Deutschland

Experten warnen vor baldigen Terror-Anschlägen durch „Corona-Leugner“

Aus Expertenkreisen geht hervor, dass in den kommenden Monaten Terror-Anschläge durch Personen, die als „Corona-Leugner“ eingestuft werden, ausgeführt werden könnten. Der Telegram-Chat spielt Sicherheitskreisen zufolge eine wichtige Rolle bei der Planung von Anschlägen.
14.12.2021 21:37
Aktualisiert: 14.12.2021 21:37
Lesezeit: 2 min
Experten warnen vor baldigen Terror-Anschlägen durch „Corona-Leugner“
«Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht» steht auf dem Plakat, das ein Mann bei einer Demonstration vor dem Thüringer Landtag in den Händen hält. (Foto: dpa) Foto: Martin Schutt

Terrorismus-Forscher Peter Neumann rechnet in den kommenden Monaten mit terroristischen Aktivitäten aus dem Kreis der Personen, die er als „Corona-Leugner“ einstuft. In einigen Monaten müsste die Öffentlichkeit „tatsächlich möglicherweise von einer terroristischen Kampagne sprechen“, zitiert „OE24.de“ Neumann.

„Radikale Kräfte haben das Mobilisierungspotenzial dieser Menschen sehr rasch erkannt und auch mit Fake News beflügelt. Das geht ihnen jetzt voll auf“, so Manuel Scherscher, stv. Direktor des Bundeskriminalamts.

„OE24.de“ zufolge sollen sich Gegner der Corona-Maßnahmen in Telegram-Chats über den Bau von Splitterbomben unterhalten haben. Zudem sollen sie geplant haben, Polizisten mit Molotowcocktails in Brand zu setzen. Neumann zufolge werde die Bewegung der „Corona-Leugner“ kleiner, doch auch radikaler.

Die „Berliner Morgenpost“ berichtet, dass der österreichische Verfassungsschutz im Mai 2021 einen Anschlag durch „Corona-Leugner“ verhindert habe.

Der Antisemitismusbeauftragte des Landes Baden-Württemberg, Michael Blume, hatte im August 2021 vor Anschlägen durch „Corona-Leugner“ gewarnt, berichtet „evangelisch.de

„Ich glaube leider, dass in den nächsten Jahren die Radikalisierung weitergeht. Dass wir Gewalt und möglicherweise auch Terror erleben werden“, zitiert der „SWR“ Blume.

Über den Telegram-Messenger hatten sich in der Vergangenheit Extremisten jeglicher Couleur organisiert, um Aktionen zu planen. Auch von linksextremer Seite droht Terrorismus, wie der jüngste Anschlag auf eine Moschee in Leipzig zeigt.

Die deutsche Bundesregierung prüft, wie sie der Verbreitung von Hass und Hetze über den Messengerdienst Telegram begegnen kann. Im Umgang mit Telegram werde zudem „ein europaweit einheitlicher Rechtsrahmen“ angestrebt, sagte eine Sprecherin des Justizministeriums am Montag in Berlin.

„Telegram wird in allen durch das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachteten Phänomenbereichen verstärkt genutzt“, teilte das Bundesamt mit Sitz in Köln auf Anfrage mit. „Insbesondere Anhänger der verfassungsschutzrelevanten Corona-Leugner-Szene nutzen die Plattform zur Verbreitung der eigenen Agenda sowie zur Mobilisierung für Demonstrationen und Veranstaltungen.“

Der Messengerdienst Telegram erlaubt neben individueller Kommunikation auch Gruppendiskussionen von mehreren Tausend Nutzern. Telegram ermögliche zudem „das unkomplizierte Teilen von auch strafrechtlich relevanten Videos, Bildern sowie Audiodateien, greift kaum administrativ in Inhalte ein und bietet dadurch die Möglichkeit, beeinflussend auf andere Personen einzuwirken“, heißt es seitens des Bundesamtes für Verfassungsschutz.

