Finanzen

Sieben beliebte Anlageformen, die auf Angst beruhen

Die Angst ist ein entscheidender Treiber beim Investieren, und die Ängste der verschiedenen Investorentypen führen entsprechend zu verschiedenen Anlage-Entscheidungen.
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28.10.2021 09:00
Lesezeit: 6 min

1. Das Sparbuch

Die mit Abstand beliebteste Geldanlage der Deutschen ist nach wie vor das Sparbuch, wie Ende letzten Jahres eine Umfrage unter mehr als 23.000 Befragten zeigte. Mehr als die Hälfte der Deutschen (56 Prozent) lebt in einem Haushalt, in dem sich diese Anlageform findet – obwohl das Sparbuch in der Regel so gut wie keine Zinsen mehr abwirft, sodass der Sparer real Geld verliert. Die offizielle Inflationsrate lag im August bei 3,9 Prozent – und die Deutsche Bundesbank erwartet einen deutlichen Anstieg bis zum Jahresende.

Eine hohe Rendite kann also nicht der Grund dafür sein, dass so viele Deutsche ein Sparbuch führen. Eher spielt wohl die vermeintliche Sicherheit und Vorhersehbarkeit eine Rolle. Der Sparer muss – anders als bei praktisch allen anderen Anlageformen – keine Angst davor haben, dass infolge von Marktbewegungen aus beispielsweise 10.000 Euro auf dem Sparbuch plötzlich 8.000 Euro werden. Mit anderen Worten: Die Angst vor dem Risiko anderer Anlageformen führt oftmals zur Entscheidung für das als sicher wahrgenommene Sparbuch – obwohl, wie gesagt, durch die Inflation die Einlage kontinuierlich weniger wert wird.

2. Immobilien

Immerhin 22,9 Prozent der Deutschen leben in einem Haushalt mit Immobilienbesitz. Zwar sind die Immobilienpreise in den letzten Jahren stark angestiegen, sodass die Besitzer zumindest auf dem Papier teils erhebliche reale Gewinne verzeichnen. Doch sicherlich besteht die Gefahr, dass die Preise auch einmal wieder fallen. Das heißt nun aber nicht, dass Immobilienbesitzer mutige Anleger wären. Vielmehr spielt oftmals auch hier die Angst eine entscheidende Rolle, nämlich die Angst vor Inflation, gegen die sich Anleger mithilfe des Betongoldes absichern wollen.

3. Gold

Auch dies ist eine sehr beliebte Anlageform der Deutschen. Wenn man Goldschmuck, physisches Anlagegold und mit Gold verbundene Wertpapiere zusammenfasst, besitzen die Deutschen rund 9.100 Tonnen Gold, so eine aktuelle Studie der Berliner Steinbeis-Hochschule. Dieses Goldmenge entspricht im Übrigen mehr als sechs Prozent der weltweiten Goldvorräte und hat einen Wert von insgesamt rund 500 Milliarden Euro. Dies ist mehr als der gesamte Aktienbesitz der Deutschen.

In der Studie nannten die befragten Investoren auch die Gründe für ihre Goldinvestments. Dies waren der Werterhalt (43,9 Prozent), der Schutz vor Inflation (33 Prozent), die Ästhetik (31,1 Prozent) und der Aspekt, „eine reale, wertdichte Anlage in den Händen zu halten“ (29,7 Prozent). Bemerkenswerterweise ist der Anteil der Investoren der „Generation Z“, die zwischen 1995 und 2010 geboren sind, vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie stark angestiegen, nämlich von 15,6 Prozent auf 23,3 Prozent.

Gold gilt seit langem als die Krisenvorsorge überhaupt und wird daher auch als „sicherer Hafen“ bezeichnet. Und tatsächlich war es in der Vergangenheit ein guter Schutz gegen Inflation und Hyperinflation, aber auch gegen politische Veränderungen, die eine Enteignung befürchten lassen oder eine Flucht notwendig machen. Denn da bereits eine kleine Münze 1.500 Euro wert sein kann, sind Goldbesitzer in der Lage, relativ große Werte vor den übergriffigen Behörden zu verstecken oder das Gold auf der Flucht mit sich führen.

4. Aktien

Lange galten die Deutschen als Aktienmuffel, und im Vergleich zu den Amerikanern sind sie es noch immer. Doch der diesjährigen Studie der Aktion Pro Aktie zufolge ist der Anteil der Aktionäre hierzulande in den letzten Jahren stetig angestiegen. Noch vor vier Jahren besaßen nur 24 Prozent der Deutschen Aktien. Nun im Jahr 2021 halten immerhin mehr als ein Drittel (36 Prozent) der Erwachsenen hierzulande Aktien – vor allem in Form von Aktienfonds, die schon fast so beliebt sind wie Bausparverträge oder die eigene Immobilie.

