderte Grenzbestimmungen für Fahrzeuge mit serbischen Kennzeichen die Straßen mit Dutzenden von Lastwagen blockiert hatten, so „N1“.

Das Kosovo hat am 20. September 2021 bewaffnete Spezialeinheiten der Polizei eingesetzt, nachdem die Regierung von Pristina neue Vorschriften erlassen hatte, die besagen, dass Personen, die in den Kosovo einreisen, bei der Einreise in das Land serbische Kfz-Kennzeichen gegen vorübergehende Kosovo-Kennzeichen austauschen müssen – wie es Fahrer mit Kosovo-Kennzeichen bei der Einreise nach Serbien seit 20 Jahren tun müssen.

Kosovarische Quellen berichteten, dass der Warentransport an den Grenzübergängen Jarinje und Bernjak gestoppt wurde, während Busse ihre Passagiere nur zu der Blockade bringen können, die etwa 800 Meter von der Grenze entfernt liegt.

Kosovo-Beamte bestanden unterdessen darauf, dass die von ihnen als „Gegenseitigkeitsmaßnahmen“ bezeichneten Maßnahmen nur die Gleichbehandlung der Bürger beider Länder gewährleisten. „Die Entscheidung sichert Gleichbehandlung und Freizügigkeit der Bürger beider Länder“, schrieb Kosovos Präsidentin Vjosa Osmani am Montagabend in einem Facebook-Post.

Der stellvertretende Ministerpräsident Besnik Bislimi teilt dem öffentlich-rechtlichen Sender KTV im Kosovo mit, dass die Entscheidung im „nationalen Interesse“ des Landes liegt und sich „nicht gegen Serben richtet“.

Bislimi äußerte sich besorgt über eine mögliche „weitere Eskalation“ und warf Serbien vor, oft ein destabilisierender Faktor in der Region zu sein.

In Belgrad hat der serbische Präsident Aleksandar Vučić für den 21. September 2021 eine Dringlichkeitssitzung seines Nationalen Sicherheitsrates anberaumt, bei der es um die Lage im Kosovo gehen soll, berichtete die Nachrichtenagentur Tanjug. Vučić droht dem Kosovo mit Sanktionen.

Der Streit brach aus, nachdem ein früheres Abkommen über Nummernschilder zwischen Pristina und Belgrad, das 2011 unterzeichnet wurde, am 15. September ausgelaufen war und die kosovarische Regierung beschloss, eine gleichwertige Behandlung für Autos mit Nummernschildern mit den Buchstaben RKS für die Republik Kosovo anzustreben.

Vučić sitzt zwischen zwei Stühlen. Während ihm serbische Oppositionspolitiker im Kosovo „Verrat“ vorwerfen, stellen ihn albanisch-kosovarische Politiker als serbischen Nationalisten dar. Vučić sagt, dass seine Regierung das Problem mit den Kfz-Kennzeichen „unzählige Male“ währen der serbisch-kosovarischen Gespräche, die durch die EU vermittelt wurden, angesprochen habe. Doch er sei auf taube Ohren gestoßen.

Premierminister Albin Kurti hat seit seinem Amtsantritt in diesem Jahr wiederholt versprochen, dass seine Regierung von Serbien Gegenseitigkeit in allen Bereichen verlangen wird. Dies gelte auch für die Regelung mit den Kfz-Kennzeichen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft US-Autos als Kostenrisiko: Wie die Kfz-Steuer Käufer in Europa belastet
12.05.2026

Importierte US-Autos werden durch Kfz-Steuer, CO₂-Werte und Einzelgenehmigung für viele Käufer zu einer finanziellen Belastung. Warum...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Rabattaktionen im Einzelhandel: Warum eBooks trotz Krise boomen – und wie Sie persönlich davon profitieren
12.05.2026

Steigende Preise, verunsicherte Verbraucher und schwache Konsumdaten setzen den Handel unter Druck. Gleichzeitig werben Anbieter mit...

DWN
Finanzen
Finanzen Carl Zeiss Meditec-Stellenabbau: Bis zu 1.000 Jobs betroffen – was das für die Aktie bedeutet
12.05.2026

Carl Zeiss Meditec reagiert auf schwache Geschäfte mit einem drastischen Sparprogramm. Der geplante Stellenabbau betrifft bis zu 1.000...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-Fusionsregeln: Wie Brüssel Europas Wirtschaft stärken will
12.05.2026

Brüssel will die Fusionsregeln neu ausrichten und Europas Unternehmen mehr Spielraum im globalen Wettbewerb geben. Kann die EU ihre...

DWN
Politik
Politik Monopolkommission: Tankrabatt kommt an - Spritpreis steigt
12.05.2026

Auch das Ifo-Institut errechnet eine höhere Weitergabe als zu Beginn. Die Monopolkommission sieht allerdings bereits im Vorfeld des...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gasknappheit: Speicherbetreiber sehen Unsicherheiten für Deutschland
12.05.2026

Hohe Gaspreise und unsichere Marktbedingungen bremsen die Befüllung der Speicher. Die Betreiber warnen: Bei einem ähnlich kalten Winter...

DWN
Politik
Politik Antisemitische Symbole erkennen - Veröffentlichungen des BfV
12.05.2026

Wassermelone, Krake und Demo-Parolen: Der Verfassungsschutz erklärt, welche Symbole und Slogans seiner Einschätzung nach auf Extremismus...

DWN
Politik
Politik Pfiffe und Buhrufe für Merz beim DGB-Kongress
12.05.2026

Dass es schwer werden würde für den Kanzler beim DGB, war klar. Aber einen so eiskalten Empfang hat er dann vielleicht doch nicht...