Unternehmen

Skepsis zum Jahreswechsel: Entspannung wohl erst im zweiten Quartal

Sich nicht die Laune verderben zu lassen, ist durch die Verbreitung der Omikron-Variante nicht ganz so einfach. Doch immerhin zeigt sich im zweiten Quartal ein kleiner Lichtblick.
30.12.2021 14:12
Aktualisiert: 30.12.2021 14:12
Lesezeit: 2 min

„Mit der Omikron-Variante des Coronavirus droht der Wirtschaft ein neuer Rückschlag. Wahrscheinlich ist, dass die deutsche Wirtschaftsleistung Anfang 2022 schrumpft, da die Industrie wegen anhaltender Materialengpässe vorerst kein ausreichendes Gegengewicht zu den betroffenen Dienstleistungen schaffen kann. Bei mutmaßlich kommenden Impfpflichten, wärmerem Wetter und angepassten Impfstoffen kann man jedoch auf eine Entspannung bei den Dienstleistungen im zweiten Quartal hoffen.“

Das hat die Chefvolkswirtin der KfW, Fritzi Köhler-Geib, anlässlich der Präsentation des neuen KfW-ifo-Mittelstandsbarometers gesagt. Denn die Stimmung unter den Managern hat sich im Dezember immer weiter verfinstert. So hat sich die Atomosphäre um 4,0 Zähler eingetrübt und ihren Abwärtstrend fortgesetzt, der seit dem Juli andauert. Nur kurz hatte es im Oktober etwas Hoffnung gegeben, als sich die Werte für vier Wochen gebessert hatten.

Derzeit lesen sich die Zahlen wirklich nicht gut: Mit jetzt minus 3,1 Saldenpunkten fällt die Stimmung erstmals seit April unter die Nulllinie, ist also schlechter als im historischen Durchschnitt. Beide Geschäftsklimakomponenten geben deutlich nach: Die Urteile zur aktuellen Geschäftslage verlieren 3,6 Zähler und notieren nun noch bei 5,5 Saldenpunkten. Die auf Sechsmonatssicht abgefragten Erwartungen verschlechtern sich sogar um 4,5 Zähler. Mit minus 11,3 Saldenpunkten notieren sie jetzt wieder tief im pessimistischen Bereich – ein Déjà-vu zum vergangenen Jahreswechsel.

Auch die Großunternehmen werden im Dezember wieder in den Abwärtsstrudel hineingezogen, nachdem sich die Stimmung dort im November vorübergehend stabilisierte. Mit minus 3,8 Zählern auf 0,8 Saldenpunkte fällt die Abkühlung des Geschäftsklimas bei ihnen praktisch genauso groß aus wie im Mittelstand. Allerdings sind es hier die Urteile zur aktuellen Geschäftslage (minus 4,9 Zähler auf 6,1 Saldenpunkte), die etwas stärker zu der Verschlechterung beitragen als die Geschäftserwartungen (minus 2,9 Zähler auf minus 4,3 Saldenpunkte).

Weitere Verfinsterung auch im Einzelhandel

Blickt man in die einzelnen Wirtschaftsbereiche, so verfinstert sich die Stimmung sowohl unter den Dienstleistungsunternehmen als auch im Einzelhandel im Dezember schlagartig. Sowohl große als auch mittlere und kleine Unternehmen vermelden Rückgänge des Geschäftsklimas von teils mehr als dem Dreifachen einer üblichen Vormonatsveränderung. Die inzwischen eisige Stimmung verwundert kaum. Die gerade erst auf hohem Niveau abflachende Delta-Welle hat bereits einschränkende Maßnahmen wie 2G-Regelungen notwendig gemacht und aus Angst vor Ansteckung zu einer gewissen freiwilligen Zurückhaltung bei kontaktintensiven Dienstleistungen wie dem Besuch von Restaurants, Freizeit-, Unterhaltungs- und Erholungseinrichtungen, aber auch des stationären Handels geführt. Mit dem voraussichtlichen Anschwellen der durch die neue Virusvariante Omikron entstehenden Welle drohen zu Beginn von 2022 weitergehende Kontakteinschränkungen, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu vermeiden.

„Dunkle Wolken ziehen am winterlichen Konjunkturhimmel auf und verdüstern den Ausblick auf 2022 – mit dieser sorgenvollen Botschaft beschließt das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer das zweite Jahr der Corona-Pandemie“, sagt Köhler-Geib. Allerdings würden auch neue Störungen in den globalen Lieferketten wahrscheinlicher, wenn es wegen Omikron bei wichtigen Handelspartnern zu Schließungen von Produktionsanlagen oder Logistikdrehkreuzen kommt und sich die Wende in der Industrie hinauszögert. Kritisch ist hier insbesondere China, das wohl bei seiner strikten Zero-Covid-Politik bleiben wird. „Insgesamt wird die Konjunkturdelle im Winterhalbjahr wohl größer ausfallen als noch vor wenigen Wochen erwartet – und auch die anschließende Erholung geht zunächst langsamer voran“, so Köhler-Geib.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt 2.000 Fälle pro Tag: Wie das Legal-KI JUPUS aus Köln von der Kanzleikrise profitiert
28.08.2026

Weil Anwaltskanzleien keine Fachkräfte finden, boomt das Legal Tech von René Fergen. Das Unternehmen lässt eine KI die...

DWN
Immobilien
Immobilien Nebenkostenabrechnung prüfen: Wo Mieter sparen und widersprechen können
28.08.2026

Heizung, Wasser, Müllabfuhr oder Hausreinigung – Nebenkosten umfassen viele laufende Ausgaben rund ums Wohnen. Doch nicht jede Position...

DWN
Politik
Politik Koalition: Union und SPD setzen sich ehrgeizige Ziele bis Jahresende
28.08.2026

Union und SPD wollen mit dem "Mut von Münster" mehrere umstrittene Reformen durch den Bundestag bringen. An der Spitze der Koalition ist...

DWN
Politik
Politik Facharzttermine ab 2028: Forderung nach stärkerer Steuerung mit Anreizen
28.08.2026

Patientinnen und Patienten sollen künftig gezielter durch das Gesundheitssystem geführt werden. Aus Sicht der Ärzteschaft braucht es...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Sozialreformen verunsichern: 81 Prozent sorgen sich um ihre finanzielle Absicherung
28.08.2026

Die Debatte über mögliche Einschnitte bei Rente, Krankenversicherung und Pflege verunsichert viele Menschen in Deutschland. Eine neue...

DWN
Politik
Politik Atomwaffen: Bundesregierung dementiert Finanzierungspläne
28.08.2026

Die Bundesregierung weist einen Bericht über mögliche deutsche Gelder für britische und französische Atomwaffenprogramme zurück....

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Krankschreibung: Kündigung ohne Arztkontakt wirksam
28.08.2026

Eine Online-Krankschreibung ohne Arztgespräch kann für Arbeitnehmer ernste Folgen haben. Das Landesarbeitsgericht Hamm sieht darin einen...

DWN
Politik
Politik Thüringen unter Spannung: Höcke scheitert erneut mit Misstrauensantrag gegen Voigt
28.08.2026

AfD-Fraktionschef Björn Höcke hat Thüringens CDU-Ministerpräsidenten Mario Voigt erneut herausgefordert und ist erneut gescheitert....