Finanzen

Pro und Kontra: Kommt es 2022 zu einer Goldpreis-Rallye?

Ob es im kommenden Jahr zu einer Goldpreis-Rallye kommt, bleibt ungewiss. Einige Analysen rechnen langfristig mit einem Goldpreis von 10.000 US-Dollar, während wiederum andere Analysen skeptisch sind.
27.12.2021 13:59
Aktualisiert: 27.12.2021 13:59
Lesezeit: 2 min
Pro und Kontra: Kommt es 2022 zu einer Goldpreis-Rallye?
Drei Goldbarren liegen auf einem Tisch. (Foto: dpa) Foto: ---

Da die Inflation in diesem Jahr eine der Hauptängste war, dachten viele Anleger, dass Gold aufgrund seiner Inflationsabsicherungseigenschaften steigen würde. Aber es gab viele andere widersprüchliche Botschaften, darunter der US-Aktienmarkt, die starke wirtschaftliche Erholung, der US-Dollar und die Realrenditen, sagt Jordan Eliseo, Manager bei „Perth Mint“.

Kitco News“ zitiert Eliseo: „Wir haben gesehen, wie dieses Jahr mehr Geld in Aktienstrategien floss als in den letzten 20 Jahren zusammen. Es war die beste Periode, die fast jemals für Aktien verzeichnet wurde. Das hat Gold zurückgehalten. Der US-Dollar-Index ist in diesem Jahr um rund acht Prozent gestiegen. Das ist ein natürlicher Gegenwind für Gold. Wenn man sich die realen Renditen ansieht, ist die Rendite 10-jähriger Staatsanleihen in diesem Zeitraum von etwa -1,1 Prozent auf -0,6 Prozent gestiegen. Und die Wirtschaft hat sich viel besser entwickelt, als die meisten Leute erwartet hatten.“

Trotzdem meint er, dass im kommenden Jahr ein Goldpreis von 2.000 US-Dollar möglich sei. Das sei keine Vorhersage, sondern eine Wahrscheinlichkeit. „Es wird also wirklich faszinierend zu beobachten, wie sich dies im Jahr 2022 entwickelt. Wenn der Markt auch nur ahnen kann, dass die Inflation dauerhafter sein wird, wird dies sowohl für die politischen Entscheidungsträger als auch für die Anleger einige Herausforderungen mit sich bringen“, so Eliseo.

„Das Jahr neigt sich dem Ende und die Analysten sind damit beschäftigt, ihre Prognosen für 2022 zu veröffentlichen. Die ABN Amro glänzt dabei mit einer besonders negativen Prognose für den Goldpreis. Das Edelmetall soll im kommenden Jahr auf 1.500 Dollar, im Jahr 2023 dann auf 1.300 Dollar fallen“, so „Der Aktionär“ in einem gesonderten Beitrag.

Doch es gibt auch andere Stimmen. Der Gründer von „Myrmikan Capital“, Daniel Oliver, ist der Ansicht, dass der Goldpreis auf 10.000 US-Dollar steigen wird. Die aktuelle Billiggeld-Flut der US-Notenbank Fed könne nur zwei Folgen haben: Entweder werde die Inflation explodieren oder die Fed und alle anderen Notenbanken werden den Leitzins drastisch erhöhen. Dies würde dazu führen, dass das gesamte Finanzsystem in sich zusammenbricht.

