Finanzen

Wegen Strafzinsen: Deutsche flüchten in Aktien, Fonds und Zertifikate

Die Strafzinsen, die die Banken wegen der EZB-Geldpolitik ihren Kunden auferlegen müssen, ändern das Anlageverhalten der Deutschen. Immer mehr horten kein Bargeld, sondern legen ihr Geld an der Börse an.
02.01.2022 17:44
Aktualisiert: 02.01.2022 17:44
Lesezeit: 1 min

Viele Menschen in Deutschland haben 2021 ihr Vermögen weiter gemehrt. In Summe sind die privaten Haushalte so reich wie nie, wie die DZ Bank berechnet hat. Demnach dürfte ihr Geldvermögen im abgelaufenen Jahr um mehr als sieben Prozent auf den Rekordwert von fast 7,7 Billionen Euro zugelegt haben.

„Hauptantriebsmotor für den Vermögensaufbau war die zwar leicht gesunkene, im historischen Vergleich aber erneut extrem hohe Ersparnis“, erklärte DZ-Bank-Ökonom Michael Stappel. Er geht davon aus, dass die Sparquote 2021 mit über 15 Prozent erneut vergleichsweise hoch war. Je 100 Euro verfügbarem Einkommen hätten die privaten Haushalte dann 15 Euro auf die hohe Kante gelegt.

Erst im Sommer 2021 ließen Lockerungen der Corona-Einschränkungen und die Hoffnung, die Pandemie in den Griff zu bekommen, die private Sparquote wieder erkennbar sinken. Im dritten Quartal verringerte sie sich nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes auf 10,7 Prozent und kam damit an das Niveau der Vor-Corona-Zeit heran.

„Die Konsumfreude der privaten Haushalte erfuhr jedoch bereits im Herbst erneut eine Eintrübung, als die vierte Corona-Welle mit voller Wucht einsetzte und die neu aufgetauchte Omikron-Variante für Verunsicherung sorgte“, beschreibt Stappel in seiner Analyse.

Viele Haushalte parken Geld in solchen Zeiten schlicht auf dem Girokonto. Weil so häufig große Summen unverzinst - oder im schlechtesten Fall gar mit Strafzinsen belastet – bei der Bank herumliegen, trauen sich die eher risikoscheu geltenden Sparer in Deutschland zunehmend an den Aktienmarkt.

„Mit zunehmender Dauer der Extrem-Niedrigzins-Phase und fehlender Aussicht auf einen baldigen spürbaren Zinsanstieg reagierten (...) immer mehr Bürger mit einem angepassten Anlageverhalten“, fasst die DZ-Bank-Analyse zusammen. „Viele stiegen neu ins Wertpapiergeschäft ein – vor allem auch junge Anleger.“ In der Zeit von September 2019 bis September 2021 zum Beispiel habe die Zahl der Wertpapierdepots in Deutschland um 3,9 Millionen auf 27,1 Millionen zugenommen.

Kursgewinne an den Börsen mehrten den Wert von Aktien, Fonds und Zertifikaten - und damit in Summe das Geldvermögen der privaten Haushalte. Stappel rechnet damit, dass dies auch im neuen Jahr der Fall sein wird: „Der Geldvermögensanstieg wird 2022 durch eine niedrigere Sparquote zwar etwas schwächer ausfallen als im Vorjahr, doch dafür sollte der Aufschwung die Kursentwicklung an den Börsen unterstützen und erneut zu Wertzuwächsen des privaten Geldvermögens beitragen.“

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