Finanzen

Deutsche Börse profitiert von teurer Energie, erzielt kräftiges Gewinnplus

Der Börsenbetreiber profitierte davon, dass der Preisanstieg bei Strom und Gas für Volatilität sorgte. Das habe zu einem höheren Handelsvolumen geführt.
20.10.2021 10:23
Lesezeit: 3 min

Die Deutsche Börse hat im dritten Quartal unter anderem von den Turbulenzen am Strommarkt profitiert. Zudem zahlten sich zuletzt getätigte Übernahmen weiter aus. Die Nettoerlöse seien in den drei Monaten Juli bis September im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 838 Millionen Euro gestiegen, teilte das Dax-Unternehmen am Dienstagabend in Frankfurt mit. Der Anstieg geht vor allem auf das mit Zukäufen ausgebaute Geschäft außerhalb der schwankungsanfälligen Aktienmärkte zurück.

Zudem führte der Preisanstieg für Gas und Strom zu hohen Handelsvolumen an der Strombörse EEX. Damit konnte das stagnierende Geschäft im Aktienhandel und mit der Absicherung von Risiken kompensiert werden. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte im dritten Quartal um ein Viertel auf knapp 500 Millionen Euro. Die Erlöse und der operative Gewinn fielen damit im Großen und Ganzen wie von Experten erwartet aus. Zudem wurden die Prognosen für das laufende Jahr sowie die mittelfristigen Ziele erwartungsgemäß bestätigt.

Demnach sollen Nettoerlöse im laufenden Jahr auf rund 3,5 Milliarden Euro steigen. Das entspräche einem Plus von zehn Prozent. Bis 2023 sollen die Erlöse dann auf rund 4,3 Milliarden Euro klettern. Erreicht werden soll das auch durch Zukäufe. Allerdings setzt der seit Anfang 2018 an der Unternehmensspitze amtierende Theodor Weimer dabei eher auf kleinere und mittlere Akquisitionen und nicht auf den großen Deal. Beim operativen Gewinn erwartet das Unternehmen einen Anstieg auf rund 2 Milliarden Euro nach knapp 1,9 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.

Für 2023 gibt es beim Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kein absolutes Ziel. Doch ausgehend vom 2020er-Referenzwert, dem angepeilten Plus von zehn Prozent pro Jahr und der Aussage, dass die Marge stabil bleiben soll, ergäbe dies 2023 rechnerisch ein operatives Ergebnis von rund 2,5 Milliarden Euro. Während Analysten die Ziele für das laufende Jahr in Reichweite sehen, liegen ihre Schätzungen von 2023 größtenteils noch unter den von Weimer ausgerufenen Zielen.

"Trotz des weiterhin ausbleibenden zyklischen Rückenwinds konnte die Gruppe im dritten Quartal ein deutlich zweistelliges Nettoerlöswachstum erzielen", sagte der Finanzvorstand Gregor Pottmeyer laut Mitteilung. "Wie erwartet, wurde dies möglich durch eine Kombination aus weiterem strukturellem Wachstum und M&A." Der Konzern liege damit auf dem geplanten Wachstumskurs - zudem steuern die Einsparungen weiter ihren Teil zum Gewinnanstieg bei.

Unter dem Strich verdiente der Konzern 300 Millionen Euro und damit rund ein Drittel mehr als vor einem Jahr. In der größten Sparte, der Derivatebörse Eurex, stagnierten die Erlöse im dritten Quartal bei 235 Millionen Euro. Der operative Gewinn der Eurex, an der Investoren ihre Risiken mit Futures und Optionen absichern können, ging leicht zurück. Im Bereich Aktienhandel (Xetra), dem bekanntesten Segment des Konzerns, gingen Erlöse und operativer Gewinn zurück.

Anders sieht dies an der zum Konzern gehörenden Leipziger Strombörse EEX aus. Dort zogen die Nettoerlöse um 17 Prozent auf 78 Millionen Euro an, der operative Gewinn kletterte um ein Viertel auf 35 Millionen Euro. Die aus diesen unerwarteten Preisanstiegen resultierende Volatilität in den Strom- und Gasmärkten habe sich positiv auf das Handelsvolumen in Strom- und Gasprodukten ausgewirkt.

Deutlich zulegen konnte auch das Segment Fondsvertrieb. Hier führten eine Übernahme und organisches Wachstum zu einem Erlösplus von 55 Prozent auf 85 Millionen Euro. Der operative Gewinn stieg auf 55 Millionen Euro und damit auf das Zweieinhalbfache des Vorjahreswerts. Der erst vor Kurzem übernommene US-Stimmrechtsberater ISS, der als eigene Einheit geführt wird, steuerte 69 Millionen Euro an Erlösen und knapp 23 Millionen zum operativen Gewinn bei.

Mit den Zukäufen will sich der Börsenbetreiber aber auf jeden Fall breiter aufstellen, um ihn unabhängiger von den Schwankungen an den Aktien- und Derivatemärkten und der Entwicklung der Geldpolitik und den niedrigen Zinsen zu machen. So sind vor allem die Erträge und der Gewinn in der Sparte Clearstream, die ihr Geld mit der Abwicklung von Transaktionen und der Aufbewahrung von Wertpapieren verdient, durch das Niedrigzinsumfeld unter Druck.

An der Börse wurden die am Dienstagabend veröffentlichten Zahlen mit einem Minus quittiert. Die Aktie fiel im frühen Handel um bis zu 1,6 Prozent auf 147,30 Euro und gab damit die Vortagsgewinne wieder ab. Am Dienstag war das Papier bis auf 149,75 Euro und damit das höchste Niveau seit Ende August gestiegen. Die Aktie des Börsenbetreibers zählte bis zum Sommer 2020 zu den größten Gewinnern der Corona-Pandemie.

Da das Handelsvolumen am Aktienmarkt und der Absicherungsbedarf von Marktteilnehmern im Corona-Crash deutlich gestiegen war, kletterte der Kurs im Juli vergangenen Jahres bis auf 170 Euro. Dieses Niveau konnte das Papier nicht halten, liegt aber immer noch rund die Hälfte über dem Kurs, den die Anteile zum Amtsantritt von Weimer innehatten. Damit schnitt die Deutsche-Börse-Aktie in diesem Zeitraum deutlich besser ab als der Dax, hinkt aber der Entwicklung des Londoner Rivalen London Stock Exchange hinterher.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Wölfe der Wall Street: Europäischer Medtech ist günstig, Goldrückgang ist vorübergehend
27.09.2026

Die Wall Street glänzt nahe seinen Rekordhöhen, doch unter der Oberfläche brodelt es. Während Künstliche Intelligenz die...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
27.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitsmarkttrend „Boomerang Hiring“ – erst gekündigt, dann zurückgeholt
27.09.2026

Die Wiedereinstellung ehemaliger Arbeitnehmer wird auch in Deutschland zum wachsenden Trend auf dem Arbeitsmarkt: Wie Arbeitgeber mit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...