Technologie

US-Regierung fordert deutsche Chip-Konzerne auf, Geschäftsgeheimnisse offenzulegen

Das US-Handelsministerium hat einen detaillierten Fragebogen an Produzenten von Mikrochips geschickt. Die Marktführer aus Asien sind misstrauisch, deutsche Firmen halten sich bedeckt.
05.11.2021 10:24
Aktualisiert: 05.11.2021 10:24
Lesezeit: 2 min

Das US-amerikanische Handelsministerium hat einen Fragebogen an zahlreiche heimische und ausländische Unternehmen aus der Hochtechnologiebranche geschickt. In dem insbesondere an Produzenten von Mikrochips und Halbleiterprodukte versandten Schreiben erbittet das Ministerium Antworten zu einer Vielzahl von Fragen, die sich auf die Geschäftsabläufe der Firmen beziehen.

Wie das Bitcoin Magazine berichtet, sollen die Unternehmen unter anderem offenbaren, welche Stellung sie in den weltumspannenden Lieferketten einnehmen, welche technischen Parameter ihre Produkte aufweisen, welche Arten von Produkten sie herstellen, welche Stückzahlen sie verkaufen, an welchen Stellen im Betriebsablauf derzeit Probleme herrschen und noch vieles mehr. „Es handelt sich um eine sehr umfassende Anfrage, die letztendlich darauf abzielt, alles Wissenswerte über die Produkte, die Veraufszahlen, die Vorräte und weitere Eigenschaften der Firmen zu erfahren“, schreibt Bitcoin Magazine.

Deutsche halten sich bedeckt, Skepsis in Taiwan und Südkorea

Welche deutschen Hersteller den Fragebogen erhalten haben und wie sie darauf reagieren, ist derzeit nicht ganz klar. Eine Anfrage der DWN bei den drei größten heimischen Produzenten ließen sowohl Carl Zeiss SMT als auch Siltronic bis zum Redaktionsschluss unbeantwortet. Ein Sprecher des nach Geschäftsvolumen größten deutschen Chip-Produzenten, Infineon Technologies, teilte mit: „Uns ist bekannt, dass die US-Regierung Industrieunternehmen um ihre Einschätzung der Versorgungslage bei Computerchips gebeten hat. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir die laufende Kommunikation mit Regierungen nicht kommentieren. In allen Märkten, in denen wir tätig sind, sehen wir es jedoch als Teil unserer Verantwortung, unseren Beitrag zur Beseitigung der aktuellen weltweiten Versorgungsengpässe bei Halbleitern beizutragen.“

Die drei größten und wichtigsten Unternehmen im Bereich der Mikrochips und Halbleitertechnologien weltweit sind TSMC (Taiwan), Samsung (Südkorea) und Intel (USA). Insbesondere in Taiwan und Südkorea wird die Anfrage der Amerikaner mit Skepsis betrachtet. Denn die Offenbarung wichtiger Geschäftsgeheimnisse würde letztendlich die Wettbewerbsfähigkeit der Konkurrenten aus den USA stärken und die eigene Dominanz auf den Weltmärkten schwächen, weil es sich dabei faktisch um einen einseitigen Wissenstransfer handelt.

Bitcoin Magazine weist daraufhin, dass die Chipbranche für Taiwan eine besondere Bedeutung besitzt, welche über rein wirtschaftliche Aspekte hinausreicht. „Für ein Land wie Taiwan stellt die überragende Bedeutung der Halbleiterindustrie möglicherweise einen wichtigen Faktor dar, der die Wahrscheinlichkeit möglicher Angriffe Chinas von vorneherein reduziert. Die Weltmarktführerschaft (von TSMC im Bereich der Mikrochips - die Red.) zu verlieren wäre deshalb von weitaus größerer Bedeutung, als sich alleine aus ökonomischen Überlegungen ableiten lässt.“

Dies umso mehr, als die US-Regierung offensichtlich versucht, die heimische Halbleiter- und Chipbranche zu stärken und Abhängigkeiten von ausländischen Produzenten zu reduzieren. So wurden im Rahmen des „U.S. Innovation and Competition Act“ 52 Milliarden US-Dollar bereitgestellt, um heimische Produktionskapazitäten für Mikrochips auszubauen. Der in den Senat eingeführte Entwurf eines „CHIPs for America Act“ sieht zudem unter anderem steuerliche Erleichterungen für US-Unternehmen aus der Halbleiterbranche und die Schaffung eines staatlichen Unterstützungsfonds vor.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deal mit Nvidia: Bundesregierung plant Kooperation mit US-Chiphersteller
16.10.2026

Deutschland will die Lücke beim Einsatz künstlicher Intelligenz in der Industrie schließen. Viele deutsche KMU hinken bei der digitalen...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Ein Großhändler stellte 35 Roboter ein und verdreifachte so die Kapazität – ist das die Zukunft?
16.10.2026

Wenn Kunden eine Lieferung innerhalb von 24 Stunden erwarten, wird das Lager zu einem Wettbewerbsfaktor. Dies hat den dänischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die 723.000-Mitarbeiter-Lücke: Deutschlands schleichender Verlust an Wohlstand
16.10.2026

Die deutsche Wirtschaft steuert auf eine historische Belastungsprobe zu. Während politische Debatten häufig von akuten Konjunktursorgen,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutsche in der Dauerkrise: Immer mehr Ausfälle aufgrund psychischer Erkrankungen
16.10.2026

Die Krisen der vergangenen Jahre hinterlassen Spuren in der Psyche vieler Menschen und am Arbeitsmarkt: Immer mehr Arbeitnehmer fallen...

DWN
Politik
Politik Frühstartrente kommt: Bundestag beschließt 10 Euro für Kinder
16.10.2026

Mit der Frühstartrente will der Staat Kindern monatlich zehn Euro für ein langfristiges Aktiendepot geben. Wer zuerst von der...

DWN
Panorama
Panorama DWN-Podcast Folge 47: Die Woche im Rückblick – KW 42
16.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Analyse: Europa steht geschlossen gegen China, verschärft aber den Konflikt um den Milliardenhaushalt
16.10.2026

Die EU sieht erste Fortschritte im Handelskonflikt mit China. Doch das Defizit wächst weiter, und Brüssel bereitet bereits neue...

DWN
Politik
Politik Deal um Verbrenner-Aus: Deutschland und Frankreich haben sich geeinigt
16.10.2026

Deutschland setzt sich dafür ein, dass weiter Neuwagen mit Verbrennungstechnologie zugelassen werden können. Frankreichs Präsident...