Finanzen

Edel- und Industriemetalle: Was das Jahr 2022 für Anleger bereithält

Anleger sollten sich auf das kommende Jahr vorbereiten. Es ergeben sich Anlagemöglichkeiten.
20.12.2021 11:00
Aktualisiert: 20.12.2021 11:00
Lesezeit: 3 min
Edel- und Industriemetalle: Was das Jahr 2022 für Anleger bereithält
Ein Mitarbeiter der Aurubis AG kontrolliert am 01.03.2011 in Hamburg das aus dem Anodenofen laufende flüssige Kupfer. (Foto: dpa) Foto: Marcus Brandt

Angebotsengpässe haben die Rohstoffmärkte in diesem Jahr in vielen Bereichen geprägt. Die Förderung von Industriemetallen oder Rohöl hielt mit der kraftvollen Erholung der Weltwirtschaft von den Folgen der Coronavirus-Krise nicht mit. Für das kommende Jahr erwarten Experten eine Entspannung der Lage. Außerdem schwinde die Furcht vor einer neuen Rezession durch ein Wiederaufflammen der Pandemie. „Mit Covid-19 werden wir in Zukunft leben müssen – genauso wie mit Grippeviren“, sagt Colin Graham, Manager beim Vermögensverwalter Robeco. „Mittlerweile reagieren die Märkte weniger heftig auf neue Ausbrüche, so dass das Auftauchen einer neuen Variante nicht zu einem länger anhaltenden Kurseinbruch führen sollte.“

Nachfolgend eine Übersicht der wichtigsten Rohstoffklassen und was Analysten für die kommenden Monate erwarten:

EDELMETALLE

Anders als Industriemetalle oder Rohöl hängt die Entwicklung des Goldpreises weniger von der Konjunktur, sondern von der Geldpolitik ab. Denn der Kurs der „Anti-Inflationswährung“ atmet mit der Teuerungsrate und der Antwort der Notenbanken darauf.

Pessimistisch beurteilt BayernLB-Chefvolkswirt Jürgen Michels die Aussichten für das gelbe Metall. Da der Preisdruck voraussichtlich nachlasse und dadurch die Realrenditen – Zinsen abzüglich Inflation - anzögen, werde das Edelmetall für Investoren unattraktiver. Dadurch werde sich Gold auf 1650 von derzeit rund 1800 Dollar je Feinunze (31,1 Gramm) verbilligen. Im auslaufenden Jahr droht Gold mit einem Minus von etwa fünf Prozent der größte Jahresverlust seit 2015.

Fondsmanager Benjamin Louvet vom Vermögensverwalter Ofi traut dem Edelmetall dagegen einen Kurs von mehr als 2000 Dollar zu. „Angesichts der massiven Verschuldung der großen Volkswirtschaften werden die Zentralbanken die Nominalzinsen nur in einem Tempo anheben können, das unter dem der Inflation liegt.“ Dadurch gingen die Realrenditen zurück.

Bei Platin und Palladium, die bei industriellen Produkten eine wichtige Rolle spielen, erwartet Fondsmanager Louvet nach einem verlustreichen 2021 ebenfalls Kurssteigerungen. Platin werde beim Bau von Elektrolyseuren, die zur Herstellung von Wasserstoff benötigt werden, verwendet. Bei Palladium, das unter anderem in Autokatalysatoren zu finden ist, werde die Nachfrage das Angebot 2022 das elfte Jahr in Folge übersteigen.

ERDÖL UND ERDGAS

Entspannung an der Tankstelle ist dagegen nicht in Sicht: Die Opec+ werde ihre Förderquoten nur zögerlich ausweiten, schreiben die Analysten der Bank Wells Fargo. Gleichzeitig werde die US-Produktion langsamer steigen als gedacht und die Nachfrage dank der anhaltenden wirtschaftlichen Erholung anziehen. Die Wells-Fargo-Experten sehen die Preise für die Ölsorte Brent aus der Nordsee und das US-Öl WTI Ende 2022 bei bis zu 95 beziehungsweise 100 Dollar je Barrel (159 Liter). Zu den aktuellen Kursen wären das Zugewinne von 30 beziehungsweise rund 40 Prozent, etwa auf dem Niveau der vergangenen Monate. Ähnliche Hausnummern nennen die Kollegen von der Bank Morgan Stanley. Sie verweisen auf die historisch niedrigen Lagerbestände des „Schwarzen Goldes“.

Einen noch spektakuläreren Preissprung von 600 Prozent verbuchte Erdgas. Angesichts der anhaltenden Spannungen des Westens mit Russland rechnen Experten nicht mit einem kräftigen Anstieg der Gas-Lieferungen aus dem Land. Da der Füllstand der Lager in Deutschland zudem unterdurchschnittlich sei, könnte ein langer und harter Winter zu einem ernsthaften Problem werden.

