Deutschland

Spahn begrenzt Biontech-Impfungen, weil Moderna-Vakzin zu verfallen droht

Lesezeit: 2 min
20.11.2021 09:57
Das Bundesgesundheitsministerium will bei Booster-Impfungen verstärkt auf das Moderna-Präparat und weniger auf das von Biontech setzen. Kritiker des Vorhabens sprechen von einem schlechten Scherz.
Spahn begrenzt Biontech-Impfungen, weil Moderna-Vakzin zu verfallen droht
Spahn will zunächst weniger Biontech-Dosen bereitstellen, damit die Moderna-Präparate nicht verfallen. (Foto: dpa)
Foto: Kay Nietfeld

Mehr zum Thema:  
Benachrichtigung über neue Artikel:  

Bayerns Gesundheitsminister Klaus Holetschek protestiert gegen eine vom Bundesgesundheitsministerium angekündigte Begrenzung der Biontech-Auslieferungen. Das sei inakzeptabel, sagte der CSU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur in München. Holetschek, der auch Vorsitzender der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) der Länder ist, will dies nun auf die Tagesordnung der für Montag geplanten GMK-Beratungen setzen. «Das muss besprochen und gelöst werden.» Auch Politiker von Grünen und FDP sowie die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierten das Vorhaben.

Das Bundesgesundheitsministerium hatte in einem Schreiben an die Länder betont, dass bis Jahresende genug Impfstoff auch für Auffrischungsimpfungen zur Verfügung stehe. Neben dem Präparat von Biontech/Pfizer solle dafür aber vermehrt das von Moderna eingesetzt werden. Andernfalls drohten eingelagerte Moderna-Dosen ab Mitte des ersten Quartals 2022 zu verfallen, was aber vermieden werden müsse.

Für Biontech sollen daher «Höchstbestellmengen» definiert werden, wie es in dem Schreiben heißt. Praxen sollen demnach vorerst maximal 30 Dosen pro Woche bestellen können, Impfzentren und mobile Impfteams 1020 Dosen. Betont wird: «Bestellungen für Moderna-Impfstoff werden keiner Höchstgrenze unterliegen und vollumfänglich beliefert.»

Bund und Länder hätten gemeinsam festgelegt, dass es nun eine große, gemeinsame Kraftanstrengung beim Impfen brauche, sagte Holetschek. «Diese werden alle Bundesländer mit aller Kraft in Angriff nehmen.» Erst- und Zweitimpfungen seien wichtig, besonders aber auch die Booster-Impfungen. Wenn man nun höre, dass der Biontech-Impfstoff eingeschränkt werden solle, sei das «absolut inakzeptabel und zerstört das notwendige Vertrauen, dass die Bürgerinnen und Bürger in dieser hochdramatischen Lage in uns haben müssen». Nicht nur für die Impfzentren sei dies inakzeptabel, sondern vor allem auch für die Ärzteschaft, die darauf sämtliche Planungen ausgerichtet habe.

Die beiden Impfstoffe, Biontech und Moderna, gelten als gleichwertig, dies sieht auch die Ständige Impfkommission (Stiko) so. In deren aktueller Empfehlung heißt es allerdings: «Für die Auffrischimpfung soll möglichst der mRNA-Impfstoff benutzt werden, der bei der Grundimmunisierung zur Anwendung gekommen ist.» Wenn dieser nicht verfügbar sei, könne aber «auch der jeweils andere mRNA-Impfstoff eingesetzt werden». Biontech ist der in Deutschland bisher mit Abstand am häufigsten verwendete Impfstoff. Die Ärzteschaft rechnet deshalb nun mit deutlich erhöhtem Beratungsbedarf in den Praxen.

Der Grünen-Gesundheitsexperte Janosch Dahmen schrieb am Freitagabend bei Twitter zu dem Vorhaben: «Das sollten wir nicht tun! Wir brauchen alles andere als eine Handbremse beim Impfen.» Gerade für junge Menschen sei der Biontech-Impfstoff besonders gut verträglich. «Auch die Wahl zwischen verschiedenen Vakzinen spielt bei der Entscheidung für die wichtige Erstimpfung eine Rolle.»

FDP-Fraktionsvize Michael Theurer erklärte: «Das muss ein schlechter Scherz sein.» Es brauche massenhaft Impfungen, um kurzfristig die Boosterwirkung sicherzustellen und die Impfquote zu erhöhen. «Hier jetzt Höchstmengen zu definieren, ist absolut kontraproduktiv und setzt ein völlig falsches Signal. Alles was verimpft werden kann, muss verimpft werden.»


Mehr zum Thema:  

DWN
Finanzen
Finanzen US-Justiz nimmt Deutsche Bank ins Visier

Neue Anschuldigungen des amerikanischen Justizministeriums lasten auf dem Börsenkurs der Bank.

DWN
Politik
Politik Altkanzler Schröder warnt erneut eindringlich vor Baerbock

Altkanzler Gerhard Schröder warnt zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage vor der neuen Außenministerin. Diese beginnt bereits, mehr Macht...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldfonds kaufen erstmals seit Sommer wieder Gold

Die Bestände der weltweiten börsengehandelten Gold-Fonds (ETFs) sind im November zum ersten Mal seit diesem Sommer wieder gestiegen. Doch...

DWN
Deutschland
Deutschland Deutschlands Industrie: Ohne fossile Energiequellen gehen alle Lichter aus

Die deutsche Industrie ist zwingend auf fossile Energieträger angewiesen. Daran wird sich allen Träumereien der Politik zum Trotz auch...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Geldpolitik: Wer profitiert von 5,2 Prozent Inflation?

Die Sparer ächzen unter den hohen Inflationsraten und den jahrelangen Nullzinsen. Doch es gibt auch Gewinner der EZB-Politik. Kritische...

DWN
Deutschland
Deutschland Zwei weitere Gasversorger stellen Belieferung ihrer Kunden ein

Die bundesweit tätigen Marken gas.de und Grünwelt haben die Belieferung ihrer Kunden eingestellt.

DWN
Politik
Politik Erster Baerbock-Spruch als Außenministerin: „Deutschland und Frankreich gehören ewig zusammen“

Die neue Bundesaußenministerin Annalena Baerbock hat die Bedeutung der Europäischen Union für Deutschland und die Freundschaft zu...

DWN
Politik
Politik Warum China im Ukraine-Konflikt nicht Partei ergreifen kann

China hat weder die Fähigkeit noch den Willen, im Russland-Ukraine-Konflikt Partei zu ergreifen. In beiden Staaten hat China handfeste...