Rund ein Drittel der neuen Aktionäre sagt, dass sie während der Corona-Krise mehr Zeit hatten, sich mit den eigenen Finanzen und mit dem Thema Wertpapiere und Börse zu befassen. Die stark steigenden Aktienkurse in der Folge der Coronakrise haben das Vertrauen der Deutschen in Aktien offenbar gestärkt. Der Deutsche Aktienindex ist in diesem Jahr von einem Allzeithoch zum nächsten geklettert. Das Risiko fallender Aktienkurse oder gar eines Börsencrashs tritt zurück hinter der drohenden Inflation und dem entsprechenden Wertverlust des Euros.

Aber: Wenn auch die Investitionen in Aktien in den letzten Jahren deutlich gestiegen sind, so scheuen doch immer noch viele Deutsche vor den Anteilsscheinen zurück. Der Grund: Fallende Aktienkurse – sowie, im Extrem, ein großer Crash, wie beispielsweise der Schwarze Donnerstag im Jahre 1931.

5. Bargeld

Die Zahl der Deutschen, die Bargeld horten, ist zuletzt deutlich angestiegen. Und bei keinem anderen Vermögenswert ist es so offensichtlich wie beim Bargeld, dass die Angst vor einer Krise der entscheidende Antrieb dafür ist. Zwar bietet das Bargeld (genau wie das Bankkonto) keinerlei Schutz gegen Inflation, stellt dafür aber einen effektiven Schutz gegen eine ganze Reihe anderer Risiken dar. So schützt Bargeld vor einer Bankenkrise mit Bail-ins, bei denen die Bankkunden mit ihren Kontoguthaben für die Verluste bei der Sanierung oder Abwicklung von Banken zahlen müssen. Dass dies tatsächlich eine mögliche Option ist, haben die Bail-ins in Zypern während der Eurokrise im Jahr 2014 gezeigt.

Neben dem Schutz vor Inflation und Bail-ins bietet das Bargeld auch einen relativ guten Schutz der Privatsphäre. Denn sowohl das Datensammeln durch die Privatwirtschaft als auch die staatliche Überwachung unserer Finanztransaktionen hat in den letzten Jahrzehnten stark zugenommen. In Zukunft könnte das Bargeld zudem einen Schutz gegen die von einigen Parteien bereits offen geplante Vermögensabgabe bieten. Denn letztere wird sich zunächst wohl vor allem auf Kontoguthaben und Immobilienbesitz konzentrieren, da die Behörden am leichtesten auf diese bestens dokumentierten Vermögensformen zugreifen können.

6. Bitcoin

Die erste und weiterhin führende Kryptowährung verfügt über einige der schützenden Eigenschaften des Goldes, weshalb seine Befürworter es auch das „digitale Gold“ nennen. In den letzten Jahren hat Bitcoin dem Gold viele Investoren und erhebliche Investitionssummen streitig gemacht, wohl auch deshalb, weil es in einigen Punkten die Angst der Investoren noch besser beruhigt. So kann man Bitcoin auf der Flucht noch leichter mit sich führen als Gold, da man lediglich einen Zettel braucht, auf dem die privaten Schlüssel notiert sind.

Eine weitere Angst, die viele Investoren umtreibt, ist die, einen erheblichen Preisanstieg zu verpassen. Im Englischen spricht man hier vom „Fear of missing out“ (FOMO). Denn in den vergangenen Jahren ist der Bitcoin-Kurs immer wieder stark gestiegen, was zahlreiche neue Investoren angelockt hat, die wenigstens ein bisschen Geld in Kryptowährungen investieren wollten, um ihrem Glück eine Chance zu geben und vor allem um die möglichen riesigen Profite nicht zu verpassen.

7. Konsumverzicht

Im letzten Punkt handelt es sich zwar nicht wirklich um ein Finanzprodukt, doch im Zusammenhang mit Finanzprodukten, die auf Angst beruhen, ist es von entscheidender Bedeutung, dass das Sparen und die dazu angewandten Investmentstrategien an sich schon Angst zugrunde legen. Wer keine Angst vor der Zukunft hat, wer glaubt, dass schon immer genug Einkommen da sein wird, der wird weniger dazu motiviert sein, finanzielle Vorräte anzulegen. Und niemals zuvor haben die Deutschen so stark auf Konsum verzichtet, das heißt so viel von ihrem verfügbaren Einkommen gespart, wie im vergangenen Jahr.

Fakt ist: Im vergangenen Jahr ist die Sparquote auf den Rekordstand von 16,1 Prozent angestiegen, nach 11,8 Prozent beziehungsweise 10,3 Prozent in den beiden Vorjahren. Mit anderen Worten: Die Deutschen haben 2020 fast ein Sechstel ihres verfügbaren Einkommens zur Seite gelegt. Sicherlich ist dies auch darauf zurückzuführen, dass die Bürger wegen der Lockdowns und anderer Corona-Maßnahmen schlicht weniger Möglichkeiten hatten, Geld auszugeben. Doch einen entscheidenden Teil spielte dabei sicherlich auch die Angst der Menschen vor der Zukunft.

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