Finanzen

Zinswende kommt: Fed-Chef Powell bereitet Finanzmärkte auf strafferen Kurs vor

Der zunehmende Inflationsdruck beginnt derzeit die Anleger nervös zu machen, da der Ölpreis auf ein Drei-Jahres-Hoch geklettert ist und Fed-Chef Jerome Powell verstärkt auf Inflationsgefahren hinweist.
28.09.2021 13:30
Aktualisiert: 28.09.2021 13:30
Lesezeit: 2 min
Zinswende kommt: Fed-Chef Powell bereitet Finanzmärkte auf strafferen Kurs vor
Jerome Powell, US-Notenbankchef, spricht vor dem US-Senat. (Foto: dpa) Foto: Liu Jie

Angesichts erhöhter Inflationsrisiken bereitet US-Notenbankchef Jerome Powell die Finanzmärkte auf einen strafferen Kurs der Fed vor. Ein Anstieg der Preise und Einstellungsschwierigkeiten nach der Corona-Krise könnten seiner Ansicht nach länger anhalten als erwartet, sagte Powell laut Redetext bei einem für Dienstag geplanten Auftritt vor einem Senatsausschuss. Falls sich die Inflation verfestigen sollte, werde die Fed „sicherlich reagieren“ und ihre Werkzeuge einsetzen, betonte er. Die deutliche Wortwahl bestärkte die Finanzmärkte in ihrer Erwartung, dass die Fed schon bald den Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik einleiten und womöglich bereits 2022 die Zinswende vollziehen wird. Der Prozess der Wiedereröffnung der Wirtschaft nach der Pandemiekrise sei beispiellos, erklärte Powell. Dabei könnten Engpässe oder Probleme bei der Rekrutierung von Personal auftreten, die größer seien und länger dauerten als gedacht. Die Teuerungsrate in den USA ist wie in vielen anderen Regionen der Welt zuletzt kräftig gestiegen - unter anderem als Folge der Corona-Krise: Waren und Dienstleistungen kosteten im August 5,3 Prozent mehr als im Vorjahresmonat.

Dies liegt weit über dem Ziel der Notenbank, die auf mittlere Sicht einen Wert von zwei Prozent anstrebt. Sie geht in ihrer jüngsten Prognose davon aus, dass die Inflation dieses Jahr auf einen Wert von 4,2 Prozent steigen wird. Doch bereits nächstes Jahr dürfte sie aus Sicht der Fed auf einen Wert von 2,2 Prozent zurückgehen, der damit zumindest im Zielbereich der Notenbank liegen würde. Im Dezember legen die Volkswirte allerdings einen aktualisierten Ausblick vor. Der könnte ein anderes Bild zeichnen, sollten die von Powell beschriebenen Inflationseffekte darin noch stärker Berücksichtigung finden. Seit die US-Notenbank vergangene Woche signalisiert hat, möglicherweise die Zinsen im Jahr 2022 zu erhöhen und schon im November ihre monatlichen Anleihekäufe zu reduzieren, steigen die Anleiherenditen auf beiden Seiten des Atlantiks. Die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen zogen weiter an und lagen mit 1,5444 Prozent auf dem höchsten Stand seit Mitte Juni. „Das hilft den Banken, aber das ist zu wenig, um den Markt oben zu halten“, sagte ein Händler.

Powell hatte nach der jüngsten Zinssitzung gesagt, die Anleihenkäufe seien noch sinnvoll: „Doch es ist an der Zeit sie herunterzufahren.“ Mitte nächsten Jahres könnte demnach der Prozess bereits abgeschlossen sein, der im Finanzjargon als „Tapering“ bekannt ist. Die Geldspritzen im Umfang von monatlich 120 Milliarden Dollar will die Fed niedriger dosieren, falls sich weitere Fortschritte bei Preisstabilität und Arbeitslosigkeit in etwa so wie erwartet einstellen sollten.

Der zunehmende Inflationsdruck beginnt derzeit die Anleger nervös zu machen, da der Ölpreis auf ein Drei-Jahres-Hoch geklettert ist und Powell verstärkt auf Inflationsgefahren hinweist. „Diese Besorgnis über eine anhaltende Inflation scheint sich auch immer mehr zu einem durchgängigen Thema in den Äußerungen der Zentralbanker zu entwickeln“, sagte Michael Hewson, Chef-Marktanalyst vom Handelshaus CMC Markets. Auch eine Reihe von Notenbankern sei zuletzt etwas energischer auf den Start des Tapering eingegangen.

Dieses Thema dürfte auch bei der Senatsanhörung zur Sprache kommen, die für Dienstagnachmittag (MESZ) angesetzt war. Zudem dürfte Powell mit Fragen zu Ethik-Richtlinien der Fed konfrontiert werden. Hintergrund ist der Rücktritt zweier Notenbanker, die in der Hochphase der Corona-Krise Aktiengeschäfte auf eigene Rechnung betrieben hatten. Die beiden Währungshüter vertreten ihre jeweiligen Notenbank-Bezirke im Offenmarktausschuss der Fed, der über die Zinspolitik entscheidet. Die Rücktritte fallen in eine Zeit, in der US-Präsident Joe Biden bald darüber entscheiden dürfte, ob er Powell über das Ende von dessen Amtszeit im Februar 2022 im Amt belassen soll oder durch eine andere Spitzenkraft ersetzt.

Powell hatte als Konsequenz aus der Debatte um die Geschäftsaktivitäten der Notenbanker eine Überarbeitung der Ethik-Regeln für Fed-Führungspersonal in Auftrag gegeben. Diese Forderung war bereits zuvor von der demokratischen Senatorin Elizabeth Warren erhoben worden, die auch in dem Senatsausschuss sitzt.

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