Viele Menschen weltweit nutzen Telegram vorwiegend zur 1-zu-1-Kommunikation im privaten oder beruflichen Kontext, so wie Wire, Signal, Whatsapp oder andere Messengerdienste. Für einige Nutzer, die bei Youtube oder anderen sozialen Netzwerken wegen extremistischer Inhalte gesperrt worden sind, ist Telegram allerdings eine Ausweichplattform. Ein Beispiel ist der Österreicher Martin Sellner von der Identitären Bewegung. Sein Telegram-Kanal hat mehr als 62.000 Abonnenten.

Der NRW-Verfassungsschutz hatte bereits im Jahr 2020 vor einer erhöhten Terror-Gefahr gewarnt. Der „Kölner Stadt-Anzeiger“ führte am 9. Juni 2020 aus: „Sicherheitsbehörden befürchten Anschläge durch rechtsextreme Corona-Leugner und Reichsbürger. Burkhard Freier, Chef der NRW-Verfassungsschützer, sagte im Interview mit dem Kölner Stadt-Anzeiger: ,Es besteht sicherlich - neben Vertrauensverlusten in das Regierungshandeln und einem möglichen Zulauf zu rechtsextremistischen Gruppen - auch eine Terrorgefahr, weil solche Verschwörungsmythen ein Tat-Auslöser sein können.‘ Dieser Funke, der im Netz durch rechtsextreme Zirkel geschürt werde, könne überspringen. ,Das kann in der Szene etwa der Reichsbürger sein. Auch dort herrscht ein schräges Weltbild vor, diese Leute sind zugleich oft höchst gewaltbereit und nutzen Möglichkeiten, gegen den Staat vorzugehen. Viele von ihnen sind erklärte Corona-Leugner, die dann bei entsprechender Indoktrination glauben könnten, jetzt handeln zu müssen.‘“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Entwarnung beim Klimawandel? Forscher korrigieren Worst-Case-Szenario
30.05.2026

Die schlimmsten Klima-Prognosen gelten inzwischen als weniger wahrscheinlich. US-Präsident Donald Trump sieht sich dadurch bestätigt.

DWN
Politik
Politik Der übergriffige Staat: Bremst Regulierung Europas Wohlstand?
30.05.2026

Europa verliert an wirtschaftlicher Dynamik. Während die USA Innovationen skalieren und China Märkte strategisch erobert, verstrickt sich...

DWN
Panorama
Panorama Toyota bZ4X Touring im Test: Wenn Reichweite ihren Namen wirklich verdient
30.05.2026

Toyotas elektrisch angetriebenes SUV bZ4X präsentiert sich auch in der Version Touring. Der Einstiegspreis liegt mit Förderung bei 35.990...

DWN
Panorama
Panorama Wie 3D-Drucker aus deutschen Garagen den Ukraine-Krieg beeinflussen
30.05.2026

Kleine Plastikteile aus Deutschland helfen der Ukraine im Krieg gegen Russland. Hinter der Initiative stehen Freiwillige mit 3D-Druckern,...

DWN
Panorama
Panorama Tanken, WM, Shopping: Das ändert sich im Juni
30.05.2026

Der neue Monat bringt gute Nachrichten für Sportfans und schlechte Aussichten für Autofahrer. Welche Änderungen stehen im Juni an?

DWN
Technologie
Technologie KI in der Produktion entscheidet über Deutschlands Industriekraft
30.05.2026

Eine Fabrik von 1961 wird zum Vorbild für die Industrie von morgen. Bei ams OSRAM zeigt sich, dass künstliche Intelligenz nicht nur neue...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Aktien schließen auf Rekordhoch, angeführt von Tech-Werten, während der Nasdaq im Mai 8 Prozent gewinnt
29.05.2026

Künstliche Intelligenz und überraschende diplomatische Wendepunkte beflügeln die Märkte – erfahren Sie, was die Börsen aktuell...

DWN
Finanzen
Finanzen Bitcoin: Unbekannter vernichtet Vermögen im Millionenwert
29.05.2026

Ein Unbekannter schickt 107 Bitcoin an eine Adresse, von der es keinen Rückweg gibt. Knapp sieben Millionen Euro sind damit praktisch aus...