Politik

Trotz beiderseitiger Stärkebekundungen: Die Zeichen zwischen Russland und den USA stehen auf Dialog

Das Gespräch zwischen US-Präsident Joe Biden und Russlands Präsident Wladimir Putin ist sehr positiv verlaufen.
31.12.2021 20:40
Lesezeit: 2 min

US-Präsident Joe Biden und sein russischer Amtskollege Wladimir Putin haben sich zum zweiten Mal in diesem Monat miteinander ausgetauscht. Beide Staatsoberhäupter hätten vor einer Eskalation des Ukraine-Konflikts gewarnt, gaben amerikanische und russische Regierungsvertreter nach dem Gespräch bekannt. Die Pressesprecherin des US-Präsidialamtes, Jen Psake, sagte, Biden hätte deutlich gemacht, "dass die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten entschlossen reagieren werden, wenn Russland weiter in die Ukraine vordringt". Sollte sich Russland zu einer Invasion der Ukraine entscheiden, werde dies „massive Kosten und Konsequenzen“ nach sich ziehen. Gleichzeitig betonte das Weiße Haus, die Gespräche, die auf russischen Wunsch stattgefunden hätten, seien gut verlaufen, vor allem inhaltlich gehaltvoll.

Putin warnte vor Sanktionen, sie seien ein großer Fehler und könnten die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen zerstören. Foreign Policy, neben Foreign Affairs eines der zwei wichtigsten außenpolitischen Magazine in den USA und das liberalere der beiden, veröffentlichte am Donnerstag einen Artikel des russischen Botschafters in Washington, Anatoly Antonov. Dieser schreibt unter anderem, es habe seit Auflösung der Sowjetunion fünf große Erweiterungswellen der Nato gegeben, obwohl die Nato erklärt habe, die größte Gefahr komme aus dem Süden – dort, wo der Iran läge. Pro Jahr fänden rund 40 Manöver in der Nähe der russischen Grenze statt. Die USA übe den Abschuss von Cruise-Missiles auf russische Ziele. Und die Nato versuche, die Ukraine und Georgien als neue Mitglieder zu gewinnen. Insgesamt sei „die Situation extrem gefährlich“.

Aber: Antonov schreibt auch von gegenseitigen Sicherheitsgarantien. Diese enthielten „Bedingungen für eine Deeskalation in Europa, die Wiedergewinnung von Vertrauen sowie die Intensivierung von Zusammenarbeit“. Und auch ein Berater des Kremls, Juri Uschakow, erklärte, Russland sei mit dem Telefongespräch zufrieden gewesen. Und so zeigten sich beide Seiten, Russen als auch Amerikaner, optimistisch über die bevorstehenden Gespräche im Januar, die zu einer Entspannung der Beziehungen beitragen könnten.

Und es sind eine ganze Reihe von Gesprächen zwischen westlichen und russischen Vertretern anberaumt. Am 10. Januar sollen bilaterale Sicherheitsgespräche in Genf stattfinden, in denen es unter anderem um die Ukraine und um Atomwaffen gehen wird. Am 12. Januar trifft sich der Nato-Russland-Rat, am 13. Januar der Ständige Rat der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa“ (OSZE). Die Woche der Wahrheit, sozusagen.

Hintergrund: Die Beziehungen zwischen Russland und dem Westen haben sich wegen einer ganzen Reihe von Streitpunkten in den vergangenen Jahren immer weiter verschlechtert. Im Fokus stand dabei zuletzt insbesondere der Ukraine-Konflikt. Der Aufmarsch Zehntausender russischer Soldaten in der Nähe der Grenze zu der ehemaligen Sowjetrepublik hat in den vergangenen Wochen Sorgen vor einer Invasion geschürt. Zudem sieht sich die Führung in Kiew seit Jahren mit einem bewaffneten Aufstand prorussischer Separatisten im Osten ihres Landes konfrontiert.

Die Führung in Moskau dementiert angebliche Angriffspläne auf die Ukraine und pocht auf ihr Recht, Truppen auf eigenem Gebiet so zu bewegen, wie sie es für notwendig erachtet. Sie äußert sich besorgt über Waffenlieferungen aus dem Westen an die Ukraine und befürchtet eine Ostererweiterung der Nato. Putin fordert Garantien, dass die westliche Militärallianz darauf verzichtet, ebenso wie auf die Stationierung bestimmter Waffensysteme in der Ukraine und anderen benachbarten Ländern.

LESEN SIE NÄCHSTE WOCHE DEN KOMMENTAR VON DWN-CHEFREDAKTEUR HAUKE RUDOLPH:

Warum es keinen Krieg um die Ukraine geben wird - warum es überhaupt nie wieder Krieg in Europa geben wird

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Finanz Informatik: Der unsichtbare Riese hinter der Sparkassen-Digitalisierung
09.10.2026

Vom Online-Banking bis zu Wertpapiergeschäften – die Finanz Informatik digitalisiert 338 Sparkassen und betreut rund 114 Millionen...

DWN
Politik
Politik Brüssel schlägt vor: weniger Kommissare, weniger Vetos, mehr Schutzklauseln und 15 Jahre Kontrolle neuer Mitglieder
09.10.2026

Die Europäische Kommission will in den bisherigen Mitgliedstaaten Unterstützung für die Erweiterung gewinnen, da dort Sorgen über die...

DWN
Finanzen
Finanzen Investor Felix: Sechs Gründe, warum die Micron-Aktie zum Kauf einlädt
09.10.2026

Das Problem besteht nicht darin, einen Grund für den Kauf zu finden, sondern sich zu vergewissern, dass man davon nicht bereits zu viel im...

DWN
Politik
Politik Per Haftbefehl gesucht: Mehr als 148.000 offene Haftbefehle in Deutschland
09.10.2026

Warum bleiben Tausende Haftbefehle in Deutschland offen? Welche Rolle spielen Ersatzfreiheitsstrafen und die Staatsangehörigkeit dabei?

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entstehung eines Mega-Reeders stockt: Israel hat ZIM-Übernahme noch nicht genehmigt
09.10.2026

Hapag-Lloyd will mit der Übernahme von ZIM einen der größten Deals seiner Geschichte abschließen. Doch Israel hat dem 4,2 Milliarden...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 46: Die Woche im Rückblick – KW 41
09.10.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Politik
Politik Führerscheinreform: Führerschein könnte bis zu 1.000 Euro günstiger werden
09.10.2026

Wie viel spart man wirklich durch die Führerscheinreform? Verkehrsminister Steffen Bilger nennt erstmals konkrete Zahlen – und erklärt,...

DWN
Finanzen
Finanzen Gold schützt nicht vor jedem Risiko
09.10.2026

Gold gilt als sicherer Hafen – doch wer sein Vermögen schützen will, sollte sich nicht auf ein einziges Edelmetall verlassen....