Deutschland

Politik und Verbände machen Druck für Booster-Impfungen

Schon mehr 1,6 Millionen Deutsche haben die dritte Corona-Spritze - den sogenannten Booster - erhalten. Doch vor dem Hintergrund steigender Zahlen wollen Politik und Verbände die Auffrischungsimpfungen deutlich ausweiten.
26.10.2021 16:54
Aktualisiert: 26.10.2021 16:54
Lesezeit: 2 min
Politik und Verbände machen Druck für Booster-Impfungen
Eine Arzthelferin zieht in einer Praxis einer Hausärztin eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff Janssen von Johnson & Johnson gegen das Corona-Virus auf. (Foto: dpa) Foto: Wolfgang Kumm

Angesichts weiter steigender Infektionszahlen rücken Auffrischungs-Impfungen als Corona-Schutz im Herbst und Winter zusehends in den Blick - vor allem für Menschen mit höheren Risiken. Die dafür meist nötige dritte Spritze haben inzwischen 1,61 Millionen Menschen bekommen, wie aus Meldedaten des Robert Koch-Instituts (RKI) von Dienstag hervorgeht.

Mediziner, Patientenschützer und Politiker forderten mehr Tempo bei solchen Impf-Verstärkern («Booster»), die in der Regel sechs Monate nach der zweiten Spritze gegeben werden können. Insgesamt haben laut RKI mittlerweile 55,1 Millionen Menschen oder 66,3 Prozent der Bevölkerung eine vollständige Impfung erhalten.

«Booster-Impfungen für die vulnerablen Gruppen werden gerade mit Blick auf die steigenden Zahlen dringend gebraucht», sagte Dirk Heinrich, Vorsitzender des Virchowbundes der niedergelassenen Ärzte, der «Neuen Osnabrücker Zeitung» (Dienstag). «Leider ist das nicht bundesweit einheitlich geregelt, sodass es mancherorts zu Verzögerungen kommt.»

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz beklagte einen «schleppenden Verlauf». Nach gut drei Monaten hätten nur zwölf Prozent der über 70-Jährigen ein drittes Impfangebot erhalten, sagte Vorstand Eugen Brysch der Zeitung. «Jetzt rächt es sich, dass gerade auf Druck der Kassenarztfunktionäre die Impfzentren und mobilen Teams größtenteils abgeschafft wurden.»

Die Ständige Impfkommission empfiehlt Auffrischungs-Impfungen unter anderem für Menschen ab 70 Jahre und Menschen mit einem geschwächten Immunsystem. Angeraten werden sie zudem für Pflegepersonal und medizinisches Personal mit direktem Kontakt zu Patienten sowie Menschen, die den Impfstoff von Johnson & Johnson bekommen haben.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagte den Zeitungen der Funke-Mediengruppe (Dienstag): «In Anbetracht der steigenden Fallzahlen auch bei Älteren ist eine neue Impfkampagne zur Nutzung der Booster-Impfungen in dieser Altersgruppe jetzt unbedingt nötig.» Linke-Chefin Susanne Hennig-Wellsow sagte: «Drittimpfungen müssen jetzt so schnell wie möglich auf den Weg gebracht werden, die aktuellen Coronazahlen sind erschreckend.» Für Dritt-Impfungen müsse genauso geworben werden wie weiterhin auch für erste und zweite.

Mehr zum Thema: Wer sich nicht dreimal impfen lässt, verliert den „Grünen Pass“

Der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, sagte den Funke-Zeitungen, er messe «der Booster-Impfung einen sehr wichtigen Part in der Bekämpfung der Pandemie bei». Dies gelte für Patientinnen und Patienten wie für das Krankenhauspersonal.

Lauterbach erwartet, dass eine dritte Impfdosis als Auffrischung mittelfristig ohne Einschränkungen für alle angeboten werden dürfte. «Darauf wird es wahrscheinlich hinauslaufen», sagte er am Dienstag im TV-Sender Phoenix. Infektionen ließen sich nicht dauerhaft mit zwei Impfungen verhindern. Es gebe zudem Menschen, die eine auch leichter verlaufene Infektion vermeiden wollen. Im Moment gebe es in vielen ärmeren Ländern aber zu wenig Impfstoff, sodass die reicheren ihre Bevölkerungen vorerst nicht generell drei Mal durchimpfen sollten.

In Deutschland setzt sich der schon fast zwei Wochen anhaltende Anstieg neuer Corona-Fälle fort. Bundesweit liegt die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner in sieben Tagen laut RKI nun bei 113,0 - nach 110,1 am Vortag und 75,1 vor einer Woche. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100 000 Einwohner im sieben Tagen gab das RKI am Dienstag mit 2,95 (Montag: 2,77) an. Einen bundesweiten Wert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, gibt es nicht. Der bisherige Höchstwert lag bei rund 15,5.

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