Der Aktionär“ zitiert Oliver: „Die Bilanz der Federal Reserve ist dem Risiko einer Abwertung ausgesetzt. Sollten die zugrundeliegenden Assets ausfallen, wird Gold auf einen Preis steigen, der die Bilanz der Fed ausgleicht. Wie Sie wissen, befand sich die Fed aufgrund des Corona-Virus in einem massiven Kaufrausch, weshalb der Gleichgewichtspreis für Gold entsprechend steigt und die Zahlen, die diese Bilanz jetzt ausgleichen, enorm hoch sind. Meine Prognose für den Goldpreis hat sich geändert. Ich bin jetzt bei 10.000 US-Dollar.“

Die Weltbank hatte zuvor einen Rückgang des Goldpreises auf 1.740 US-Dollar/Unze im Jahr 2021 von durchschnittlich 1.775 US-Dollar/Unze im Jahr 2020 prognostiziert. Der aktuelle Goldpreis liegt bei 1.806,49 US-Dollar pro Unze (Stand: 27. Dezember 2021 – 13:47 Uhr). In den nächsten 10 Jahren soll der Goldpreis bis 2030 auf 1.400 US-Dollar/Unze sinken, so die Weltbank.

Xetra Gold“ berichtet: „Die Analysten der Société Générale haben diese Woche ihre Prognose für den Goldpreis für das erste Quartal 2022 auf 1.950 US$ angehoben, gehen im weiteren Verlauf des Jahres jedoch von einer rückläufigen Entwicklung bis auf 1.700 US$ für das vierte Quartal 2022 aus. In einem Beitrag des Fachmagazins Institutional Money weist Chefanalyst Dimitri Speck von Seasonax auf den saisonalen Anstieg des Goldpreises von November bis Februar hin, sieht dabei aber auch positive Signale für die weitere Preisentwicklung 2022.“

Wie sich der Goldpreis in den kommenden Monaten und Jahren entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Es gibt Stimmen, die mit einem drastischen Anstieg rechnen, während andere keine großen Bewegungen beim Goldpreis erwarten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Aktie: Betriebsrat will Wolfsburg stärken – Ausblick auf neuen VW Golf 9
08.03.2026

Volkswagen zeigt erstmals den elektrischen VW Golf 9 – allerdings nur als Umriss. Wie Betriebsratschefin Cavallo die Zukunft des...

DWN
Finanzen
Finanzen A Man in Finance: Wenn KI den Banker ersetzt – und wo ist Geld eigentlich noch sicher?
08.03.2026

Der Traum vom „Man in Finance“ galt lange als romantisierte Sicherheitsstrategie in unsicheren Zeiten. Doch wenn Algorithmen künftig...

DWN
Technologie
Technologie Heizen mit Wärmepumpe: Mythen im Faktencheck – worauf Sie wirklich achten sollten!
08.03.2026

Wärmepumpen gelten als Schlüsseltechnologie der Energiewende im Gebäudesektor. Trotzdem halten sich viele Mythen hartnäckig: zu laut,...

DWN
Finanzen
Finanzen Preis-Leistungs-Check: Lynk & Co 01 mit 280 PS und Vollausstattung
08.03.2026

Der Lynk & Co 01 kombiniert als Plug-in-Hybrid-SUV 280 PS, großzügige Ausstattung und einen Preis von 36.000 bis 40.000 Euro zu einem...

DWN
Politik
Politik Sachverständigenrat: Deutsche Regierung schlägt Felbermayr als "Wirtschaftsweisen" vor
08.03.2026

Ums Personal eines der wichtigsten Beratergremien der Bundesregierung gab es kürzlich Aufregung. Jetzt präsentiert Schwarz-Rot einen...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuerbetrug mit Luxusautos: Festnahmen bei EU-weiter Razzia
08.03.2026

Großaktion gegen Steuerbetrug: In neun EU-Ländern durchsuchen Beamte Objekte. Die Köpfe des weit verzweigten Netzwerks sollten in...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Produktion unter Druck: Warum Deutschland die Verlagerung nach Osteuropa bereut
08.03.2026

Die Verlagerung der Produktion nach Osteuropa galt lange als bewährte Strategie deutscher Industrieunternehmen, um Kosten zu senken und...

DWN
Finanzen
Finanzen Inflation in der Eurozone: EZB vor dem nächsten Zinsschock
07.03.2026

Die Inflation in der Eurozone galt vielen bereits als gebändigt. Doch ausgerechnet Frankreich und Spanien liefern neue Preissignale, die...