Deutschland

Nahrungsmittel: Inflation erreicht teils extreme Ausmaße

Die Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte haben ihre Preise im Dezember so kräftig angehoben wie seit 2011 nicht mehr. Die Inflation zieht an.
14.02.2022 10:31
Lesezeit: 1 min

Die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte stiegen im Dezember um durchschnittlich 22,1 Prozent. "Dies ist der höchste Preisanstieg gegenüber einem Vorjahresmonat seit Juli 2011", wie das Statistische Bundesamt am Montag mitteilte. Pflanzliche Produkte verteuerten sich mit 28,8 Prozent besonders stark, tierische Erzeugnissen um 17,4 Prozent.

"Der Preisanstieg bei den pflanzlichen Produkten ist unter anderem auf die seit Juli 2020 steigenden Getreidepreise zurückzuführen", erklärten die Statistiker. Diese lagen im Dezember um 40,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ausschlaggebend dafür "bleibt die hohe Nachfrage aus dem In- und Ausland bei gleichzeitig geringen Erntemengen".

Raps verteuerte sich mit 68,2 Prozent sogar so stark wie seit Juli 2008 nicht mehr. "Der Aufwärtstrend liegt hier vor allem am weltweit sinkenden Angebot bei gleichzeitig hoher Nachfrage, beispielsweise für die Energiegewinnung", so die Statistiker.

Für Speisekartoffeln wurden 60,2 Prozent mehr verlangt. Das wird vor allem auf witterungsbedingt geringe Erntemengen sowie ein relativ niedriges Preisniveau im Dezember 2020 zurückgeführt: Damals gab es aufgrund großer Erntemengen und fehlender Absatzmöglichkeiten durch Corona in der Gastronomie einen Preiseinbruch von 50,8 Prozent. Schnittblumen kosteten fast ein Viertel mehr, während Gemüse 3,3 Prozent billiger war. Preisrückgänge gab es unter anderem bei Salat mit minus 3,0 Prozent und bei Kohlgemüse mit minus 2,5 Prozent.

Bei den tierischen Produkten kletterte etwa der Milchpreis um 22,0 Prozent. Bei Schlachtschweinen sind die Preise erstmals seit April 2020 gestiegen: Sie lagen um 4,5 Prozent über denen von Dezember 2020, was mit einer etwas stärkere Nachfrage unter anderem durch die Gastronomie erklärt wird. Die Preise für Rinder zogen um 27,7 Prozent an. Bei Schafen und Ziegen wurden ebenfalls weiterhin steigende Preise beobachtet (+18,4 Prozent).

Im Jahresdurchschnitt 2021 legten die Erzeugerpreise landwirtschaftlicher Produkte um 8,8 Prozent zu. Die Deutschen müssen dem Münchner Ifo-Institut zufolge auf spürbar steigende Lebensmittelpreise einstellen.

"Nach unseren Umfragen planen in den kommenden Monaten mehr als zwei Drittel der Nahrungsmittelhersteller weitere Preisanhebungen", sagte Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser, der Welt am Sonntag. Das seien so viele wie nie zuvor im wiedervereinigten Deutschland. "Somit dürften die Nahrungsmittelpreise in diesem Jahr ein maßgeblicher Inflationstreiber werden." Das Institut rechnet damit, dass die Lebensmittelpreise um sieben Prozent gegenüber 2021 zulegen werden.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Politik
Politik Politik und Gesellschaft: Warum die Geburtenrate in Deutschland weiter sinkt
11.07.2026

Die durchschnittliche Zahl der Kinder, die eine Frau in Deutschland zur Welt bringt, ist auf den niedrigsten Wert seit rund 30 Jahren...

DWN
Panorama
Panorama Trump verdiente im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde, den größten Teil davon mit Kryptowährungen
11.07.2026

Der Vermögensbericht des US-Präsidenten und des Vizepräsidenten wurde veröffentlicht.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Was passiert, wenn eine Kuh eine Smartwatch bekommt?
11.07.2026

HeroLabs, das slowenische Start-up des Jahres, hat fast sechstausend Kühe mit den MooHero-Smart-Halsbändern ausgestattet; nun...

DWN
Finanzen
Finanzen Schuldenweltmeister Deutschland: Regierung plant noch mehr Schulden - wird die Defizitgrenze gekillt?
10.07.2026

Die Staatsverschuldung wächst unter Bundesfinanzminister Klingbeil rasant und die Regierung hat bisher keinen Plan gegen steigende...

DWN
Politik
Politik Mammutsitzung vor der Sommerpause: Bundesrat beschließt zahlreiche Gesetze nach turbulenten Debatten
10.07.2026

Die Länderkammer hat sich mit einer außergewöhnlich dynamischen und dicht gedrängten Sitzung in die parlamentarische Sommerpause...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt 22 Euro pro Kasten: Wie eine Allgäuer Familienbrauerei die Branche aufmischt
10.07.2026

Der Bierabsatz in Deutschland stürzt auf ein historisches Rekordtief. Doch statt die Preise zu senken, verlangt die Meckatzer Löwenbräu...

DWN
Panorama
Panorama USA-Dynastien: Amerikas heimliche Herrscher
10.07.2026

Amerika feiert sich als Republik ohne Könige und ererbte Macht. Doch ein Blick in die Geschichte zeigt: Familien wie Adams, Rockefeller,...

DWN
Politik
Politik Die russische Kraftstoffkrise greift auf die Nachbarländer über
10.07.2026

Der Kreml warnt, dass er den Export von Kraftstoffen verbieten könnte. Einige Nachbarländer haben jedoch keine andere Alternative als...