INDUSTRIEMETALLE

Commerzbank-Analyst Daniel Briesemann geht nicht davon aus, dass sich die Rally der Metallpreise im neuen Jahr fortsetzt. Er rechnet eher mit einer „Seitwärtsbewegung unter Schwankungen“. Vor allem die anstehende Straffung der US-Geldpolitik und die damit erwartete Aufwertung des Dollar dürften sich negativ auf die Nachfrage und Preise auswirken. Je teurer die Weltleitwährung, desto unattraktiver wird der in Dollar abgerechnete Kauf von Kupfer, Aluminium & Co für Investoren. Er sieht den Kupferpreis Ende 2022 bei 9500 Dollar je Tonne und damit ungefähr so hoch wie derzeit. Gleiches gilt etwa für den Aluminium, das bei 2600 Dollar liegen dürfte. Im auslaufenden Jahr hat sich Kupfer bislang wie 2020 um mehr als 20 Prozent verteuert. Aluminium winkt mit einem Plus von fast 40 Prozent sogar der größte Jahresgewinn seit 2009.

STROM

Für Stromkunden kann vorerst keine Entwarnung gegeben werden. Hohe Preise für Erdöl oder -gas, das zur Produktion von Elektrizität benötigt wird, machen diesen Energieträger teurer. Hinzu kommt die zunehmende Elektrifizierung der Wirtschaft und des Straßenverkehrs, die den Bedarf in die Höhe treibt.

Wie Anleger die Aussichten einschätzten, lasse sich an der jüngsten Rekordjagd des Terminkontrakts zur Lieferung von Elektrizität in einem Jahr ablesen, sagt Ivan Mlinaric, Geschäftsführer des Vermögensverwalters Quant Capital. „Der sehr steile Anstieg spricht dafür, dass die Marktteilnehmer eher einen Anstieg als einen Rückgang der Strompreise erwarten.“ Der Futures hat seinen Kurs seit Jahresbeginn verfünffacht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

 

Jede Anlage am Kapitalmarkt ist mit Chancen und Risiken behaftet. Der Wert der genannten Aktien, ETFs oder Investmentfonds unterliegt auf dem Markt Schwankungen. Der Kurs der Anlagen kann steigen oder fallen. Im äußersten Fall kann es zu einem vollständigen Verlust des angelegten Betrages kommen. Mehr Informationen finden Sie in den jeweiligen Unterlagen und insbesondere in den Prospekten der Kapitalverwaltungsgesellschaften.

DWN
Finanzen
Finanzen Alternative Investments: Pokémon-Karte für 330.000 Euro verkauft, doch der Verkäufer hofft trotzdem auf 30 Prozent Marktrückgang
28.10.2026

Das dänische Unternehmen Rogerz hat mit dem Verkauf einer Pokémon-Karte für rund 330.000 Euro einen neuen Verkaufsrekord aufgestellt....

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street steigt, da KI-Optimismus Tech-Aktien beflügelt
27.10.2026

Technologie-Schwergewichte und wichtige Quartalszahlen bringen Bewegung in die US-Märkte – erfahren Sie, welche Entwicklungen die...

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO: Claude-Entwickler lockt mit Wachstum und warnt zugleich vor enormen Kosten
27.10.2026

Das Anthropic-IPO könnte zu einem der wichtigsten Börsengänge des Jahres werden. Der Claude-Entwickler meldet explosives Umsatzwachstum,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ingenieurmangel trotz Rekordarbeitslosigkeit: Warum Deutschlands Technikarbeitsmarkt gespalten ist
27.10.2026

Mehr offene Stellen, aber gleichzeitig ein neuer Höchststand bei der Arbeitslosigkeit: Deutschlands Ingenieur- und IT-Arbeitsmarkt sendet...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Temu und Shein werden teurer: EU kassiert ab November zusätzlich
27.10.2026

Ein paar günstige Produkte aus China bestellen und dabei kräftig sparen? Das könnte sich für deutsche Verbraucher bald weniger lohnen....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Firma gründen in 24 Stunden: Was jetzt wirklich möglich ist – und was nicht
27.10.2026

Ein eigenes Unternehmen an nur einem Tag gründen: Das neue Bundesportal G24 soll dem behördlichen Zickzackkurs ein Ende setzen. Seit Ende...

DWN
Finanzen
Finanzen Microsoft-Aktie im Fokus: US-Konzern bietet 60.000 Mitarbeitern Abfindungen an
27.10.2026

Der US-Softwarekonzern Microsoft bietet rund 60.000 Beschäftigten in vier Ländern einen freiwilligen Abschied gegen eine Abfindung an....

DWN
Finanzen
Finanzen Micron-Technology-Aktie zwischen KI-Boom und China-Risiko: Was Anleger jetzt beachten sollten
27.10.2026

Nach heftigen Kursschwankungen steht die Micron-Aktie erneut im Mittelpunkt des Anlegerinteresses. Der Speicherchiphersteller profitiert...