Technologie

Hoher Bundeswehr-General plädiert für Anschaffung bewaffneter Drohnen

Generalleutnant Pfeffer, der scheidende Befehlshaber der Bundeswehr-Einsätze im Ausland, rät dringend zur Anschaffung bewaffneter Drohnen.
02.11.2021 14:00
Lesezeit: 2 min
Hoher Bundeswehr-General plädiert für Anschaffung bewaffneter Drohnen
Ein undatiertes Handout der US Air Force zeigt eine Drohne vom Typ MQ-1 Predator. (Foto: dpa)

Der Befehlshaber der im Ausland laufenden Bundeswehreinsätze, Generalleutnant Erich Pfeffer, hat davor gewarnt, auf einen Schutz der Truppe durch bewaffnete Drohnen zu verzichten. Mehrere Aspekte sprächen ganz deutlich für die bewaffnete Drohne, sagte Pfeffer der Deutschen Presse-Agentur. „Die Truppe selbst kann im Grunde diese Diskussion nicht verstehen, weil man nicht versteht, warum man sich so schwertut. Wenn man die ablehnenden Argumente um bewaffneten Drohnen konsequent zu Ende denkt, müsste man ja wesentliche Teile der Bewaffnung in den Streitkräften abschaffen.“ Pfeffer ist seit November 2015 Befehlshaber des Einsatzführungskommandos am Rande von Potsdam und geht in wenigen Wochen in den Ruhestand.

Für Auslandseinsätze der Bundeswehr unter expliziter Bedrohung, wie lange in Afghanistan oder jetzt in Mali, seien drei Elemente „absolut zwingend“, sagte Pfeffer. „Das Erste ist: Aufklärung voraus. Vereinfacht gesprochen muss ich sicherstellen, dass die Truppe weiß, was auf sie zukommt, wenn sie sich im Gelände bewegt.“ Die beste Fähigkeit dafür mit dem geringsten Risiko sei die Aufklärungsdrohne. „Damit sichere ich die Truppe vor Überraschungen“, sagte Pfeffer.

„Das Zweite, was ich brauche: Kampfkräftige Unterstützung für den Fall, dass die Truppe im Gefecht unterlegen ist“, forderte der Offizier. Das könne vor allem eintreten, wenn die Truppe überraschend oder ungeplant in ein Gefecht verwickelt werde. „Bei der Dimension der Räume, in denen wir uns bewegen und der Art des Geländes heißt das immer Luftnahunterstützung. Das ist der Kampfhubschrauber oder das Kampfflugzeug oder die bewaffnete Drohne“, sagte Pfeffer.

Dabei sei die bewaffnete Drohne das einzige Mittel, das bei Bedarf unmittelbar ohne Zeitverzug verfügbar sei. Bei allen anderen Mitteln setze sich die Truppe vor Ort höherem Risiko aus. Pfeffer: „Das heißt für mich im Umkehrschluss, wenn die Politik nicht bereit ist, bewaffnete Drohnen zu stellen, dann erhöhen wir automatisch das Risiko für die Truppe.“

Kampfhubschrauber bräuchten im Regelfall 30 Minuten bis zu einer Stunde, bis sie vor Ort sind. „So lange muss die Truppe im Gefecht bestehen können. Wenn ich eine bewaffnete Drohne über der Truppe habe, dann stellt sich dieses Problem nicht“, sagte Pfeffer. Drittens sei es wichtig, dass es eine bruchfreie Rettungskette vom Ort des Geschehens bis nach Deutschland gebe.

In der Bundeswehr wird mit Interesse verfolgt, wie sich SPD, FDP und Grüne in den Koalitionsverhandlungen über eine mögliche gemeinsame Bundesregierung in der lange strittigen Frage positionieren. In der bisherigen Bundesregierung hatte sich die Union für eine Bewaffnung der künftigen Drohne Heron TP stark gemacht. Die SPD hatte - nach einer allerdings schon Jahre dauernden Debatte - weiteren Diskussionsbedarf angemeldet. Der SPD-Verteidigungspolitiker Fritz Felgentreu, der das Rüstungsprojekt unterstützt hatte, trat daraufhin als verteidigungspolitischer Sprecher der Fraktion zurück.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Unternehmen
Unternehmen TKMS-Aktie: Marineschiffbauer profitiert von hoher Nachfrage
11.05.2026

Der Marineschiffbauer TKMS hat nach Zuwächsen im ersten Halbjahr seine Prognose für das laufende Jahr bestätigt. Die Bestellungen für...

DWN
Politik
Politik Brandenburg: Erster AfD-Sieg bei Bürgermeisterwahl
11.05.2026

Im brandenburgischen Zehdenick zieht der AfD-Kandidat René Stadtkewitz mit deutlichem Vorsprung ins Rathaus ein. Für seine Partei ist es...

DWN
Politik
Politik Ukraine-Krieg: Putin bringt Altkanzler Schröder als Vermittler ins Gespräch
11.05.2026

Kremlchef Putin hat Altkanzler Gerhard Schröder als Vermittler im Ukraine-Krieg ins Spiel gebracht. In der Bundesregierung stößt Putins...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Aurubis-Aktie im Fokus: Starkes Quartal, bessere Prognose
11.05.2026

Der Kupferkonzern Aurubis sieht durch den Iran-Krieg kurzfristig kaum direkte Auswirkungen auf sein Geschäft - mittelfristig könnten sich...

DWN
Panorama
Panorama Hantavirus: Erste Passagiere ausgeflogen - auch Deutsche
11.05.2026

Nach dem Hantavirus-Ausbruch liegt das Kreuzfahrtschiff Hondius in einem Hafen Teneriffas vor Anker. Betroffene werden bereits von der...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Aktien im Aufschwung: Wie tragfähig sind die neuen Gewinnprognosen?
11.05.2026

Europäische Aktien wirken trotz hoher Gewinnerwartungen stabiler, als es die Lage in vielen Branchen nahelegt. Wie belastbar ist der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Ikea schließt Standort in Schweden: Filialschließung erstmals seit 40 Jahren
11.05.2026

Ikea reagiert auf den wachsenden Onlinehandel und zieht in Schweden ungewöhnlich klare Konsequenzen für sein Filialnetz. Was bedeutet die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Italiens Ex-Ministerpräsident Letta im Interview: Einmalige Chance für Europa zur Reform des Binnenmarkts
10.05.2026

Europas Wettbewerbsfähigkeit gerät unter Druck, während sich das politische Kräfteverhältnis in der EU verschiebt. Kann der Kontinent...